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EFah

Von zitternden Muskeln und ungläubigen Blicken.

Von EFah am 17.01.2012

Heute ist Dienstag, das bedeutet Tempotraining. Das ist ja vom Grundsatz her OK, das kann ja auch Spass machen. Doch mein Trainingsplan verlangt heute eine „Hasseinheit“ von mir.

 

20 mal 400 Meter in 03:04 MIN/KM, das bedeutet: Eine Runde auf der Bahn in 73 Sekunden. Dann 300 Meter Trabpause und schon geht es wieder los.

 

Missmutig ziehe ich mich vierlagig an, weil das Thermometer minus acht Grad anzeigt. Auf der Stadionbahn angekommen stelle ich fest, dass die ganze Bahn mit Raureif überzogen ist. Ich starte einen kurzen Versuch, ob die Bodenhaftung meinem anvisierten Tempo gerecht werden kann und stelle sofort fest, dass mein Vorhaben bei diesen Bodenverhältnissen unmöglich ist.

 

Was tun? Tempotraining känzeln? Meine innere Stimme schreit sofort hurra, doch dieser gebe ich nicht so schnell nach, weil ich weiß, dass sie nicht zu mächtig werden darf.

 

Ich suche nach Alternativen, da fällt mir ein Bericht über den Weltmeister im Treppenlaufen ein, außerdem habe ich erst vor kurzem gelesen, wie gewinnbringend kurze Bergsprints sein sollen. Unser höchstes Hochhaus hat 12 Stockwerke, das könnte doch ein sinnvolles Ersatztraining sein!

 

Ich laufe mich 3 KM warm, dann stehe ich tatsächlich im Treppenhaus eines Wohnbunkers.

 

Und START … 2, 4, 6, 8, Plattform, 2, 4, 6, 8 Plattform, … Wow, das geht ja ganz gut, das Geländer hilft die enge Kurven zu nehmen. 5. Stock, 6. Stock, ich will die 12 Stockwerke in 73 Sekunden hinbekommen, das wäre adäquat zum Intervalltraining. Komm, da geht noch was, … noch 3 Stockwerke! 2, 4, 6, 8, Plattform, 2, 4, 6, 8, Plattform. Autsch, ich klemm mir meinen Finger ins Geländer, egal, mach weiter! Ich sehe die 11, Ja gleich geschafft. Und STOPP - Super, das waren 69 Sekunden. Puh, ganz schön außer Atem.

 

Ich bin jetzt schon ganz nass geschwitzt. Ich will mir ein paar Lagen ausziehen und frage den ober mir hantierenden, schwergewichtigen Aufzugmonteur ob ich meine Klamotten hier ablegen könnte. Während meines Ausziehens, schaut er mich an, als ob ich ein Triebtäter wäre, deshalb erkläre ich schnell, dass ich hier trainieren will und in einer Stunde, nach 20 Mal rauf und runter wieder weg bin.

 

Doch sein Blick wird noch fassungsloser, trotzdem genehmigt er mir kopfschüttelnd die Kleiderablage.

 

Gemütliches schlendern nach unten. Trabpause in 120 Sekunden. Und START:

2,4,6,8, … 1,2, … 2,4,6,8, … 1,2, … Nun habe ich mir einen Rhythmus angewöhnt, so dass ich immer mit dem linken Fuß beginnen kann, 2,4,6,8, … 1,2, … 2,4,6,8, … 1,2, … JA, das geht gut, da es immer 8 Treppen sind bleibt keine einzelne übrig.

Bei der Zigarettenschachtel im 9. Stock brennen die Oberschenkel, weiter, weiter, lass sie brennen.

 

STOPP: 66 Sekunden. Jawohl !!! Die neue Technik hat sich ausgezahlt.

 

Nach der 9. Besteigung denke ich an aufhören. Jetzt geht es immer schon im sechsten Stock los, mit dem Kampf die Beine hoch zu bringen. Die Zeit muss unbedingt unter 73 Sekunden bleiben, sonst habe ich die „Aufgabe“ nicht erfüllt.

Glücklicherweise habe ich dem Aufzugmonteur von 20 Runden erzählt, demnach bleibt mir nichts anders übrig, als abzuliefern. Der sitzt vermutlich da oben und zählt mit.

 

Also stell dich nicht an, gleich ist Halbzeit. 4. Stock: kaputte Tür, 5. Stock: Kaffeebecher, 6. Stock: Kippe im Eck, 7. Stock: Fleck an der Wand, 9. Stock: Zigarettenschachtel … 69 Sekunden

 

Der Aufzugmonteur hat doch nicht mitgezählt und erkundigt sich nach meiner Rundenzahl. Er würde es nicht ein einziges Mal, auch nur gehend, schaffen, meint er erneut kopfschüttelnd.

 

Tür, Becher, Kippe, Fleck, Schachtel, dann noch drei und schon vorbei. Ich merke, wie ich eine Beziehung zu der Zigarettenschachtel aufbaue. Man könnte sogar sagen: Ich liebe sie.

