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EFah

Eine unvergessliche Trainingsnacht ...

Eine unvergessliche Trainingsnacht …

 

Mein Wecker klingelt um 04:30 Uhr, mal sehen was das Wetter macht, denn heute habe ich ein Seminar, zu dem ich etwa 100 km anreisen muss.

Vorsichtiger Blick aus dem Fenster: OK, 10 cm Neuschnee und es schneit immer noch. Also nichts wie raus zum Schneeräumen. Da meine liebe Nachbarin bereits 76 Jahre alt ist, wird ihr Grundstück gleich mit geschippt. Dann noch den Garagenvorplatz. Nach 45 Minuten bin ich ordentlich nassgeschwitzt und brauche erst mal eine Dusche.

Das Frühstück fällt heute aus, denn wer weiß, was auf der Autobahn bei diesen Verhältnissen los sein wird. Für die Strecke, für die ich normalerweise etwa eine Stunde brauche, benötige ich heute etwas mehr als zwei Stunden. Da ich aber der einzige bin, der heute pünktlich ist, beginnt das Seminar erst eine Stunde später. Immer wieder blicke ich nach draußen. Es schneit ununterbrochen.

Ich denke an meine heutige Laufeinheit. Wie und wann soll ich die denn heute unterbringen? Mein Trainingsplan schreibt mir ein Intervalltraining mit 20 mal 400 Metern in 03:07 vor, dazwischen jeweils 300 Meter Trabpause. Wie soll ich das bloß schaffen? das ist bei trockenem Boden schon grenzwertig.

Ich verzichte auf das Mittagessen und fahre gleich los Richtung Heimat. Die Rückfahrt gestaltet sich ähnlich schwierig wie die Hinfahrt. Zu Hause angekommen, sind erneut 15 cm Neuschnee wegzuschippen. Wieder nass geschwitzte Kleidung wechseln und ab ins Büro, um zu sehen was dort alles angefallen ist.

16 Nachrichten auf dem Anrufbeantworter und unzählige E-Mails. Das darf doch nicht wahr sein… „ICH MUSS HEUTE NOCH LAUFEN…“

Geordnet nach Dringlichkeit versuche ich die schnell zu erledigende Aufgaben gleich abzuarbeiten. Doch ein unaufschiebbarer Fall kostet mich richtig viel Zeit.

Gedanklich wird das Intervalltraining bereits abgehakt. „Heute musst du froh sein, wenn du deine zwei Kilometer für den „Serienerhalt“ überhaupt noch hinbekommst.“ Doch ich widerspreche mir sogleich: „diese 2 Kilometer werden auf jeden Fall gemacht, egal was geschieht! Schließlich stehe ich knapp vor den 300 Tagen.

Schnell noch Schatzi anrufen und Bescheid geben, dass es heute etwas später wird. Doch auch bei ihr läuft es heute nicht rund. Sie wird sich auch verspäten und fragt an, ob wir uns auf der Stadionbahn treffen sollen. Denn sie will heute unbedingt 12 km laufen und bei den Schneeverhältnissen wäre die Bahn doch besser geeignet.

Eigentlich habe ich mich ja schon für die 2 Kilometer-Variante entschieden. Stadionbahn freischippen war eigentlich auch nicht geplant. Doch wenn Schatzi so lieb fragt, werde ich wohl dennoch ins Stadion fahren und wieder Schnee schaufeln. Vielleicht kann ich mich dann doch noch für das Intervall begeistern.

Schnell noch den Rest erledigt, alles andere kann auf morgen warten. Laufklamotten an, vor der Haustür nochmals geschippt und ab ins Stadion.

Oh Schreck, da liegen bestimmt 25 bis 30 cm Neuschnee. Also ran an den Speck. Nach ca. einer Stunde habe ich 400 Meter freigeschippt. Da es aber ständig weitergeschneit hat, kann ich gleich nochmals eine schnelle Runde schippen. Zwischenzeitlich ist auch Schatzi eingetroffen und dreht schon ihre ersten Runden.

Ich entscheide mich nun doch das Intervall zu machen. Die Bedingungen sind ja gar nicht so schlecht. Minus 6 Grad und ständiges Schneetreiben. Die Stirnlampe verrät mir die Zwischenzeiten auf meiner Uhr.

Schatzi muss immer in den Tiefschnee, wenn ich von hinten, mit meiner 03:07 Pace angedüst komme, damit ich auch keine Sekunde verliere.  

Nach und nach löst sich die Spannung des Tages. Mein Kopf wird frei. Ich kann den Druck der aufgeschobenen Aufgaben fallen lassen. „Nimm dich nicht so wichtig, die Welt dreht sich auch ohne dich. Alles ist gut, ich bin glücklich und zufrieden“, denke ich mir.

