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EFah

Spannung pur ...

Von EFah am 22.04.2010

Spannung pur …,

 

so könnte die Überschrift für meinen letzten Marathon lauten.

 

Die Vorbereitung für diesen wichtigen Wettkampf lief eigentlich ganz gut. Obwohl der Winter recht schneereich und vor allem lange war, haben wir unser Training fast immer, gemäß Trainingsplan, absolviert. Den letzten Schliff holten wir uns dann im Trainingslager in Andalusien. Kurz danach dann die letzte Tempoprüfung beim Halbmarathon. Mit einer Zeit von 01:21 waren, zumindest rechnerisch, die Weichen für eine Marathonzeit unter 3 Stunden gestellt. Denn, das ist seit zwei Jahren mein erklärtes läuferisches Lebensziel.

 

Ich will in meiner Läufervita mindestens einmal eine ZWEI beim Stundenzähler meiner Marathonzeit sehen. Mein Schatzi hat sich erstmalig die DREI vorgenommen.

 

Also starten wir schon ein paar Tage vorher um ausgeruht und stressfrei am Start stehen zu können. Die Aufregung vor dem Wettkampf scheint dieses Mal deutlich größer zu sein. Immer wieder frage ich mich, warum dies so ist und versuche mit Suggestionen dagegen anzukämpfen.

 

Die letzten Tage machten sich immer wieder Zipperlein wichtig. Mal war es ein schmerzender Knöchel, der aber durch einen Schuhtausch ausgeschaltet werden konnte. Dann zickte wieder die Leiste, dort versuchte ich mit Stabilisationsübungen entgegenzuwirken. Am Vortag des Wettkampfes wollte dann meine Hüfte auch noch mitreden. Sie überzog derart, dass ich beim normalen Gehen schon Schmerzen hatte.

 

„Alles Phantomschmerzen“, versuchte ich mich zu beruhigen. Am Wettkampf bist Du voller Adrenalin, deshalb kein Grund zur Beunruhigung.

 

Die Kleidungsfrage macht mich diesmal ebenfalls total verrückt. Der Wetterbericht schwankt von 20 °C wolkenlos / windstill und 14°C bedeckt / sehr windig. Denn erstens mag ich keine Kälte und Wind kann ich schon gar nicht leiden.

 

Als wir um 06:00 Uhr in den Bus einsteigen zeigt das Thermometer 2 °C an. Also entscheide ich mich für die Langarmvariante, was sich nachher als Vorteil erweisen wird.

 

Meine Renntaktik ist diesmal ganz einfach gestrickt. Ich versuche so lange es geht eine Pace zwischen 04:00 und 04:10 zu laufen. Mein Steady-State lässt dies zu, so dass eine vorzeitige Übersäurung nicht zu befürchten ist. Denn dieses Niveau habe ich mir antrainiert.

 

Bei meiner Verpflegungstaktik bin ich aber leider nicht so sicher. Alle Welt behauptet, dass Gels bei diesem Tempo unerlässlich sind. Genauso wird immer über die Wichtigkeit der Isogetränke philosophiert. Ich will auf beides verzichten und nur Wasser zu mir nehmen.

 

Bereits um 07:30 Uhr stehen wir am Start, das bedeutet noch 1,5 Stunden frieren und zittern.

 

Doch irgendwann schallt dann der erlösende Startschuss. Bis Kilometer 25 läuft alles nach Plan. Es ist zwar immer windig und kalt, trotzdem kann ich meine Zeiten gut durchhalten.

 

Nach und nach merke ich, wie die 04:15 er Zeiten immer schwieriger werden. Der Wind nimmt immer mehr zu. Später wird man den Schlagzeilen entnehmen, dass noch niemals so viele Läufer aufgegeben haben. Immer wieder stellt sich die Frage was besser ist. Allein im Wind zu laufen, oder den Vordermann mit 100 Metern Vorsprung einzuholen um in dessen Windschatten zu laufen. Dieses Unterfangen stellt sich oft als sehr kraftraubend heraus. Mehrfach bemerkt so ein Vordermann mein Vorhaben, lässt sich zurückfallen um dann in meinen Windschatten zu gelangen. Dann war die Spurtenergie vergeudete Kraft.

