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EFah

Scharfschützen auf den Dächern von Wien

Von EFah am 18.04.2012

Projekt Wienmarathon 2012:

TOP Vorbereitung, sehr gut gelungener Vorbereitungshalbmarathon zur Hochrechnung und ich bin hoch motiviert und voller Vorfreude auf die kommenden Tage.

 

 

Wir hängen noch ein paar Tage Urlaub dran und fahren deshalb schon am Donnerstag los. Doch bereits am Mittwochabend kündigt sich ein leichtes Halskratzen an, welches sich in den nächsten Tagen zu einer ordentlichen Erkältung entwickeln wird.

 

Ich rege mich mächtig auf, weil ich mir ziemlich sicher bin, dass ich mir die Erkältung in der Kirche bei der Taufe unseres Neffen geholt habe. Was soll mir das sagen? Ausgerechnet in der Kirche „versau“ ich mir meine Form.

 

Die nächsten Tage überlege ich ständig hin und her ob ich laufen kann oder nicht. Was sind bzw. wären die Konsequenzen?

 

Am Samstagabend bekamen wir dann Besuch von Joey Kelly. Er erzählt uns in einem spannenden Vortrag von seinen Rennen und seinen Erlebnissen. Echt hart, was der so durchgemacht hat. Demnach dachte ich, was ist da schon ein bisschen Halsweh ... und entschloss mich auf jeden Fall zu laufen.

 

Am Sonntagmorgen ging es mir dann auch tatsächlich besser, so dass ich es für mich verantworten konnte - und startete. Ich kam sehr gut durch den Anfangsverkehr und fand schnell meinen Rhythmus.  Alles war leicht und flüssig, ich war richtig glücklich dass ich gestartet bin. Von der Erkältung merkte ich nichts mehr.

 

Den 04:00 er Schnitt wollte ich diesmal konstant laufen, ohne vorher zu bunkern. Gut, bei den ersten 5 KM gelang mir das nicht ganz, dort war ich dann doch ein wenig schneller.

 

Ab KM 6 spürte ich bei jedem Schritt einen dumpfen Druck in der Wade. Zuerst dachte ich an die Achillessehne, doch dann merkte ich, dass es weiter oben schmerzte. Gut, schenk dem keine Beachtung, das wird sich „rauslaufen“. Solche „Phantomschmerzen“ hatte ich ja schon öfters.

 

Alles andere war OK. Ich fand eine tolle Gruppe die sehr gleichmäßig mein gewünschtes Tempo lief. Wie im Leerbuch wechselten wir, ohne Worte, immer wieder den Windbrecher aus. Ein tolles Gemeinschaftserlebnis mit „fremden“ Menschen, welche einem plötzlich so nahe stehen.

 

Die Schmerzen in der Wade nahmen immer mehr zu. Vor allem bei Anstiegen oder im Wind, wenn der Antritt etwas härter sein musste um die Pace zu halten. Bei der Halbmarathonweiche überlegte ich kurz, ob ich deshalb aufhören sollte. Doch ich wollte nicht abschwächeln. Außerdem traute ich mir zu, die Bestzeit, trotz Schmerzen, noch zu holen.

 

Den tollen "Pokal" unseres Teams wollte ich auch unbedingt haben. Die Chancen waren eh Super, da der Zweite eine 03:05 anpeilte. Das schaffe ich allemal, dachte ich auch mit den Schmerzen in der Wade. Also stellte ich mich auf eine tolle zweite Hälfte ein.

 

Bei KM 26 nochmals FOTOtime durch unser eigenes Filmteam. Immer noch alles im Rahmen. Dann, ich glaube kurz vor KM 28 schießt mir irgend so ein Depp, vermutlich mit Zielfernrohr vom Dach eines Hauses, einfach in die Wade. Ich schreie laut auf und bleibe unvermittelt stehen.

 

Das gibt’s doch nicht! Warum schießt jemand auf unschuldige Sportler? Wie krank ist das denn?

 

Ich blicke auf meine Wade und erwarte diese blutüberströmt vom Einschuss. Doch da ist nichts zu sehen. Ich massiere ein wenig und realisiere langsam, dass dies kein Schuss war und versuche nochmals anzulaufen. Doch es besteht keine Chance mehr schmerzfrei aufzutreten.

 

Mist, Mist, einfach nur Mist, ...

 

Ich glaube in meiner Wade ist irgendetwas gerissen. So der Alternativgedanke zum Schuss. Binnen kürzester Zeit wird es an der Auastelle dicker und dicker. Das war´s. So langsam kapiere ich dass das das Ende bedeutet. Tausend Gedanken gehen mir durch den Kopf.

 

... Ende der Laufkarriere? Ende meiner Täglichlaufserie? nie mehr Wettkampf? wie komme ich in den Zielbereich? mir ist schweinekalt? wir wollen doch wieder nach Portugal? wie geht es Schatzi? was ist mit Marburg? Füssen? Dresden? was mit unserem Marathon Team? ich will keine OP, der Pokal ist weg, ich hätte die Zeichen verstehen sollen, was habe ich falsch gemacht?, das kann immer wieder passieren, ist es das wert, gibt es ungefährlichere Sportarten...

 

und so weiter und so weiter. Ich will Euch die anderen 990 Gedanken ersparen.

