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Rogarius

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Mein zweites erstes Mal binnen 7 Tagen Oder Die Hitzeschlacht um Regensburg

Von Rogarius am 26.05.2009

Für alle Top-Manager und Berufs-Hektiker das Executive Summary:

Ich war da, ich bin gelaufen, 1:52, wassd scho, bassd scho.

 

 

Und für alle, die morgens schon die komplette FAZ inklusive Kulturteil lesen und ganz allgemein mit ihrem Zen im Reinen sind:

 

Ankunft in Regensburg, die Sonne brennt. Perfekter Schutz – Drei Wetter... ämm ja, schön wär’s, wenn meine Frisur das einzige Problem wäre.

 

Stattdessen sind sie da wieder, meine 3 Probleme:

 

-         Kein Schlaf

-         Erbarmungslose Sonne

-         Unglaublich lange Strecke von 21,1 km (Ist ja schließlich mein erster Halb-Marathon)

 

 

Grimmig starre ich die Strecke an, auf dass sie kürzer werde. Die Strecke starrt zurück. Ich geb’s auf, mit Starren komme ich hier nicht weiter. Die Strecke sollte Poker spielen.

 

Laufen könnte helfen, aber da ich erst um 4 Uhr früh von einer Hochzeitsfeier heimgekommen bin, laufen die Beine irgendwie nicht ganz so von allein wie gewohnt. Egal, erstmal zum Startunterlagenabholen. Oh, stimmt, da war ja noch was, hier machen die das ja mit diesem Champion Chip, den ich mir ja extra gekauft habe. So ein Glück, dass der zuhause auf der Kommode liegt, wo ich ihn hingelegt hatte, um ihn nicht zu vergessen... Netterweise darf ich mir noch kurzfristig einen leihen und kann also zumindest mitlaufen.

 

Laufen ist auch gleich das nächste Stichwort: Ich würd’s gern laufen lassen, aber die netten Organisatoren haben für 7.800 Läufer 7,8 Dixi-Klos aufgestellt, was die Wartezeit auf gefühlte 780.000 Minuten steigen lässt. Irgendwann bin ich dann aber doch mal dran und plötzlich sinkt der auf mir lastende Druck um 49% (es bleibt nur noch der selbstgemachte Erfolgsdruck (50%) und natürlich der Umgebungs-Luftdruck (1%) übrig).

 

Passenderweise steht plötzlich ChriMuh vor mir, der mich während des gemeinsamen Warmlaufens noch kurz mit seiner Zielzeit 1:27 h deprimiert (was er übrigens geschafft hat, dicke Gratulation!). Aber der läuft ja auch schon viel länger und überhaupt find ich’s cool, dass wir uns trotz der Hektik noch sehen.

 

Und dann wird schon zum Start gerufen! Startschuss, Stehen, Stehen, Gehen, Stehen usw. In meinem Startblock B für die Schnarchis über 1:40 h dauert’s schon 2 min bis wir überhaupt die Startlinie erreichen. Aber dann geht’s endlich los. Temperatur: 27° C

 

Um den Überpace-Fehler von vor 2 Wochen nicht zu wiederholen, wechselt mein Blick nur alle 5 Sekunden mal auf die Strecke, dazwischen hab ich meinen Handgelenk-Tacho im Blick. Immer brav zwischen 5:00 und 5:10 min/km, nur leider hab ich statt der im Training bei der Geschwindigkeit schön gehaltenen 163 Puls durchgehend 167 und mehr... Naja, erstmal weiterlaufen, das wird sich schon einregeln. Temperatur: 28° C

 

Tja, einregeln funktioniert, aber leider nicht da, wo ich’s gern hätte. Bei Kilometer 7 bin ich bei 170 und wünsche mir ehrlich gesagt schon, dass doch das Ziel bald in Sicht käme. Natürlich sind wir davon noch (im wahrsten Sinne des Wortes) meilenweit entfernt. Wir, das ist die Polonaise-Gruppe von ca. 150 Läufern auf meinem Niveau. Ein lustiges Bild, wie hunderte Menschen in Schlangenlinien über eine Halbmarathonstrecke wetzen, um links und rechts jeden Quadratzentimeter Schatten auszunutzen. Temperatur: 30° C

 