In den Trabpausen realisiere ich, was wir hier heute machen. Die Stimmung hat schon etwas Romantisches. Tief verschneites Stadion, die Ruhe der Nacht (nur unterbrochen von meinem Stöhnen, wenn ich auf dem letzten Loch pfeife), das Treiben der Schneeflocken und am Berg die beleuchteten Fenster der Häuser wo die Menschen in ihren warmen Wohnzimmern sitzen und den Feierabend genießen. Ab und zu fährt ein Zug vorbei.

Ich komme mir vor, als ob ich eine Figur in der Landschaft einer Spielzeugeisenbahn bin. Ein winzig kleines Teil vom Ganzen. Und ich fühle mich glücklich, richtig, richtig glücklich.

Ich frage mich, was dieses Gefühl ausgelöst hat. Ja, es ist die überwundene Bequemlichkeit, trotz der widrigen Umstände. Wieder einmal konnte ich mich auf mich verlassen. Ich habe mich nur ein Stück weit von meiner Außenwelt diktieren lassen. Ich allein bin Chef meiner Gedanken und meiner Zeit, lass Dich nicht so oft davon abbringen.

Ich stell mir die Frage: was macht Dich denn überhaupt glücklich? Und ich muss feststellen, dass mir als erstes das Laufen einfällt. Laufen in schöner Natur, am liebsten wenn es warm ist, am Meer, in den Bergen, im Wald …

Mein liebes „Schatzi“ macht mich glücklich, und es ist wahnsinnig schön, wenn ich mit ihr mein Glück gemeinsam genießen kann ….

… Die letzten Meter, Schatzi ist auch gerade fertig geworden. Sie kommt auf mich zu, die Augenbrauen, die Haare, die Mütze und der Kragen ihrer Jacke sind ganz vereist. Sie umarmt mich und flüstert mir ins Ohr: „Diese Trainingsnacht werde ich mein ganzes Leben nicht vergessen. Das war etwas ganz Besonderes. Ich danke Dir, dass Du uns dies möglich gemacht hast….

Kommentare

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Wo ist diese Laufbahn???
Darf ich da auch einmal meine Runden drehen???
Es wäre eine große Ehre für mich. Auf der letzten Bahn würde ich FRguy Junior auf den Arm nehmen und gemeinsam mit ihm diese Runde drehen.

FRguy

hallo EFah,

deine Berichte sind immer wieder schön zu lesen.toll dass du das zusammen mit "Schatzi" erleben kannst. Ganz liebes Grüßle an dich und dein Schatzi:))))

traudl

 

Was für eine romantsiche Liebesgeschichte. Schwärm

Hallo,

das war mit einer der schönsten Trainingsberichte, die ich seit langem gelesen habe. 

Viele Grüße

Andy

Uff Uff !

Das klingt zielich beeindruckend.

.."sich den Weg zum Laufen freischaufeln müssen" ...

Dann 3mal am Tag die Einfahrt und den Gehweg freischaufeln (müssen),

Stress um zur Arbeit zukommen, ....

Und wenn man dann jemandem (der nicht laufen geht) erzählt, wie entspannend so ein Lauf sein kann, wie erholsam er sein kann und wie aussergewöhnlich so ein abendlicher Lauf sein kann, ist doch klar das sich das niemand vorstellen kann. Als "Nichtláufer" sieht man nur das "sich anstrengen müssen", das "schwitzen", und halt alle, aus seiner Sicht, unangenehmen Seiten des Laufens.

Ich war vorgestern Abend eine Runde drehen. Da wir ausser halb der Ortschaft keine Belechtung haben, bin ich auch mit Grubenlampe los. Aber wenn es dann so richtig dunkel wird (keine Autoscheinwerfer welche die Strasse ein wenig erhellen), so richtig still wird und man nur den kleinen Bereich auf der Strasse erkenne kann den das Gruben-Scheinwerferlicht erhellt, und nur die eigenen Geräusche des Auftretens hört,  ist das schon ein sehr seltsames Gefühl.

Aber das Gefühl, trotzdem gelaufen zu sein, und trotz der merkwürdigen Gedanken doch wieder ein paar Km extra gelaufen zu sein, das ist doch fast unbeschreiblich. das kann man nur selbst erleben.

Freue mich für Euch das Ihr doch aus der anfänglich schwierigen Lage etwas positives gemacht und erlebt habt.

.. allzeit eine freie Bahn zum laufen .... !!!!!!

viele Grüsse aus den verschneiten Malle ... das muli ... brrrrrrrrrrr

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