 

Doch der kraftraubende Wind nährt schon den neuerlichen Gedanken den wiederum nächsten Vordermann einzuholen. Eine fast endlose Geschichte.

 

Der Wind und die Spurts fordern natürlich ihren Tribut. Ich sehe das erste mal eine 04:50 für den Kilometer auf meiner Uhr und weiß genau, wenn du das nicht änderst, kannst du Dein großes Ziel abhaken. Ich ziehe wieder an und freue mich beim nächsten Kilometer eine 04:30 zu sehen. Diese Freude wird mit einer Siegerfaust zelebriert. Doch nach einer Kopfrechenübung stelle ich fest, dass das trotzdem verdammt eng wird.

 

Habe ich noch genügend Kraft für den Endspurt? Wann soll ich diesen beginnen? Ich visualisiere nochmals meine Zieleinkunft bei 02:59:XX und die Freudenfeier die damit verbunden wäre. Das gibt mir wieder Kraft nochmals Tempo zuzulegen.

 

Endlich, ich sehe das 42 er Schild. Dann die 90 Grad Kurve auf den Zieleinlauf. Ich erreiche den blauen Teppich und renne mir die Seele aus dem Leib. Die Zieluhr zeigt unverfälscht die Bruttozeit an, welche natürlich schon über 3 Stunden ist.

 

Ich renne in Siegerpose über die Ziellinie und drücke kurz danach meine Uhr. Sie bleibt bei 03:00:04 stehen.

 

Soll es das gewesen sein? 4 Sekunden über meinem Läuferlebensziel?

 

Egal, jetzt kann ich sowieso nichts mehr ändern. Vorbei ist vorbei. Das Mindestziel, „Neuer Rekord“ ist ja auf jeden Fall erreicht.

 

Eine klitze kleine Hoffnung bleibt ja bestehen. Vielleicht habe ich ja 5 Sekunden zu spät gedrückt. Ich mache den Versuch, wie lange 5 Sekunden sind und stelle fest, dass das unheimlich lange ist. Wahrscheinlich endet diese Vorstellung mit einer oder zwei Sekunden über den 3 Stunden.

 

Egal, jetzt wird erst mal geduscht und auf Schatzi gewartet. Doch Schatzi ist so schnell, dass ich sie beinahe noch verpasst hätte. Sie läuft mit 03:56 über die Ziellinie und ist überglücklich. Ich nehme sie in die Arme und bin unglaublich stolz auf meine „Liebste“.

 

Ausgelassen feiert unser ganzes Team viele neue Bestzeiten. Wir tanzen und singen und machen ordentlich Stimmung.

 

Danach noch eine lange, lange Busfahrt zum Hotel. Dort angekommen, eile ich so schnell es geht zum Computer um die Ergebnisse abzufragen und stelle fest:

 

02:59:59

 

Ein Wahnsinn !!! Was doch eine Sekunde im Leben ausmachen kann.

Kommentare

Einfach grandios! Gratulation zu Euren Leistungen!

Und ich denke ich werde mir diesen laufbericht am 15.05. abends nochmal genau durchlesen und etwas Motivation daraus schöpfen ;-)

Viele Grüße

Andy

Mensch EFah

 das habt ihr beide ja wirklich klasse gemacht. GRATULIERE! Nach dem harten Trainingswinter und dem vielen Schneeschippen auf dem Sportplatz habt ihr es euch wirklich verdient:)

Dein Bericht ist wirklich spannend geschrieben- war toll zu lesen. Ganz liebes Grüßle noch an dein Schatzi :)


Liebes Grüßle

traudl

Hallo EFah,

 

zunächt einmal Herzlichen Glückwunsch zu Deiner Leistung. Das erste Mal unter 3 Stunden ist immer ein Highlight. Wenn es dann noch eine Punktlandung war, vergisst man das nie. Was Du beschrieben hast, ist mir schon einmal genau so passiert. In Köln blieb die Uhr ebenfalls bei 2:59:59 h stehen(da hatte ich aber schon zwei Läufe unter 3 Stunden hinter mir). Das ist schon ein irres Gefühl, bei der Streckenlänge so punktgenau(und seien wir ehrlich: auch glücklich) anzukommen.

