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Trailtage in Sankt Wendel oder Laufen im Märchenwald

Von Fastfoot am 04.10.2010

Meine Oberschenkel brennen, die Milchsäure schießt mir in die Oberarme. Um mich herum ist das Tageslicht fast verschwunden, und ich habe das Gefühl ich befinde mich in einer Märchenwelt. Seit gut einer viertel Stunde hat mich der Wald verschluckt, und ich frage mich, ob er mich jemals wieder ausspucken wird.

 

Das könnte der Anfang eines Fluchtromanes sein, ist er aber nicht.

 

Ich befinde mich inmitten der 3 Tagesveranstaltung keep-on-running in Sankt Wendel. Drei Tage Trailrunning vom feinsten, in einer der landschaftlich schönsten und reizvollsten Gebiete Deutschlands. Umgesetzt von den erfahrenen Machern des GoreTex Transalpin Lauf´s.

 

Der 1. Tag:

 

Es ist Freitagnachmittag, und ich bin mit meiner Familie inkl. unseres Hunds rund 20 km von Sankt Wendel mit unserem Wohnwagen, also quasi dem Trailmobil , auf einem schönen Campingplatz unweit des Bostalsee´s „gelandet“, und gespannt, was das Trailwochenende so hergibt.

 

Ich kann jetzt schon ohne wenn und aber sagen: es gab mir alles !

 

Gestartet wurde dieses Wochenende mit dem CityNight Sprint um 19:00 Uhr durch das malerische Sankt Wendel. In Abständen von 15sec. ließ man die Läufer und Läuferinnen auf den winkligen Parcours, der es speziell im Bereich eines kleinen Parks in sich hatte. So waren 3,1km mit einigen Hürden zu überwinden, teilweise nur unter dem Licht einiger Fackeln und aufgestellten Kerzen.

Die spärliche Beleuchtung dürfte allerdings nicht der Grund für meine erste Bruchlandung nach rund 2,5 km gewesen sein, sondern vielmehr eine kleine Unachtsamkeit.

Trotzdem war ich ganz gut unterwegs und konnte den Tag mit einem aus meiner Sicht ganz guten 8. Platz abschließen.

 

Der 2. Tag:

 

Ordentlich aufgeregt ging es an den Start. Ich hatte wohl keine Ahnung, was mich hier heute erwarten würde. Eins vorneweg: es war der Hammer !

Und die Äußerung: „es war ziemlich hart“ des an sich hartgesottene Gesamtsiegers Stefan Parternoster nach dem ersten Tag, sollte meine Meinung nach den 31,7km Spiemont Trail nur noch untermauern.

Rund 10min. nach dem Start hatte ich das Gefühl sofort aussteigen zu müssen. Die Anstiege und das Terrain waren derart hart, dass ich mir nicht vorstellen konnte, hier noch annähernd zweieinhalb Stunden mit rennen zu können.

Das Wetter hatte auch kein Erbarmen, denn es regnete bei kühlen 10°C und ordentlich Wind.

Ich muss dazu sagen, wäre es ein Sonntagsspaziergang gewesen, ich hätte mich über Elfen, Zwerge, Kobolde, den Räuber Hotzenblotz und weitere Sagengestalten nicht gewundert. So hatte ich aber eigentlich keine Zeit für das atemberaubende Drumherum.

Unaufhörlich ging es auf und ab, durch Schlamm, Bachläufe, Unterholz, Klettersteige, ja im Prinzip über und durch alles, was so eine Wühlsau wie ich an und für sich begehrt.

Und wie es ja kommen muss, so kommt es dann auch.....irgendeiner kommt, und versucht dich zu überholen, und schon fängt das Ganze erst richtig an Spaß zu machen (obwohl mir zum Lachen eigentlich gar nicht mehr zu mute war….).

Er pirschte sich langsam von hinten an, und schoss irgendwann an mir vorbei. An einer Stelle, an der ich im gesamten Wochenende immer wieder mein Defizit feststellen musste…….Bergauf.

So ein Leichtgewicht wie ich hat also Bergauf eine Schwäche ! Ja, so ist es !

