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ThomasKnackstedt

Deutschlandsprint Countdown-Tagebuch

Von ThomasKnackstedt am 30.01.2008

Noch 91 Tage. 30. Januar 2008

www.deutschlandsprint.de

Obwohl die 91 für bestimmte Zahlen(3, 17, 23, 29, 43, 53, 61 und 79) den kleinen Fermatschen Satz erfüllt, ist sie keine Primzahl. Kapiert? Nein!?! Macht nichts. Ich kapiere es auch nicht. Aber so ist das manchmal mit Zahlen. Einer meiner Lieblingsaussprüche: Mit Zahlen kann man alles machen!
1und1 ist 2. Aber dann geht es auch schon los. Zahlen können so logisch sein. Allerdings gibt es Menschen, für die sind Zahlen gefährlich. Sie beinhalten ein gewisses Suchtpotential. Ihr habt doch ganz sicher so einen Zahlenjünger in eurer Laufbekanntschaft, oder? Typen, die während des Laufens nichts von ihrer Umgebung mitbekommen, da ihr Blick wie festgenagelt auf dem Zifferblatt der Uhr, des GPS Empfängers, Pulsmessers oder sonst eines technischen Schnickschnackspielzeugs ist. Ich habe eine Bezeichnung für diese Läufergruppe: Blindflugexperten. Die können mit ihrer Timex bei Neumond, nachts um drei durch dicht bestandene Fichtenwälder abseits der Wege laufen und orientieren sich dabei am UTM-System ihrer GPS-fähigen Uhr oder dem tragbaren Navi. Es gibt auch noch die Gruppe der Wüstenläufer. Das sind diejenigen, die für einen 20-Kilometer-Lauf bei 12 Grad Außentemperatur Wasser- und Müsliriegelvorräte mitnehmen, die einer kleinen Karawane ein dreitägiges Überleben in der Wüste Gobi sichern würden. Aber dazu ein anderes Mal. Die Zeit bleibt halt nicht stehen, und ich bin sicher der letzte, der sie aufhalten wird. Technik muss auch nicht schlecht sein. Schließlich habe ich gestern ja auch ein paar Strecken bei meinsportplatz.de eingegeben und mich an den schönen Bildchen erfreut. Aber bitte nicht weitersagen…

Das Problem mit den Zahlen beim Laufen ist: Manchmal sind sie nicht das Papier wert, auf dem sie stehen. Zum Beispiel soll Haile Gebresselassie, als er gerade zum Laufstar aufstieg, auf die Frage, welche Strecken er denn zu Hause so trainiere, sinngemäß folgendes gesagt haben: „Ich laufe 13 Kilometer in etwa einer Stunde.“ Da war die Fachwelt bass erstaunt. Ich dachte mir: O man, Haile trainiert weniger als ich. Da ist ja Hopfen und Malz noch nicht verloren. Was Hailes Zahlen uns allerdings nicht verrieten war, dass seine Laufstrecke für die meisten von uns Freizeitgebresselassies nur mit dem Hubschrauber oder Heißluftballon zu bewältigen gewesen wäre. Es ging steil, steiler und noch ein bisschen steiler nach oben. Schöne Anekdote, oder auch nicht…

Weiteres Beispiel gefällig? Thomas Walter und ich beim ersten Biel-Start. Wir hatten die Strecke plus aller Kilometerangaben und Verpflegungsstände auswendig gelernt. Eins fiel uns sofort auf: Auf den letzten 15 Kilometern gab es unglaublich viele Verpflegungsstände. Wir sahen uns an und sagten, wie aus einem Mund: „Da nehmen wir nur jeden Zweiten. Das spart Zeit.“ Verzeiht es uns bitte. Wir waren jung, unerfahren und dumm…Ab Kilometer 90 war ich derart im Eimer, dass sie aus den Verpflegungsständen bis zum Ziel eine Rummelplatzmeile wie auf dem Hamburger Dom hätten machen können. Ich wäre an jedem Stand eingekehrt. Theorie und Praxis können sich doch gewaltig unterscheiden.

Bei einem weiteren Start in Biel hatte unser Betreuer Jürg die Daten, Zwischen-, Durchschnitts- und Ankunftszeiten aller Läufer in einer Exeltabelle verarbeitet. Da stand echt jeder Kilometerabschnitt in Sekundengenauigkeit auf dem Display. Einziges Problem: Wir waren noch nicht losgelaufen! Thomas schied nach 43 Kilometern mit Knieschmerzen aus und ich platzte bei Kilometer 77 wie ein Luftballon, in den man eine Nadel hinein sticht. Dabei war mein Lauf in der Exeltabelle so schön gleichmäßig gewesen…

Allerdings lassen sich die Zahlen nicht aufhalten. Und die Technik schon gar nicht. Ich werde also in aller Ruhe abwarten, wann mich nicht mehr piepende, telefonierende,  Radio hörende oder Interface abrufende Läufer bei Wettkämpfen und Meisterschaften(das ist wirklich das Allerschlimmste!) nerven, und mal schauen, wie lange es dauert, bis einer mit dem Laptop unterm Trikot bei der Landesmeisterschaft neben mir auftaucht.

Wo wir schon bei der Technik sind. Wo ist eigentlich meine Timex? Gleich geht es ab zum Training. Da werde ich das 150 Runden Speicher Luxusgerät erst Mal vorführen und hier und da die Zwischenzeiten nehmen. Jetzt, wo ich weiß, welche Knöpfe ich drücken muss. In der Zeit, die ich brauchte, um das zu kapieren, hätte ich ein paar satte Kilometer abreißen können. Aber ohne die Zeit  geht beim Laufen einfach gar nichts.

                                             TTB91

Ist das jetzt Entsetzen, Überraschung, Freude, Unverständnis oder einfach nur 'ne geile Zeit? Zahlen wirken halt auf jeden anders. Achim beim Zieleinlauf des Duinger Berglaufs.

Mittwoch ist Trainingsabend, das wisst ihr ja schon. Die angehenden Deutschlandsprintläufer finden sich heute in einer schnellen Fünfergruppe zusammen. Tewes, Achim, Mario, der Doktor und ich nehmen 20 Kilometer in mittlerem Tempo unter die Füße. Mir ist schon klar, was passieren wird. Wenn dieser Trupp von Laufhasardeuren auf Delligsen und Kaierde losgelassen wird, ist „mittleres Tempo“ ein verdammt dehnbarer Begriff. Ich halte mich schön zurück. Hier die Spitze des Feldes zu übernehmen, könnte als Angriff missverstanden werden. So kommt es, wie es kommen muss. Wir beginnen in einer 4:40 pro Kilometer, sind im Mittelteil bei einer 4:30 und preschen am Ende mit 4:10 durch unsere Heimatstraßen. Wie hätte es auch sonst sein sollen? Auf den letzten Kilometern verstummen die Gespräche, brennen die Beine und der Schweiß läuft in Strömen. Nach 1:29 Stunden ist der „Drops gelutscht“ wie Siggi Heinrich sagen würde. Aber schön war’s irgendwie doch…

 

Thomas Knackstedt

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