Der Rest ist schnell erzählt: An der Wendemarke würde ich am liebsten aussteigen und einen 10-km-Lauf anrechnen lassen, ab Kilometer 13 dusche ich an jeder Verpflegungsstelle erstmal ausgiebig, auch wenn ich mir gut vorstellen könnte, mich mit Grillmarinade zu übergießen, damit ich auch schön knusprig ausbrate. Temperatur: 32 °C - Bis Kilometer 17 kann ich trotzdem mit kurzen Gehpausen wegen hoffnungslos überhöhtem Puls von 176 (!) irgendwie mein Wunsch-Tempo von 5:12 min/km halten, doch dann kommt die steinerne Brücke. Das ist zwar nur ein leichter Anstieg auf vielleicht 150 Metern, aber für mich an diesem Tag zuviel. Es sind noch 4 Kilometer ins Ziel und ich bin platt. Keine Körner mehr da, die schlechten ins Kröpfchen... Jetzt fängt der Rückzugskrieg an, nur nicht alles wieder herschenken, was man sich vorher tapfer erarbeitet hat. Gehpause, 5:30, Zwischenspurt 5:20, Gehpause, 5:40 uswusf. Temperatur: 34°C

 

Jetzt sind die vielen Anfeuerungsrufe der Zuschauer und die auf der Startnummer aufgedruckten Läufernamen Gold wert. Irgendwie trägt mich das und selbstzerstörerischer Durchhaltewille bis auf Kilometer 20 und siehe da: Plötzlich ist die Funkstille zwischen mir und meinen Beinen beendet, wir haben uns wieder lieb und laufen gemeinsam ins Ziel. Vorher noch Kappe und Sonnenbrille ab, ein gespieltes Lächeln aufgesetzt für die Kameras und in der ganz passablen Zeit von 1:52:36 finishen.

 

Im Ziel gebe ich mir erstmal 4 Bananen und nen Liter Cola intravenös, dann habe ich einen 10minütigen Lachkrampf ohne Grund (ist das das Runner’s high, das ich noch nie erlebt habe?) lauf mich noch kurz aus und verbringe nach der Heimfahrt den Rest des Tages im Dämmerzustand im Halbdunkel meines Schlafzimmers...

 

Seeehr langer Rede kurzer Sinn:

Ich hab’s geschafft, es war geil, obwohl ich so ziemlich alles falsch gemacht hab, was man falsch machen kann, ich weiß aber jetzt glaub ich wie’s besser geht und freue mich unbändig, dass ich auf Anhieb zumindest das Minimalziel 2:00 h erreicht habe. Nur dass ich nach der Erfahrung vom Sonntag jetzt nicht weniger Angst vor der vollen Distanz habe, sondern mehr... *bibber*

 

Liebe Grüße

Eric

Kommentare

Motiviert auf eine andere Art und Weise. Habe nicht nur einmal gelacht als ich deinen Bericht gelesen habe. :D

Danke sehr

Wirklich gut gelaufen. Hut ab!

Danke für den tollen Bericht

Hat mich mehr motiviert für meinen ersten Lauf, als tausend andere gute Ratschläge ...

*dickes Danke-Knuddel dafür*

Super Idee Traudl, die Geschichte ist wirklich was für dirkas Buch!

superstarker Bericht! weiter so! du bekommst bestimmt in Dirk seinem Buch einen Ehrenplatz ;)))

grüßle tt

Servus Eric,

Glückwunsch zum Finishen, deiner Zeit und deinen Fähigkeiten als Erlebnisaufsatzschreiber. Ich konnte das früher in der Schule nie und jetzt auch noch nicht, ich könnte höchsten eine mathematische Abhandlung über den Durchschnittswert meiner km-Schnitte (4:07 min/km, ich hab die 1:27 knapp unterboten, Entschuldigung für die Demotivation)  mit dazugehöriger Standard-Abweichung x-quer (0,86 s) schreiben.

MfG

Chrimuh

Hallo Eric, des war sehr amüsant, was du geschrieben hast, wenigstens für die, die in Rgbg. mitgelaufen sind. Glückwunsch zu deinem Erfolg, die Zielzeit kann sich sehen lassen und hauptsache du hast nicht aufgegeben.

Wir sind wahrscheinlich zuerst in gleiche Gruppe gelaufen, bei dem Mann mit dem Luftballon 01:44. Bei mir warst  bis ca km 5 alles super gut. Dann nach der Trinkpause, da war schon anstrengender und ab der Wende und später einer weiteren Trinkpause, des war reiner Überlebenskampf. Da ich meinseit fastnie aufgebe, gingst es weiter über die undendlich lange  Ostengasse, die unmögliche Wende  in Stadtamthof,die Steinerne Brücke, die sich wie ein Berg an fühlte usw.

In Ziel angekommen,, kaputt, später doch glücklich, weil genau die Zeit gelaufen bin, die ich mir vorher ausgerechnet hatte. 01:048. Ende gut; alles gut. Nächste Jahr bin ich wieder dabei. Gruß aus Rgbg. taborak

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