 

18, 19 und dann endlich die ZWANZIG !!! Ich halte mich am Geländer, die Uhr zeigt 71 Sekunden, die Beine zittern wie noch niemals vorher, WOW war das ein Kampf.

 

Das Auslaufen stellt mich vor große Probleme: Mein Laufstil hat sich total verändert. Irgendwie kann ich den Abstand zum Boden nicht richtig einschätzen und laufe Gefahr über meine eigenen Beine zu stolpern. Das fühlt sich sehr merkwürdig an und sieht bestimmt zum totlachen aus. Nach 3 KM bin ich dann wieder zu Hause und sehr glücklich über diese neue Erfahrung.

Kommentare

***TOLL! zum Schreien komisch und super-bildlich geschrieben...mehr solcher Beiträge bitte!***;-))

HAllo EFah,

 

hat mir auch großen Spaß gemacht, Dein BEricht, danke dafür! Ist ne tolle MEthode des Trainings, mache ich jeden Tag im Betrieb, wir haben 11 Etagen und ich bin VIEL unterwegs, so oft ich kannim Treppenhaus...

 

Heute fühle ich mich übrigens ähnlich, wie Du nach Deinem Training, habe gestern einen Coopertest gemacht und damit meine Trainerin im Fitnesststudio überrasche. Sie wusste nicht, dass das Laufband 19 Km/h schafft... Aber man will sich ja auch keine Blösse geben, so wie DU bei dem Aufzugmonteur...

 

Sportliche Grüße, Martin

Danke, liebe Traudl / runningquickly.

Ich weiß zwar dass er Marathonläufer ist, weil ich ihn letztes Jahr in Füssen im Ziel getroffen habe, aber dass er Bücher schreibt und solch extreme Sachen macht ist mir neu.

 

O ja Traudl, wenns Efah nich kennt. Boning ist echt super

Wigald Boning - Bekenntnisse eines Nachtsportlers

Der ist auch Hoteltreppenhausläufer, Nachtsichtgerätetretbootfahrer, Langstreckenklappradfahrer, ....................................

echt lesenswert !

Wigald Boning ???

@ running quickly- das ging mir auch durch den Kopf. ich werde EFah mal das Hörbuch ausleihen....

Irgendwie hat das was von Wigald Boning............

einfach schön zu lesen

@all: DANKE für Eure Antworten, das hat mich sehr gefreut

@ FRguy: JA, die KM-Frage habe ich mir auch gestellt. Das Kuriosum: Mein Laufsensor zeigt runterwärts genau doppelt so viel an als raufwärts. Gemittelt waren es dann 3 KM Einlaufen + ca. 3 KM Treppen + 3 KM Auslaufen. Gefühlt waren es aber mindestens 30 KM.

Heute plagt mich ein gigantischer Muskelkater in den Waden und in den hinteren Schenkeln.

 

Prädikat: Zur Nachahmung empfohlen !!!

Euer EFah

DER Blog kommt in meine persönliche Sammlung! Fantastisch! starker Bericht- den Monteur hätte ich gerne belauscht- was dem wohl für Gedanken durch den Kopf gingen... und dir erst- wenn du eine Beziehung zu Zigarettenschachteln aufbaust- oder dich gar in so eine Schachtel verliebst. Muss ich mir Sorgen machen? ich glaub nicht- lauf einfach weiter und berichte davon. Herrlich!!!!

liebes Grüssle

tt

Und wie viele Km sind dabei fürs km-Spiel zusammengekommen?
Wie viele Stufen mal Höhenmeter mal Stufentiefe mal Etagen zum Quadrat?!?

Findet die nächste Alternativ-Trainingseinheit im Schlachthof statt? Mal etwas für den Oberkörper und für die Armmuskulatur?

Und Gott sei Dank ist nicht der Hausmeister vorbei gekommen!

Mensch Efah, was der Monteur wohl morgen im Betrieb erzählt ?

Jungs, gestern ... also ihr werdet es nicht glauben was ich da für einen getroffen habe.

Da wäre ich gerne dabei  :-))

Klasse. Endlich mal wieder jemand der das Wort "Alternativ-training" so richtig umsetzen kann.

Grosses Lob !!!

so kommt man mit ein bischen Kreativität zu super Trainingseinheiten, toll Traumboot

SUUUUPER GEILER Bericht. !!! ich habe die ganze Zeit einen Film vor mir gehabt und den fassungslosen Monteur in seinem Blaumann mit ner Kippe auf denm Zahn. Wahrscheinlich Bierbauch.

Gott sei Dank gibt es Menschen die anders sind als andere !!!!!!!!!!!!!!!!!!

Und ich habe schon gedacht das ich manchmal komisch bin aber Du hast noch einen draufgelegt.

Das dumme Gesicht hätte ich gerne gesehen als Du ihm die Klamotten gegeben hast.

KLASSE !

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