Dann folgt ein Desaster bis ich endlich im Zielbereich angekommen bin. Doch das ist eine Geschichte für sich. Ich sage Dir nur soviel. Steig niemals, niemals in Wien in einen Krankenwagen ein. Soviel mangelnde Kompetenz und Einfältigkeit gibt es kein zweites Mal. Hätte ich etwas Ernstes gehabt, wäre ich tot !!!

 

Mittlerweile hat sich meine Wade etwas verfärbt. Nach Google und der Meinung von unserem Coach ist es ein Muskelfaserriss. Der wird vermutlich irgendwann heilen. Doch in meinem Kopf ist ebenfalls ein Riss, der muss auch erstmal verarbeitet werden. Keine Ahnung wie es weitergehen soll. Im Moment stehen so viele Fragen im Raum, dass ich nicht klar denken kann.

 

Ich hoffe, dass sich dies in ein paar Tagen ändern wird.

 

Euer Efah

Kommentare

Auch von mir natürlich die besten Genesungswünsche.....ich sag nur soviel..................................."DEN MARATHON DES LEBENS GEWINNEN NICHT DIE SCHNELLSTEN, SONDERN DIE HARTNÄCKIGSTEN"....also in dem Sinne......entwickel im tiefsten Moment den größten Ehrgeiz.Das sind alles nur Etappen, oder wie ich bei meiner Tochter immer sage ( wenn sie so richtig nervt )..." Das ist nur eine Phase "

 

Lieben Gruß  Tommy

Hallo Efah.

Was ist das ärgerlich !!!!!!

Und genau so ist es mir letztes Jahr im Frühjahr ergangen; allerdings bei einem Trainingslauf. Erst dieses "Herum-gezicke" in der Wade, wo ich genau das gleiche gedacht habe wie Du (da ist nix - weiter laufen), und dann 200m weiter der "Schuss" und nix ging mehr.

Da schiessen einem wirklich 1000 Gedanken durch den Kopf. Ich hatte mich gerade für die Berglaufmeisterschaften angemeldet und den ersten Lauf mitgemacht da kam auch schon das AUS !

Aber - bei der Untersuchung kam kein Muskelfaserriss bei raus. Und die haben mächtig nach der Ursache gesucht.

Der Rat der Arztes: 4 Wochen kein Laufen, dann mit Läufen von 1 km beginnen - natürlich super super langsam und die Waden möglichst wenig belasten.

Nach 2-3 Woche jeweils 2-3 mal 1km laufen habe ich dann die Strecke langsam erweitert.

Kilometer um Kilometer. Und nebenbei war ich für Ende Mai für den Rheinsteig-Extremlauf gemeldet, die Flüge bezahlt und dann so etwas.

Aber, es ist gut gegangen. Es hat sich gelohnt die Zügel nicht zu locker zu lassen und wirklich "mit Kopf" zu laufen. Keine schnellen Geschichten wie Intervalläufe. Nur langsam laufen und so bin ich dann beim wöchendlichen Lauf von 25 km angekommen.

Natürlich war ich in Bonn beim RHEX und habe die Strecke 34 km) laufen können. Aber auch da habe ich es ruhig angehen lassen.

Bis heute ist das Problem nicht mehr aufgetreten.

Ich hoffe Du hast genau so viel Glück im Unglück wie ich.

Gute Besserung und viel Durchhaltevermögen wünscht Dir .... das Muli

 

Liebe Freunde,

herzlichen Dank für Euer Mitgefühl und Eure guten Wünsche. Wie Du lieber Thomas gesagt hast, ist bei sachlicher Betrachtung der Schaden nur Pille Palle. Aber das muss erst mal in den Kopf rein.

Meine Serie konnte ich bisher sogar aufrecht erhalten. Mal sehen ob das für meine Form auch gelten wird.

DANKE nochmals, in solchen Situationen sind Freunde wie Diamanten.

 

Euer Efah

 

Hallo Efah,

Gute Besserung auch von mir!

Viele Grüße

Andy

Ojeoje, so ein Scheiss !

Auch wenn es dir (jetzt) noch nicht hilft, mir hilft in solchen Situationen das folgende Gebet:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Du kannst in der Tat aktuell nichts daran ändern. Aber ich bin sicher, dass Du gestärkt aus dieser Situation rauskommst, und danach (mindestens) an deine jetzige Form anknüpfen wirst.

Ich wünsche Dir alles, alles Gute. Kopf hoch ! Du weisst bestimmt noch, wie lange meine vergangene Durststrecke war, und heute ist alles vergessen. Das schaffst Du auch, davon bin ich fest überzeugt.

Lass dich gut pflegen ;-)

Liebe Grüße

Cay

Hallo Efah,

schöne Sch... Aber: Die Verletzung ist Fakt und Du musst dich zunächst damit arrangieren. Bei deiner wirklich hochambitionierten Laufkarriere muss ich Dir(LEIDER) mitteilen, dass die Chance, sich hin und wieder zu verletzen, immer im Raum schwebt. Wer so gut und oft unterwegs ist wie Du, muss das in Kauf nehmen.

Ich drücke Dir die Daumen, dass es nichts Schlimmes ist und Du bald wieder die Laufschuhe schnüren kannst. Halte die Ohren steif und lass Dich von deiner eigenen Enttäuschung nicht runterziehen! Das wird schon wieder...

Nachvollziehen kann ich diese Frustration(aus jeder Menge eigener Erfahrung) auf jeden Fall. Ich weiß aber auch, dass bei sachlicher Betrachtung der Schaden oft nicht so groß ist.

 

Viele Grüße und gute Besserung.

 

Thomas

 

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