Du wirst sehen, wenn deine Gesundheit mitspielt, wirst Du noch öfter unter 3 Stunden laufen. Ich drücke Dir jedenfalls die Daumen.

 

Liebe Grüße

 

Thomas

 

 

Hallo EFAH, herzlichen Glückwunsch zu deinem "mörder" schnellen Marathon.

Super Lauf, super Bericht, Klasse. Bin gerade etwas sprachlos. Ich wünsche Dir eine angenehme Erholungsphase...

 

Romeo

@FRguy: bin mal gespannt, wer außer uns beiden (und Traudl natürlich) den Joke jetzt versteht.

Willkommen im Club der "1 SEKUNDE MARATHON CHAMPIONS"!

8-)

Herzlichen Glückwunsch zu der Zeit unter 3 Stunden, jedoch ist deine Marathon-Taktik miserabel, dass muss man schon mal einfach sagen ;-). Wer eine 01:21 auf einen Halbmarathon laufen kann, muss den Marathon deutlich besser planen und kann dort auch besser als 02:59 abschneiden. Trotzdem freut es mich, dass du dein Ziel erreicht hast, wenn auch mehr oder weniger über Umwege. Weiterhin viel Spaß beim Laufen, gruß Beff

Da bist Du wohl bei Start und Ziel mit dem richtigen Schuh über die Matte.

Wow! Glückwunsch.

Ooooooohhhhh Junge !

War das knapp !

Auch meinen Glückwunsch zum Finisch und zur Bestzeit.

Ich musste während des Lesens dran denken, was der Kopf doch beim Laufen ausmacht.

Ständig arbeitet es in ihm und stándig kommen da Ideen und Überlegungen raus die nicht alle unbedingt produktiv sind. "Soll ich oder lieber nicht?" "Überholen oder besser noch warten ?" "Jetzt schneller und später .." immer dieser Kopf !

Was ich auf den schon geschimpft habe, doch er gaukelt einem immer wieder so´n Kram vor. Manchmal würde ich ihn beim Laufen gerne Ausschalten und einfach nur laufen...laufen ... laufen ...aber ... er ist nun mal da. Vielleicht sollte man ihn auch trainieren ? Trainieren still zu sein und nur auf die Erfahrung die man gesammelt hat zu vertrauen.

Was auch immer. Ich fand Deinen Bericht super spannend.

Vielen Dank dafür.

Einen schönen Gruss ... das muli

Toll geschrieben, war richtig aufgeregt beim lesen( bin in Gedanken mitgelaufen)

Meine tiefe Verbeugung und herzlichen Glückwunsch zur Verwiklichung eurer Läuferträume, Traumboot

PS schreib bitte weiter so schöne Blogs!!

Tolle Geschicht und schön, dass sie so gut für Dich und auch Deine Liebste ausgegangen ist.

Glückwunsch Euch Beiden!!!

Man, ich habe beim Lesen wirklich schon gedacht, das darf doch nicht wahr sein und ein Gefühl von Traurigkeit hat mich beschlichen. Aber dann kam doch noch das Happy End. Ich sag' ja zum Happy End :-). Schööööön.

Viele Grüße

dirge

Hallo EFah,

du glaubst garnicht wie sehr ich das alles nachvollziehen kann.

Es ist supertoll beschrieben und man leidet richtig mit. Tempo hochhalten trotz Gegenwind, auflaufen oder nicht, das alles kommt einem blitzartig wieder in den Sinn und man registriert, dass man dass alles so oder so ähnlich auch schon mal erlebt hat.

Ich gratuliere Dir zu deiner Zielzeit und freue mich mit Dir.

Mir persönlich fehlt dieses Erlebnis noch, da ich immer wieder um km 35 eingebrochen bin. Trotz HM Zeiten von 1:25 h auf sehr hügeligen Strecken. Irgendwann habe ich es dann aufgegeben und mich aufs Sammeln festgelegt.

Vielleicht packt es mich ja auch nochmal!

Viele Grüße aus Wiesbaden

Ralf

 

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