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Umfrage_2018

EFah

Wie lange kann man mit Bestzeiten dem Alterungsprozess trotzen?

Von EFah am 30.05.2011

Der Wunsch, die Entscheidung, der Plan, Disziplin, Gib Dein Bestes, der Sieg, …

 

so könnte die Kurzfassung meines Hamburgmarathons lauten. Doch wer sich schon mal großen Herausforderungen gestellt hat weiß, dass der Zieleinlauf selbst nur die Konsequenz der vorausgehenden Handlungen und Gedanken ist.

 

Für meine Marathonvorbereitung bedeutet dies: rechtzeitiges Beginnen, strukturiertes Training, Einhaltung der Trainingsvorgaben, selbstbewusster Umgang mit Rückschlägen und der feste Glauben an das große Ziel. Verletzungen, Motivationsmangel oder Misserfolge erfordern viel Fingerspitzengefühl zwischen „jetzt erst recht“ und „mach mal Pause“. Der Druck, alles richtig zu machen verstärkt sich zunehmend.

 

Immer mal wieder Standortbestimmung, wie zum Beispiel der Halbmarathon in Mainz zwei Wochen vor dem großen Tag. Die große Frage lautet: Gib alles, oder lauf „nur“ MRT und schone Dich für den Marathon. Auch versierte Fachleute sind sich in dieser Frage immer uneinig. Ich will die Entscheidung erst auf der Strecke fällen. Trotz großer Hitze laufe ich in Mainz mit einer 01:19 eine neue Bestzeit. Mit großer Freude und stolz geschwellter Brust sehe ich der „Hamburgmission“ entgegen.

 

Doch die Zweifel sind trotzdem existent. In den verbleibenden zwei Wochen werde ich zum Hypochonder. Ich fühle mich schlapp und energielos, nehme wieder zwei Kilo zu, kreiere und verwerfe Rennstrategien für Hamburg, hinterfrage ständig ob die Vorbereitung ausgereicht hat.

 

Doch die Unruhe ist keine Angst, sondern Spannung, die endlich abgebaut werden will.

 

Dann endlich in Hamburg angekommen, das Vorprogramm bringt Ablenkung, es tut gut sich auszutauschen, Freundschaften zu pflegen, Spaß zu erleben. Am Freitag kleine Stadtbesichtigung, tolles Musical und danach Ausklang an der Hotelbar. Samstag Schaulaufen, Messebesuch, Hafenbesichtigung und abends Nudelparty in toller Atmosphäre an der Binnenalster.

 

Dann endlich Sonntag: nach der obligatorischen Honigsemmel und dem Fototermin endlich der erlösende Startschuss. Ich tauche ein in meinen Marathontunnel. Das Kopfkino zunächst entspannt, doch irgendwann kommen die inneren Debatten, „Gib Dein Bestes“ Du hast es dem ganzen Team versprochen. Später dreht sich alles nur noch um Entfernungen und dem sehnlichsten Wunsch das Zieltor zu erblicken.

 

Die Hamburger Zuschauer sind wirklich klasse. Noch nie habe ich so viele herzliche Zurufe erhalten. Die Kulisse ist traumhaft. Die Versorgungsstellen super organisiert. Der von Menschenmassen gesäumte Zieleinlauf ist lang, sehr lang. Die Begeisterung riesig. Wer sich richtig feiern lassen will, ist bei den Hamburgern in den besten Händen.

 

Die Zielmatte pfeift bei 02:55. Ich bin glücklich, super super glücklich. Du hast alles richtig gemacht. Alle Sorgen, alle Zweifel fallen von mir. Warnungen, gutgemeinte Ratschläge, 5 Monate Vorbereitung mit Höhen und Tiefen ziehen an meinem geistigen Auge vorbei. Mein Hirn arbeitet aber nur auf „Notbetrieb“. Vielleicht ist ja alles nur ein Traum? Ich suche mir einen Sitzplatz und überprüfe nochmals die abgespeicherte Zeit meiner Uhr. Es stimmt: Neue Bestzeit, ich kann es kaum fassen.

 

Die Erschöpfung und die Leere des Kopfes zwingen mich zur Demut. Ich fühle Dankbarkeit für das Erreichte, Dankbarkeit für meine Gesundheit, Dankbarkeit für mein wundervolles Leben.

 

Marathonlaufen bedeutet für mich eine einzigartige Erlebnismischung aus Grenzüberschreitung und Zurückhaltung, Lust und Mechanik, quälender Erschöpfung und absoluten Glück. Solche Momente bleiben unvergessen, deshalb werde ich es wieder tun, und wieder und wieder … auch wenn es so viele Menschen nicht verstehen können.

 

Euer EFah

 

Kommentare

Hallo EFah

da gibt es natürlich eine schnelle Antwort: So lange man einen Gedanken fassen kann, wie "wenn ich nicht mehr laufen kann, finde ich etwas anderes" wird man vom Laufen definitiv nicht beherrscht. Aber, wie schon gesagt, bei Dir mache ich mir da keine Sorgen. 

Viele Grüße aus Delligsen

 

Thomas

 

 

Hallo EFah,

Gratulation! Du bist an einem wie ich finde wettertechnisch sehr ungünstigen Tag (viel zu schwül, viel zu warm) Bestleistung gelaufen. Jetzt überleg Dir mal, was bei 12 Grad und bedecktem Himmel rausgekommen wäre...? (Kleiner Ansporn...). Nein - wirklichen Respekt - Du läufst in Liga 1.