Bergab und in der Ebene hatte ich meine großen „Auftritte“, aber Bergauf…….eine Schande.

Na wie auch immer, er auf jeden Fall an mir vorbei, mit der folgenden Aufforderung: „Venga“ ! Aha ein Spanier !

Muli ließ also grüßen.

Na warte Bürschen, irgendwann geht es auch wieder bergab J Und ich hatte Recht behalten. Nach einem harten Kampf konnte ich ihn zum Schluss noch um 2 min. schlagen.

So konnte ich mit dem ersten Tag zufrieden sein, den ich mit meiner Familie an einer der besten Pastapartys der Welt abschloss. Kleiner Auszug: Schwenkbraten, Pommes, Currywurst, Pasta Bolognese oder vegetarisch, Salat in allen Variationen, und…..bedient wurde man unter anderem vom Bürgermeister der Stadt Sankt Wendel.

Schlafen konnte ich trotzdem nicht, denn alle erzählten, das der nächste Tag noch viel schlimmer werden sollte !

 

Der 3. Tag:

 

Ich will es kurz machen. Uff.

Ok, vielleicht nicht ganz so kurz. Meine Schenkel hatten erbarmen mit mir, und verschonten mich mit Muskelkater.

Das Rennen wurde bei tollem Wetter, Sonnenschein und knapp 14°C unter lauter AC/DC Beschallung gestartet. Ab ging es wieder in den Wald, allerdings diesmal links rum auf den Sankt Wendeler Boseberg.

Ich lieferte mir von Anfang an einen harten Fight mit der führenden Frau, Kerstin Alaimo, die dieses Jahr den Globus Marathon in Sankt Wendel mit einer Zeit von 2:53 Std. finishte.

Und immer wenn es bergauf ging, ließ sie mich einfach stehen, unglaublich.

Aber meine Zeit sollte noch kommen.

Nach rund 20min. überholte ich meinen gestrigen Kollegen aus Spanien mit einem freundlichen Olá und einem Schulterklaps.

Er grüßte ebenso freundlich (nebenbei, er sprach kein Ton Deutsch und ebenso kein Englisch) mit Olá zurück, was aber nicht bedeuten sollte, mach es gut mein Freund, alles läuft so wie gestern.

Und so war es dann auch, nix lief wie gestern.

Die Strecke sollte noch steiler und noch verwunschener werden als am 2. Tag. Wer bitte schön hat sich denn so eine geile und hammerharte Streckenführung ausgedacht ? Das kann doch unmöglich vorher jemand abgelaufen sein. War hier bitte schön überhaupt schon mal ein Mensch ???

Und wer baut mitten in solch ein unwegsames Gelände auch noch Holzklettersteige die so steil sind, dass mir jemand ein Melkmaschine zum abpumpen des Laktats hätte ansetzten können.

Na gut, Mister Stierkämpfer lies heute nicht locker, und bat mir zwischendurch sogar ein Gel an, als er merkte, dass ich kurz vorm Trüffelschnüffeln war. No grazias ! denn ich hatte gerade schon eins eingeworfen. Ob ich damit seine Gastfreundschaft beleidigt hatte ? Auf jeden Fall zog er kurz darauf von dannen.

Obwohl ich noch nach einer Schnürsenkelpanne von ihm langsamer lief, um ihm meine Solidarität zu zeigen.

So schleppte ich mich durch die Gegend, Frau Alaimo und Herrn Olé nicht mehr im Blick.

Aber, ja aber ! Irgendwann war es vorbei mit nur noch bergauf, und es kamen die horizontalen und abschüssigen Trails. Teilweise nur einen kleinen Pfad breit, schwer zu laufen, rutschig, schlammig, aber genau richtig für mich !

Es waren noch gut 3-4 km zu laufen, und ich bekam beide wieder ins Visier.

Als es an einer Stelle wirklich halsbrecherig bergab ging, nahm ich meinen ganzen Mut zusammen, und rannte und rutschte was das Zeug hielt.

