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Lollslauf

Von Sportix am 11.12.2011

Sonntag, 9. Oktober 2011, Lollslauf in Bad Hersfeld. Das Projekt Halbmarathon unter 1:30 h steht auf dem Programm. Habe in den vergangenen Wochen hart trainiert und fühle mich körperlich gut vorbereitet. Um halb 9 treffen wir uns an der KSV Sportwelt. Wir, das sind Melanie, Thomas, Herbert, Volker, Michael, Ernst und ich. Da Thomas nach dem Lauf früher wegfahren will, fahren wir mit drei Autos. Um kurz vor halb zehn sind wir in Bad Hersfeld angelangt. In der Konrad-Duden-Schule am Neumarkt ist das Wettkampfzentrum, wo wir unsere Startunterlagen abholen können. In der angrenzenden Halle bereiten wir uns vor: Wettkampfkleidung anziehen, Startnummern an den Trikots und Chips an den Schuhen befestigen, Uhren anlegen …. Oh nein! Meine Uhr! Gestern noch aufgeladen, aber heute vergessen! Das fängt ja gut an. Eine zweite Uhr mit Satellitenortung hat keiner dabei, aber Michael leiht mir seine Stoppuhr. Die muss ich dann eben in der Hand tragen. Besser als gar keine Uhr.

Wir laufen uns ein. Es ist kalt draußen. Daher lasse ich meine lange Hose und die Trainingsjacke noch an. Die Sonne zeigt sich aber schon. Es scheint ein schöner Tag zu werden. Nach 15 Minuten wird es Zeit, dass ich meine langen Klamotten ausziehe, weil der Start unmittelbar bevorsteht. Also schnell nochmal in die Halle am Neumarkt und weg mit den Klamotten. Verflixt, ist das jetzt voll hier. Kaum ein Durchkommen. Langsam nur kämpfe ich mich die Treppe herunter und in die Halle, lege die langen Sachen ab und eile dann wieder zurück in Richtung Lingplatz, wo der Start stattfindet. Die Stoppuhr zeigt keine Uhrzeit an, daher weiß ich nicht, wie viel Zeit noch bleibt. Durch eine kleine Gasse strebe ich dem Lingplatz zu und höre schon den Sprecher bei der Startansage. Und dann sehe ich von fern eine Menge Läufer ziemlich schnell die Straße entlanglaufen. Ein Offizieller steht da, der bestätigt mir zu meinem Entsetzen, dass der Start für den Halbmarathon soeben erfolgt sei.

Also los, auf die Strecke. Vorher muss ich noch zwei Absperrungen überwinden. Etwa zwei Minuten nach dem offiziellen Startschuss überquere ich die Startlinie. An der nächsten Ecke verstellen die Ordner schon eine Barriere für die 2. Runde, als sie mich heranpreschen sehen. Schnell wird sie noch einmal geöffnet, um mich hindurchzulassen. Zwei Streckenposten renne ich fast über den Haufen, als ich ganz eng um die folgende Ecke biege. Mein Adrenalinspiegel ist enorm angestiegen. Die anderen sind mir schon weit enteilt, aber rasch nähere ich mich. In einem Irrsinnstempo pflüge ich von hinten durch das Feld und arbeite mich nach vorne, indem ich die Läuferinnen und Läufer wie Slalomstangen überhole.

Ungläubige Reaktionen der anderen sind die Folge. Im Vorbeilaufen rufe ich meinen Mitstreitern vom Marathon KSV zu, dass ich den Start verpennt habe, was eigentlich überflüssig ist zu erwähnen. Irgend etwas musste ja schiefgehen.

Volker taucht links vor mir auf, dann Melanie. Oder war’s umgekehrt? Meine Wahrnehmung ist aufgrund der ungeheuren Anstrengung und des Tempos arg getrübt. Herbert und Michael, die nebeneinander herlaufen, habe ich auch gesehen, aber Ernst verpasst. Thomas überhole ich nach etwa 2 km, war das noch vor der Brücke in der Frankfurter Straße oder mitten drauf? Keine Ahnung. In der ersten Runde bin ich jedenfalls nur mit Überholen beschäftigt, doch irgendwann komme ich in den Bereich, wo es länger dauert, um vorbeizukommen. Die Stoppuhr bietet mir zwar nur eine ungefähre zeitliche Orientierung, aber sie lässt mich erahnen, dass es knapp werden könnte mit der erhofften Zielzeit. Also versuche ich alles zu geben und nicht nachzulassen. Leider weist die Strecke einige Anstiege auf, die es mir nicht gerade leichter machen.