Liebe Grüße

Dollberg

Hallo Efah.

Es freut mich sehr, endlich wieder einmal hier etwas von Dir zu lesen. Um so mehr freut es mich, wenn es solche´fantastischen Nachrichten sind. Super Zeiten (von denen ich wirklich nur träumen kann), persönliche Bestzeiten (daran arbeite ich auch mal wieder) und eine so positive Einstellung dem Laufen gegenüber - das begeistert mich beim Lesen.

Ich war am WE auch unterwegs und kann gut nachempfinden wie es ist, dieses gesetzte Ziel erreicht zu haben. Was das berüchtigte "Kopfkino" angeht, das ist ein Thema für sich. Was da alles bei einem Lauf durch gekaut wird, ist wirklich ungeheuerlich. Man müsste die "unerwünschten" Gedanken einfach abschalten können und nur noch Gedächtnisleistung fürs wesendliche nutzen können- für´s Laufen z.B..

Ja das wäre was.

Ich wünsche Dir eine schnelle Regeneration und hoffe bald wieder eine so fantastische Berichterstattungen lesen zu dürfen.

 

Bis dahin alles Gute und hoffentlich bis bald ... el muli ... olé !!

Hallo Thomas, vielen Dank für Deine Glückwünsche, das hat mich sehr gefreut. Frage: Wie und wann merkt man, dass man vom Laufen beherrscht wird. Ist die grundsätzliche Gefahr nicht bei allen Leidenschaften gegeben.

Sagen wir mal so: Das Laufen bereichert mein Leben, es hält mich gesund, es macht mich leistungsfähiger, es gibt mir Selbstbestätigung. Doch wenn ich aus irgendwelchen Gründen morgen nicht mehr Laufen könnte, finde ich etwas Neues, da bin ich mir sicher. Deshalb sehe ich für mich darin keine Gefahr.

Ich will einfach ausprobieren, wo meine Grenze der Leistungsfähigkeit ist. Deshalb bin ich neugierig wie lange ich noch Bestzeiten produzieren kann und ab wann der Abbau größer ist als mein Trainingspensum steigen kann.

Aber vielen Dank für Deinen Tipp, Deine Meinung, Deine Erfahrung haben bei mir einen hohen Stellenwert.

 

Hallo Beff, danke auch für Deine Glückwünsche. Ich dachte schon, dass ich dieses Jahr mit Deiner Zeit gleichziehen könnte. Doch wie es scheint hast Du ordentlich nachgelegt. Dafür auch meine Glückwünsche !!! Sollte unsere Zeitdifferenz immer bei fünf Minuten liegen, dann wünsche ich Dir eine 02:40.

 

Lieber Martin, lieber Andy, vielen Dank für Eure Glückwünsche. Ich hoffe Ihr seid ebenfalls auf Zielkurs.

 

Liebe Traudl, dem KM-Spiel entnehme ich, dass es bei Dir sehr gut läuft. Das freut mich ungemein. Danke auch für den Wink mit dem Zaunpfahl. Ich bessere mich.

 

Euer EFah

 

 

 

 

 

Hallo Efah,

Gratulation zu einer grandiosen Leistung!

Viele Grüße

Andy

schön wieder von dir so einen schönen, zum nachdenken anregenden Blog zu lesen :) DANKE!

zu deinen fantastischen Zeiten gratuliere ich dir von ganzem Herzen. Da gehört schon Konsequenz und disziplin dazu.

Alles alles gute für dich

liebes Grüssle traudl

 

Hallo EFah,

 

schön, mal wieder was von Dir zu lesen und dann noch so eine Knallermeldung! Toll gemacht, super vorbereitet, voll verdient!

Geniess Deinen Sieg und erhol Dich gut!

 

Sportliche Grüße, Martin

Meinen herzlichen Glückwunsch, starke Leistung und eine grandiose Zeit ;-) ich wünsche dir eine gute Regenerationszeit, erhol' dich gut, viele Grüße, Beff

Hallo EFah,

 

zunächst mal Herzlichen Glückwunsch zu deiner neuen Bestzeit. Und das bei den widrigen Bedinungen! Hut ab! Wusste ich doch, dass aus dir ein richtig guter Marathonläufer wird. Da unsere Marathonbestzeiten jetzt identisch sind, deine Halbmarathonzeit allerdings schon zwei Minuten schneller ist als meine, und da du noch ziemlich jung und ich schon reichlich alt bin, weiß ich: Bei Dir geht ganz sicher noch was!

Aus deinem Schreiben ist wunderbar zu entnehmen, wie sehr dich das Laufen(nicht nur im Sinne der Fortbewegung) beschäftigt. Da gibt es für mich dann nur noch einen Tipp für die Zukunft(der wirklich gut gemeint ist, und nicht etwa besserwisserisch): Pass schön auf, dass Du immer das Laufen beherrscht und nicht eines Tages das Laufen Dich. Ich bin mir aber schon jetzt sicher, dass Du das hinbekommen wirst. Dann wird das Laufen für Dich immer ein Quell der Regeneration, Freude und Genugtuung bleiben. 

Für die Zukunft wünsche ich Dir Gesundheit und weitere Erfolge.

 

Liebe Grüße aus Delligsen.

 

Thomas

 

 

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