Und dann war es soweit, kurz vor einer Linkskurve passierte ich die wirklich klasse laufende Kerstin Alaimo und dann Herrn Olé……also das hatte ich zumindest vor.

Kurz bevor ich ihn überholte rief ich OLA ! (bin ja freundlich) und……platsch legte ich mich auf der ganzen Länge zu seinen Füssen hin. Der Typ muss gedacht haben, da kommt der deppe Deutsche schon wieder und springt mich mit einem Hallo auch noch von hinten an.

Ich richtete mich selbstverständlich auf, als ob nix gewesen wäre (ich sah aus wie eine Rotte Wildschweine) und rannte diesem peinlichen Geschehen davon. Mit dem Erfolg, dass es mich rund 300 Meter später noch mal richtig hinlegte. Ich nehme an, dass er vor lauter Lachen nicht mehr hinterher kam.

So liefen wir wie an der Perlenkette aufgeschnürt ins Ziel: meine Wenigkeit, Kerstin Alaimo und danach erst Herr Olé (ich glaube darüber war er dann richtig sauer).

 

Somit gingen dann drei wunderschöne Tage zu Ende.

 

Fazit: die Trailrun Worldmasters im letzten Jahr in Dortmund waren wirklich schon klasse. In Puncto Gastfreundlichkeit, Strecke, Gesamteindruck landet Sankt Wendel aber in meiner Wertung einen Platz vor Dortmund.

Wenn man an Trailrunning Gefallen gefunden hat, sollte man sich Sankt Wendel nicht entgehen lassen.

 

Ach, und eins noch: ab sofort steht einmal in der Woche ein Bergauftraining auf dem Plan !

 

Schöne Grüße

 

Fastfoot  

 

Kommentare

in der aktuellen Laufzeit ist ein sehr schöner Artikel drin- mit Fotos von dem schönen Erlebnislauf...

Ich beneide Dich aufrichtig um Deine Qualen lieber Trailfoot, aber ein bisschen konnte ich ja nun auch dabei sein.

Danke für diesen schönen Bericht und eine neue Geschichte aus der Welt der Läufer.

Viele Grüße

Dirk

Hallo Fastfoot!


Cooler Bericht, hört sich hart an, aber scheinbar lohnenswert, vielleicht laufe ich da mal mit, aber eben habe ich mich erstmal für den Strongmanrun angemeldet, vielleicht ist der ja auch was für Dich? Anmeldung ist seit heute morgen geöffnet, Termin: 17. April...


Sportliche, dreckige Grüße, Martin

Hallo zusammen.

schön, dass Euch mein Bericht gefällt. Man versucht sich ja immer die größtmögliche Mühe zu geben, auf der einen Seite nicht so selbstherrlich :-) und auf der anderen Seite nicht so Fakten unterschlagend zu schreiben.

Ich kann nur noch mal sagen, dass das Traillaufen einfach noch eine weitere wunderschöne Form des Laufens ist und zeigt, wie vielfältig "unser" Sport ist.

Meine Frau fragt mich jeden Monat, warum ich eigentlich all diese Zeitungen über das Laufen kaufe (Runners World, Spiridon, Condition, Aktiv Laufen, Running, Laufzeit, plus das Trail-Magazin online :-) ) obwohl doch immer wieder das Gleiche drin steht.....! Ich antworte ihr dann immer: "stimmt doch gar nicht, steht immer was neues drin" :-)

Von diesen Tagen in Sankt Wendel werde ich noch Wochen oder gar Monate zehren. Die Atmosphäre, diese Horde gleichgesinnter Verrückter, all das trägt dazu bei, dass Laufen immer weiter im Herzen zu verankern.

@EFah: wenn ich mir die Bilder so ansehe, ja ich bin aus Fleisch und Blut. Und zeitweise hatte ich das Gefühl, beides wäre nur noch Milchsäurepudding. 

So, dann will ich heute Abend mal sehen, ob ich auch noch auf der Strasse laufen kann, oder mich gleich beim ersten Busch in die Rabatte schmeiße :-)

Schöne Grüße an alle !

Und denkt daran: running is passion !

