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42erMichel

SPARTATHLON (1.Teil) - Unmenschlich? oder Unheimlich Menschlich?!!

Von 42erMichel am 02.01.2011


Spartathlon. Der Inbegriff jedes Ultras. Für viele ist das Finish hier DAS Ziel überhaupt. Ich darf hier eine sehr erfolgreiche Mitläuferin zitieren: "...Wer diesen Lauf schon einmal gemacht hat, weiß sowieso, worum es da geht und wer noch nicht dort war, kann es sich auch trotz aller Schilderungen nicht richtig vorstellen". Und ich durfte als Mitglied der DUV Fördergruppe 2010 dabei sein. Hatte auch schon einiges gelesen und gehört, konnte aber auch nie so richtig verstehen, was daran sooo toll sein sollte. Und ich will nun den Versuch unternehmen bissle was von meinen - immer noch paraten - Eindrücken mitzuteilen.

Der geschichtliche Hintergrund dieses Laufes ist uns allen bekannt - besonders ein Teilabschnitt dieses Laufes stellt für die meisten von uns ein Lebensziel dar: Marathondistanz! Und diese Geschichte jährte sich 2010 zum 2500. mal.

2500 Jahre Spartathlon

Damals legten die Perser mit ihrer umfangreichen Kriegsflotte in der Nähe Athens an, um sich hier zu sammeln, ihre Pferde abzuladen und dann Athen niederzuschlagen. Dies geschah in der Nähe des kleinen verschlafenen Städtchens namens Marathon.

Gedenkstätte an die Schlacht von Marathon

Geländemodell im Museum von Marathon

Der athenische Herrscher Miltiades hatte Wind davon bekommen und schickte den berufsmäßig laufenden Boten Pheidippides los um Hilfe zu erbeten bei den Spartanern, die Athen gut gesinnt waren. Doch dummerweise waren das nicht die direkten Nachbarn. Der Bote lief am Morgen los um die ca 246km entfernte Stadt Sparta am nächsten Abend zu erreichen. Der dortig gerade amtierende König Leonidas sagte seine Hilfe zu. Doch wie sollten jetzt die Athener davon erfahren? Da Pheidippides sich gerade eingelaufen hatte und eh wieder heim wollte nahm er den Auftrag auch noch an und machte sich gleich wieder auf die Socken. Wegen der paar Überstunden machte er sich doch kein Kopf! Zwischenzeitlich hatten die Athener schon mal begonnen allein gegen die Perser bei Marathon zu kämpfen, und so durfte der Bote seine Strecke um schlappe 42km verlängern um den gerade beschäftigten Kriegern die in 3-4 Tagen eintreffende "spartanische" Verstärkung anzukündigen. Zwischenzeitlich hatten sie die Perser jedoch schon sehr blutig niedergemacht und deren noch immer zahlreichen Überlebenden auf ihre Schiffe zurückgedrängt. Doch die um einige tausend Köpfe dezimierten Perser segelten nicht gen Heimat, sondern nahmen ganz frech Kurs auf Athen!!

Grabhügel für die gefallenen Perser in Marathon

Grabhügel für die Gefallenen Perser in Marathon

Also marschierten die Krieger zurück gen Athen. Jetzt gab es aber ein Problem: bei günstigen Winden könnten die Perser zu Schiff (wobei sie sich dabei auch noch von der Schlacht erholen konnten) schneller sein als die abgekämpften, zurückwandernden Krieger. Irgend jemand musste die Stadt Athen warnen, dass dieses Mal Gefahr von Seeseite her drohte. Da Pheidippes anscheinend noch bissle Ledersohlen an den Füßen hatte, die kürzeste Strecke über die Hügel schon kannte und sich für den Rest des Tages eh nichts vorgenommen hatte übernahm er diesen geschichtsträchtigen Lauf von Marathon nach Athen auch noch. Als er die Nachricht in Athen überbrachte (übrigens noch rechtzeitig, die Athener bauten sich alle an der Hafeneinfahrt auf und schüchterten die Perser derart ein, dass sie umdrehten) soll er dann tot zusammengebrochen sein. Wer kann es ihm verdenken! Aber mit seiner Geschichte, und dem letzten Teilstück seines Laufes hat er nicht nur Athen den Griechen gelassen, sondern auch noch (Sport)Geschichte geschrieben. Für uns alle ein Begriff: (ULTRA)MARATHON!

