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Ponschi

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Die Mauer

Von Ponschi am 21.09.2010

Irgendwann geht jeder Urlaub zu Ende, so auch meiner auf Hvar. Was liegt da näher als auf der Heimreise einen kurzen Zwischenstopp einzulegen und einen Marathon zu laufen. So hieß es nicht wie üblich die Fähre von Stari Grad nach Split zu nehmen, sondern am Freitag die Insel an ihrem südlichen Ende zu verlassen. Wieder auf dem Festland ging es für 80 Kilometer weiter Richtung Dubrovnik, bis in den kleinen, malerischen Ort Ston. Schon von weiten konnte man die berühmte und Europas längste Stadtmauer sehen, welche den durch einen Berg geteilten Ort verbindet. Nachdem wir das Hotel bezogen hatten suchten wir zuerst die Touristeninformation auf um uns nach dem Lauf zu erkundigen. Sofort wurde ich von einem der Veranstalter begrüßt und über alle Einzelheiten des Ston-Marathons aufgeklärt. Was gleich auffiel war die Liebe und Leidenschaft zu Ihrem Lauf, aber auch die Hinweise auf die anspruchsvolle Strecke. Ganz besonders intensiv wurde die Stadtmauer erläutert, die ein Teil der Strecke ist. Da wir uns aber noch die Stadt Dubrovnik ansehen möchten beschließen wir, uns die Mauer am Samstag anzusehen.

Am Samstag machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg von Mali Ston (kleines Ston) über die Stadtmauer nach Ston zu gehen. Dabei wurde mir schnell klar dass ich hier Probleme mit meinem Knie bekommen werde. Es geht steil bergauf, über Schotter und Stufen aus großen Felssteinen, dann ein Stück gerade und anschließend noch steiler wieder bergab. Da ich mein Knie noch etwas schonen möchte beschließe dass ich den Marathon versuchen werde, sollte ich jedoch Probleme bekommen auf die angebotenen 15 Kilometer auszuweichen und meine Frau auf dieser "kurzen" Runde zu begleiten.

Am Sonntag stehen wir nun um 7:30 Uhr bei angenehm warmen Temperaturen und Sonnenschein am Start. Das Veranstaltungsteam hat sich wie erwartet um alles gekümmert. Es wird fast jeder Läufer persönlich betreut, denn es sind nur 33 Läufer für die 15 Kilometer und 9 Läufer für den Marathon am Start. Die Stimmung ist einzigartig, fast familiär.

Dann der Startschuss und es geht über eine Straße von Ston rüber nach Mali Ston, dort durch den Hafen und gleich in den Ort. Nun durch einen Torbogen und steil über einen schmalen Weg rauf zur Kirche, dann weiter steil bergauf über einen schmalen Schotterweg Richtung Mauer. Da ich bergauf wenige Probleme habe trenne ich mich von meiner Frau und möchte etwas Vorsprung einlaufen, denn auf der Bergab-Strecke werde ich garantiert wieder zurückfallen. Nun geht es rauf auf die Stadtmauer über holprige Stufen bergauf. Der Wind weht mir kräftig ins Gesicht was eine angenehme Kühlung schafft. Dann das gerade Stück rüber zum Abstieg. Da ich mein linkes Knie beim Treppen absteigen nicht beugen kann, habe ich am Samstag eine Technik ausprobiert mit der es wenigstens langsam funktionieren sollte. Ich hüpfe auf dem rechten Bein die Stufen hinunter, das linke Bein benutze ich nur zum Stützen. Die Mauer ist hier sehr schmal ist muss ich immer wieder einen Blick nach hinten werfen, um keine anderen Läufer zu behindern. Mit Verwunderung muss ich feststellen dass der Vorsprung nur wenig schrumpft und ich brauche nur zwei Mal Platz zu machen. Die Bergabtechnik scheint zu funktionieren, doch immer häufiger spüre ich ein heftiges Zerren in meinem Knie. Dann bin ich unten in Ston, von meiner Frau nichts zu sehen, laufe durch den Ort bis zum ersten Verpflegungspunkt. Dort warte ich mit einem Becher Wasser in der Hand, doch es kommt niemand. Plötzlich sehe ich einige Läufer, die abweichend der richtigen Strecke einen anderen Weg laufen. Die Beschilderung war an dieser Stelle wohl nicht so eindeutig und sie sind durch ein kleines Stadttor raus auf die Straße. Ich laufe los, natürlich schön außen an der Stadtmauer vorbei und schaffe es nach einem Kilometer meine Frau einzuholen. Beim Uhrenvergleich stellen wir fest dass sie ungewollt eine 500 Meter-Abkürzung genommen haben.