Fastfoot

Hallo Fastfoot,

wunderschöner Bericht von Dir.

Kann mir sehr gut vorstellen, wie es dort ausgesehen hat.

Wenn es zu steil wird, einfach die Hände zu Hilfe nehmen...

Ich denke es war eine Hammerveranstaltung, die dir trotz der Unbill sehr viel Freude bereitet hat.

Vielen Dank für den klasse Bericht...

 

Viele Grüße aus Wiesbaden

der Ralf

Mensch fastfoot !

Klasse Bericht über einen klasse Laufwochenende.

Klingt richtig nach meinem Geschmack - viel Matsch und immer rauf und runter.

Dabei muss ich an "Rheinsteig-Extremlauf" denken :-))

Na ja, kommen wir mal zum ernsten Teil Deines Berichtes: die internationale Verständigung:

bei uns im Süden, ist es wirklich üblich, den (oder die) überholten mit den Wort "¡ ANIMO! " anzufeuern. Ich finde das einen sehr netten Zug. Bei meinen ersten Volksläufen habe ich aber auch gedacht, der lacht mich aus und "feuert" mich mit dummen Sprüchen an, aber so ist es wirklich nicht. Ein sehr kamaradschaftliches Laufen habe ich hier entdeckt.

Natürlich werde ich mich mal hier in den spanischen Foren umhören, was man von Dir nun denkt "sich den Mitläufern grüssend in die Hacken werfen" - das ist schon eine "neue" Methode den Konkurenten zu ermutigen (oder zu verwirren?).

Nicht desto trotz, klingt es als wenn Du dich am WE mal wieder so richtig ausgetobt hättest - was kann es schöneres geben ?!

Bin sehr zufrieden mit Deinem Ergebnis.

Viele Grüsse .... Muli

Ohh fastfoot, Du machst mir echt Angst. Auf was bzw. auf wen hab ich mich da eingelassen?

Wirklich toller Bericht, VIELEN DANK !!!

Das einzige was mich versöhnlich stimmt, sind Deine schmerzenden Oberschenkel. Das lässt erahnen, dass Du doch aus Fleisch und Blut bist und eine menschliche Abstammung hast.

Kleiner Tipp von mir: Du könntest doch als Vorbereitung für den Albmarathon am 23.10. die St. Wendelstrecken nochmals ablaufen. Am Besten am 20. und 21. und 22.10., das würde mir ein gutes Gefühl verschaffen. ;-))

 

Herzliche Grüße,

Efah

 

Das ist ein Bericht aus einer anderen (Lauf-)Welt. Einfach unvorstellbar, da auch nur hinterherzuklettern. Eine grandiose Leistung und ein toller Bericht. Grüße vom Spaßläufer

der Junge kann nich nur wansinnig schnell laufen, sondern auch noch oberhammergeil schreiben.

Bin beim lesen auf meinen Stuhl rummgerutscht als ob ich mit durch den Schlamm

gedüst wehre

Grüße Traumboot

Hammermäßiger Bericht.....unglaublich. Meine Beinmuskulatur hat sich vom Lesen schon aufgepustet und ist zum Rennen bereit. Klasse.

Wow - was für ein g.....er Bericht. Ehrlich gesagt bin ich froh mein Vorhaben dort zu starten doch rechtzeitig gestoppt zu haben!
Ich wäre wahrscheinlich jetzt noch unterwegs ;-)

Viele Grüße

Andy

super gelaufen, super geschrieben!

mensch was legst du dich denn mitten auf der Strecke hin? konntest du da nicht bis NACH dem Ziel warten???;))))

ich bin wahrlich stolz auch dich, wirklich. In der Zeit wo du dich gestern durch den Schlamm gewühlt hast, bin ich im warmen Hallenbadwasser geaquajoggt (heisst das so?) und dachte an dich... du warst tatsächlich noch ein paar Minuten s c h n e l l e r wie ich geschätzt habe.

Eins hast du total vergessen zu erwähnen in deinem Blog : du warst der schnellste Hesse :))) sozusagen hessischer Sieger!!!

liebes Grüßle

humpelbeintraudl;)

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