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ThomasKnackstedt

Deutschlandsprint Countdown-Tagebuch

Von ThomasKnackstedt am 24.01.2008

Noch 97 Tage. 24. Januar 2008

www.deutschlandsprint.de

Ausgeschlafen und mit lockeren Beinen aufgewacht. Das ist donnerstags nicht immer der Fall. Nutzen wir also den Tag und machen uns zunächst Gedanken um die 97. Ich habe das zwar nicht hundertprozentig recherchiert, aber das könnte so ungefähr, ganz genau, plus minus hastdunichtgesehen, die Zahl der Laufschuhe sein, die ich in meiner Läuferkarriere von ihrem ersten, unbefleckten Tag im Regal, bis zur zerschlissenen Schuhruine, die sich nur noch als Füllmaterial für die Mülltonne eignete, bearbeitet habe. Schuhe haben es nicht leicht bei mir. Wer im Hause Thomas Knackstedt eine Anstellung als linker Laufschuh bekommt, der muss einiges aushalten können. Ich weiß nicht mehr, wie die genaue Bezeichnung ist, ein Chiropraktiker hat sie mir mal gesagt, aber in jedem Fall setzt mein linker Fuß ziemlich schräg auf. Ein stabiler Laufschuh hält das maximal 800 Kilometer aus, ein nicht ganz so robuster schwenkt nach 500 Kilometern die weiße Fahne. Wie mein Freund Jörn früher immer so schön sagte: „Wenn ich hinter dir laufe und mir das ansehe, da wird mir ganz anders.“ Heute braucht er sich darüber keine Gedanken mehr machen, weil: Es kommt nicht mehr vor, dass er hinter mir läuft.

                                    TTB97

Ein wahrhaft friedlicher Ort. Mein Laufschuh-Schrank. Hier herrscht weder Markenneid noch Konkurrenzkampf.

Schuhe sind des Läufers liebstes Kind. Ohne geht es einfach nicht. Oder? Ich denke zurück an den Wettkampf in Schmallenberg. Da ist eine Läuferin barfuss in 24 Stunden über 100 Kilometer weit gelaufen! Auf Waldwegen, Asphalt und Schotter. Hätte ich dort barfuss laufen müssen, ich wäre auf einigen Abschnitten gehüpft wie ein tollwütiges Eichhörnchen und anschließend ein Fall für den Arzt oder die Fußpflege gewesen. Die Dame hatte regelrechte Hornhautplatten unter den Füßen. Ziemlich beeindruckend. Aber wohl doch ein Einzelfall und nicht für Jedermann zur Nachahmung empfohlen.

Geht es dann um Marken, Pronation, Subination, Cushing, Gel, Air oder sonstwas, da lebt der Läufer richtig auf. Fast jeder schwört auf einen bestimmten Schuh, eine Marke, ein System oder eine Farbe. Wem es hilft, bitteschön. Mittlerweile kommt der Laufschuh, was seine Entwicklungs- und Forschungskosten angeht, knapp hinter der Weltraumrakete und dem Auto, habe ich mir jedenfalls sagen lassen. Es ist kaum noch möglich, einen mangelhaften Markenschuh zu kaufen. Was man allerdings tun kann, ist einen für den eigenen Typ völlig ungeeigneten Schuh zu kaufen. Frei nach dem Motto: Wenn ich schon zwanzig Kilo Übergewicht habe, dann nehme ich den 200 Gramm leichten Schuh, um da was einzusparen. Das geht natürlich nicht gut.

Ich habe am Anfang meines Läuferlebens auch an ganz bestimmt Schuhe geglaubt. Es hat eine Zeit gedauert, bis ich wusste, dass es in erster Linie nicht die Schuhe, sondern meine Füße waren, die dort liefen. Und die wollen es bequem und komfortabel haben. Welche Marke auf dem Schuh steht, sehen die von drinnen eh nicht. Lastnotleast muss ich jetzt an meinen Lieblingsautotester vom NDR-Fernsehen denken. Wie sagt der immer so schön am Ende seines Test: „Zum Schluss jetzt noch die Frage, was kostet der Spaß?“ Okay, rechnen wir mal. 97-Mal ein Extraklassenspitzenschuh von 150 Euro. Das macht…ja das macht…Verdammt, dafür bekomme ich einen neuen Kleinwagen!  Da hätte ich ja gar nicht laufen brauchen.

So darf es heute für mich  auch mal der Adidas, Asics, Nike oder New Balance aus der Grabbelkiste des Baumarktes für 29,90 sein. Auf Marathonmessen kann man ebenfalls wahre Schuhschnäppchen ergattern. Wer allerdings keinen Schritt ohne das Topmodell seiner Lieblingsmarke in den aktuellen Farben der Saison laufen kann, der soll auch das machen. Dem Wollenden geschieht schließlich kein Unrecht.

Das heutige Trainingsprogramm fand in besagten New Balance Baumarkttretern statt. Zusammen mit Kathrin und Petra laufe ich 15 Kilometer. Dabei ziehen wir zweimal auf drei Kilometern Länge das Tempo an. Da wir am Anfang der Vorbereitung stehen, bin ich heute gnädig und lasse sie die schnelleren Strecken mit ein wenig Gefälle laufen. Insgesamt sind wir 1:25 Stunden unterwegs. Die schnellen Teilstücke gehen in 15:02 und 14:55 Minuten weg. Sehr schön. Petra läuft seit über einem Jahr regelmäßig und seit ein paar Monaten ist sie in unserer Laufgruppe. Wenn nichts dazwischen kommt, wird sie in Hamburg ihren ersten Marathon laufen. Ich werde sie dabei begleiten und sehe diesem Start optimistisch entgegen. Und jetzt geht es ab zur Arbeit.


Thomas Knackstedt

 

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