Nun geht es über eine Straße, stetig bergauf zwischen zwei Bergen Richtung Meer. Nachdem wir den ersten Berg geschafft haben können wir einen fantastischen Ausblick auf das Meer und den Ort Hodijie mit seinem Hafen genießen. Dann ein kurzes Stück runter und wieder bergauf nach Luka und weiter nach Duba wo der Wendepunkt ist. Hier muss ich mich entscheiden, 15 Kilometer oder Marathon. Ich entscheide mich für die 15 Kilometer, denn mein Knie schmerzt beim bergab laufen und ich bin mir nicht sicher ob es sinnvoll ist um jeden Preis die 42 Kilometer zu laufen.

Also geht es zurück nach Ston, bei kräftigem Gegenwind und ich kann meiner Frau etwas Windschatten geben. Unten in Ston geht es nun auch für meine Frau außen um die Stadtmauer herum auf den Marktplatz und dann durch das Ziel. Hier herrscht eine Tolle Stimmung, jeder Läufer wird persönlich begrüßt und erhält eine Medaille aus Keramik umgehängt. Es gibt eine super Zielversorgung die unter Anderem auch ein Glas Wein und ein Bier beinhaltet.

Die eigentliche Feier mit Fisch, Austern und vielen anderen lokalen Spezialitäten lassen wir ausfallen und nutzen die Zeit für eine verfrühte Abreise.

Den Ston-Marathon kann ich jedem, der Interesse an außergewöhnlichen Läufen hat, nur empfehlen. Er bietet eine anspruchsvolle Strecke, tolle unvergessliche Ausblicke von der Mauer aus auf Ston und von vielen anderen Streckenpunkten aus auf das Meer und die Insel Korcula.

Für mich bleibt hier noch eine Rechnung offen. Die Mauer habe ich zwar geschafft, aber der Marathon, der ist im nächsten Jahr fällig.

Kommentare

Meine Güte Ponschi, das war ja wieder ein schöner Bericht! Ich hoffe dein Knie hat sich etwas erholt. Hoffentlich kannst du nach der OP wieder richtig Gas geben (wann ist die eigentlich?)! Liebe Grüße vom Rennhuhn

@Ralf

der UTMB ist erst im nächsten Jahr, dann auch wieder auf der Hinreise nach Hvar. Für dieses Jahr bin ich bei der Verlosung raus geflogen, vielleicht ein Wink des Schicksals. Mit den Beschwerden hätte ich nicht teilnehmen können und der UTMB wurde wegen einem Erdrutsch auf "nur" etwas über 100 Kilometer gekürzt.

Mit dem Training beginne ich nach der OP.

Hallo Ponschi,

vielen Dank für den tollen Bericht. Ja, man sollte sich die Urlaubsziele immer so legen, dass immer ein Marathonlauf in der Nähe (oder auf dem Weg) stattfindet. Dort bekommt man immer außergewöhnlich Eindrücke.

Ich habe dich sehr um diesen Lauf beneidet, da ich die Landschaft durch einen längeren Aufenthalt dort auch bereits schon kenne.

Ich hoffe doch sehr, dass dein Knie das Ganze gut verkraftet hat und du in den Vorbereitungen für den UTMB nicht zurück geworfen wurdest.

Viele Grüße

Ralf 

mensch mensch ponschi, sehr schöner Bericht- aber ob das jetzt wirklich vernünftig war, möchte ich wirklich bezweifeln. Hoffentlich machst du mit deinen noch folgenden Wettkämpfen nicht mehr in deinem Knie kaputt wie jetzt schon ist! Pass auf dich auf- wäree echt blöd, wenn du dann in Zukunft an der Strecke stehst, wenn deine Frau läuft....

liebes Grüßle traudl

Manoman Josef,

das mach ja richtig Lust, mit einen Urlaub verbunden wäre es das warscheinlich wert.

Aber dein Knie, pass blos auf. Ich mach mir da echt Sorgen.

sehen uns, Traumboot

 

Finde ich irgendwie sehr liebevoll von Euch das Ihr den nur spärlich besuchten Lauf mitgelaufen seit und das Du Vernuft hast walten lassen, ist aber auch neu, oder?!

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