Nach dem Durchlaufen der Fuldaauen nähern wir uns wieder der Innenstadt. Im Kurpark spielt eine Kapelle moderne Popmusik nach. Die Strecke führt uns an der Stiftsruine vorbei, bevor wir erneut den Lingplatz überqueren und die zweite Runde beginnen. Hier herrscht eine gute Stimmung. Viele Zuschauer stehen an der Strecke und klatschen uns zu. Laute Musik schallt uns entgegen.

Als wir wieder in Richtung Fulda hinunterlaufen, zeigt sich die Sonne von ihrer freundlichsten Seite. Die anfängliche Kälte ist einer angenehmen Wärme gewichen. Wir haben ideales Laufwetter. Aber das spielt für mich im Augenblick keine Rolle. Nur eines habe ich im Sinn: Unter 1:30 h zu bleiben. Doch jede Kilometer-Zwischenzeit deutet darauf hin, dass es verdammt eng werden wird. Und immer wieder diese wenn auch kurzen Anstiege. Die Wasserpunkte in den Auen lasse ich fast komplett aus. Bloß keine Zeit verlieren. Das Ziel naht. Kurpark, Stiftsruine, Lingplatz. Der Zielsprecher tönt: Noch 700 m. Die Stoppuhr zeigt mir irgendwas mit 1:27 h an. Links um die Ecke, wieder links und - verflucht - es geht schon wieder bergauf. Abermals biegen wir links herum, und in großen Schritten eile ich dem Ziel entgegen. 1:32 h leuchtet dort auf, aber das ist ja die Bruttozeit. Meine Nettozeit: 1:30:13 h.

Enttäuschung macht sich breit. Und Ärger über mich selbst. Durch meine eigene Dummheit habe ich eine bessere Zeit verhindert. Die vergessene Uhr, der verpasste Start, die Barriere und das Herumkurven in dem langsamen Hinterfeld haben mich mindestens diese 14 Sekunden gekostet, die ich zu langsam war.

In einer Gasse abseits des Zielbereichs gibt es die wohlverdiente Zielverpflegung: Bananen, Äpfel, Müsliriegel, Brezelstücke, Wasser und alkoholfreies Bier, soweit vorhanden. Nach ein paar Minuten kommt Thomas auf mich zu. Er ist gegenüber dem Vorjahr um fast 7 Minuten schneller gewesen, 1:36:10 h, und ist ganz glücklich. Dann Melanie: 1:37:43 h. Beide strahlen um die Wette. Später stellt sich heraus, dass sie sogar ihre Altersklasse W 35 gewonnen hat. Herzlichen Glückwunsch! Volker kommt nach 1:44:02 h ins Ziel. Und Michael hat Herbert zu seiner Bestzeit von 1:47:32 h gezogen.

So stehen wir in froher Runde da und genießen den Tag und die soeben erreichten Topzeiten. Nur ich kann nicht so richtig zufrieden sein, obwohl ich mich gegenüber dem letzten Jahr um über 8 Minuten verbessert habe.

Als wir uns später auslaufen, kommt uns Ernst entgegen, der sich noch auf der Strecke befindet und nach 2:08:46 h das Ziel erreicht. Und das mit 70 Jahren.

Thomas ist dann gleich weggefahren, wie angekündigt. Wir anderen, frisch geduscht, sitzen noch ein Weilchen bei Kaffee und Kuchen in der Veranstaltungshalle der Konrad-Duden-Schule. Wir lassen uns nebenan die Urkunden ausdrucken und Melanie kann sich ihre Medaille als Altersklassensiegerin abholen.

Alles in allem ist der Lollslauf eine gelungene Veranstaltung, organisatorisch perfekt, und das Wetter spielte auch mit. Für den anstehenden Frankfurt-Marathon ist er ein guter Testlauf und gibt auch unseren Trainern Anhaltspunkte, was in 3 Wochen von uns zu erwarten ist.

Kommentare

Sportix .. Fantastisch gemacht.

Bei so vielen "Gegenargumenten" Dein erreichbares Ziel nur um Sekunden verpasst, das sollte Dich trotzdem zufrieden machen. Überleg mal, wenn alles "glatt" gelaufen wäre, welche Zeit Du hättest erreichen können ? .. gar nicht auszudenken :-)

Sei mit der Super-Verbesserung zum letzten Jahr zufrieden, dann wird Dein nächster Lauf auch ein Erfolg.

motivierende Grüsse ... das Muli

klasse Blog, danke Traumboot

kannst doch absolut zufrieden sein- genau wie deine Mitläufer. Du weisst ja dass du es draufhast. was sind schon zahlen? klar ist es super, immer wieder bessere Zeiten zu laufen- aber wenn du den Start verpasst hast, deine Uhr nicht dabei hattest undundund- dafür liefs doch richtig gut. und ausserdem hast du ja geschrieben, dass du dich um ganze 8 Minuten verbessert hast. lauf und schreib weiter....

lg tt aus dem w

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