Diese historische Geschichte um die Schlacht bei Marathon ist - verständlicherweise - für die Griechen ein sehr wichtiges Ereignis! Die Ortschaften die auf dem Weg des Boten Pheidippides lagen sind größtenteils überliefert und so kamen 1982 zwei griechische Langenstreckenläufer auf die Idee, diese 246,3 km mit ca. 3000HM von Athen nach Sparta innerhalb von 36h nachzulaufen . Seitdem starten jährlich Läufer aus aller Welt im September um eben diesen historischen Lauf  (optimalerweise) zu finishen.

Sind bestimmte Qualifikationsnormen erfüllt (z.B. wer 200km am Stück gelaufen ist oder schon mal den Lauf gefinisht hat) kann zum Start zugelassen werden. Wer schon 4x gestartet ist ohne das Ziel erreicht zu haben, darf nicht mehr starten.

Dieser Lauf hat seine eigenen Gestze. Je nach vorherrschendem Septemberwetter erreichen immerhin 30-50% der gestarteten Läufer das Ziel.

2010 werden Freitagmorgens um 07:00 Uhr 351 Läufer aus ca. 60 Nationen (das deutsche Kontingent bestand aus 39 Läufer) am Fuße der Akropolis starten. Aber innerhalb der nächsten 36h werden nicht mal 130 Läufer (davon 22 Deutsche Finisher) den Fuß des Standbilds von Königs Leonidas auf einem großen Platz in Sparta berühren, um damit offiziell ihren Spartathlon zu beenden.

Leonidas in Sparta

Das hat nicht nur witterungsbedingte Gründe. Die 246,3km lange Strecke ist durch 75 Checkpoints aufgeteilt. Diese sind

  • Erfrischungsstationen
  • Versorgungspunkte
  • Motivationshilfen
  • teilw. physiotherapeutische Versorgung
  • 3x ärztliche Kontrollen an denen ein Rennarzt entscheidet ob man weiterlaufen darf.

Jede dieser Stationen hat aber auch eine Durchgangszeit, an der die Station geöffnet ist. Kommt man später als die hierfür vorgesehene Zeit, muss konsequent der Lauf beendet werden. An jedem Checkpoint ist eine Tafel angebracht, an der dies gut zu erkennen ist. Auch die Entfernung zum nächsten CP.

CP Tafel

Aber was macht jetzt diesen Lauf so einmalig? In wenigen Sätzen zusammengefasst startet man in

dichtem Großstadtberufsverkehr um sich dann

in Raffineriegebieten,

auf Ausfallstraßen und

Autobahnen (nein - nicht gesperrte Autobahnen! Zu was gibt es den optimal vorhandenen UNGESCHÜTZTEN Standstreifen, meist aber nur die breite weiße Begrenzungslinie),

stark und sehr schnell befahrenen Küstenstraßen

ca. 150 km lang in profiliertem Gelände einzulaufen, um dann zu mitternächtlicher Stunde einen unbeleuchteten, steinigen und sehr steilen Pass-Trampelpfad hochzukriechen. Jetzt endlich warmgelaufen gehts wieder runter auf Meereshöhe um eine sehr langgezogene 15km Rampe hochzulaufen in die Hügel, die Sparta umgeben. Sparta selbst liegt jedoch in einer Talmulde. Also ist es den Läufern vergönnt ab ca. km 222 nur noch bergab (!!!) zu trotten!

Was und wie ich das alles erlebt habe, schildere ich euch im 2. Teil. Kommt grad die Sonne raus - muss erst mal laufen gehn.

 

laufendlaufende Grüße

michael

 

 

 

Kommentare

heftig, heftig. Aber die Regeln haben es in sich. Wow.

sehr interessanter Bericht ....

gruß stone

 

und noch ein Herzle :)!!!

stark!!!!

grüßle tt

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