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ThomasKnackstedt

Deutschlandsprint Countdown-Tagebuch

Von ThomasKnackstedt am 28.01.2008

Noch 93 Tage. 28. Januar 2008

www.deutschlandsprint.de

Heute ist Ruhetag! Wer mein Tagebuch zum Hannover Marathon gelesen hat weiß, dass ich diese Tage für die wichtigsten der Vorbereitung halte. Hier passt sich der Körper den Belastungen an und bereitet sich auf die nächsten Strapazen vor. Sind sie am Anfang noch reichlich vorhanden, dünnen sie sich später merklich aus und besuchen uns erst in der letzten Woche vor dem Start wieder. Ein Ruhetag muss nicht bedeuten, gar nichts zu tun. Ein Saunagang, ein kurzer Lauf mit einem viel langsameren Partner, eine Runde spazieren gehen oder eine lockere Fahrt mit dem Rad können den Regenerationszweck ebenfalls erfüllen. Wer diese Tage allerdings auch gebrauchen kann, das ist euer Kopf. Vielleicht einmal mit der Überschrift: Laufen ist nicht alles im Leben.

Ich habe ein Laufshirt, das ich mir auf der Marathonmesse in Hamburg gekauft habe. Da steht in leuchtend grünen Lettern auf der Brust „Running is life“. Die meisten von euch werden ein Bekleidungsstück dieser oder ähnlicher Machart besitzen. Vermutlich ist das Teil der ganze Stolz des laufenden Besitzers. Aber ist das auch wirklich so?

Am 11. September 2001 liefen Karsten, Thomas und ich beim Hermann-Löns-Lauf in Hannover. Das ist ein Wettkampf der Niedersächsischen Polizei. Wir drei vom Delligser Lauftreff wollten unseren lieben Kollegen mal zeigen, wie gut wir drauf waren. Das funktionierte an diesem Tag einwandfrei. Wir schafften Treppchenplätze in unseren Altersklassen und Karsten war sogar in der Gesamtwertung unter den Top 3. Erschöpft, aber glücklich und zufrieden, rannten wir über eine lange Gerade in das Ziel hinein. Dort angekommen bemerkten wir sofort, dass etwas nicht stimmte. Kein Jubel, keine ausgelassene Freude, nicht einmal anerkennende Worte erwarteten uns dort. Schweigen, Betroffenheit und Trauer waren um uns herum. Für den Zielbereich eines Wettkampfes war das außergewöhnlich.

Ziemlich schnell erfuhren wir von den Anschlägen auf die Twin Towers. Während wir liefen, waren die Nachrichten des Schreckensszenarios über den großen Teich gespült worden. Von diesem Moment an verschwendeten wir keinen Gedanken mehr ans Laufen, an Bestzeiten, an Siege oder Erfolge. Wir packten unsere Sachen und fuhren nach Hause. Bei Thomas setzten wir uns vor den Fernseher und verfolgten die Berichterstattung. Erst jetzt wurde das ganze Ausmaß der Katastrophe deutlich. Außer den Verkehrsmaschinen, die ins Pentagon und die Twin Towers gesteuert worden waren, war auch Flug 93 der United Airlines entführt worden. Die Insassen der Maschine hatten versucht die Entführer zu überwältigen und das Flugzeug war in Pennsylvania abgestürzt. Niemand überlebte. 
Selbst jetzt, ein paar Jahre später, sind diese Erinnerungen noch lebhaft in meinem Denken vorhanden.

„Running“ kann manchmal einen ziemlich großen Raum deines Lebens ausfüllen, aber der Lebenszweck ist es definitiv nicht. Laufen sollte unser Leben bereichern, es lebenswerter machen, aber auf keinen Fall beherrschen. Wenn wir an unserem Sport hängen, wie ein Alkoholiker im Endstadium an der Flasche, dann läuft, im wahrsten Sinne des Wortes, etwas falsch in unserem Leben.

Wobei wir schlussendlich wieder beim Ruhetag wären. Tut was für euren Kopf! Wenn nicht heute, wann dann? Lest ein Buch, von mir aus auch diesen Text. Schaut euch einen Film an, unterhaltet euch mit den Menschen, die ihr gern um euch habt. Verbringt die freien Stunden mit der Familie, oder schaut euch(wie der Großvater in Erwin Strittmatters Roman –Der Laden- immer so schön sagte) mal von innen an.

Euer Körper und euer Geist werden es euch danken. Frisch ausgeruht, vielleicht mit ein paar neuen Ideen im Kopf, ist Laufen dann wieder ein angenehmer Teil eures Lebens. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

                                 TTB93

 Laufen ist nicht alles im Leben. In unseren Trainingslagern sieht es deshalb auch einmal so aus.


Thomas Knackstedt

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