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ThomasKnackstedt

Deutschlandsprint Countdown-Tagebuch

Von ThomasKnackstedt am 31.01.2008

Noch 90 Tage. 31. Januar 2008

www.deutschlandsprint.de

Dafür, dass wir gestern Abend zügig unterwegs waren, fühlen sich meine Beine heute morgen ziemlich gut an. Ich beginne den Tag mit einem reichhaltigen Frühstück. Wer viel läuft, sollte auch genug essen. Danach gibt es einen Spaziergang, begleitet von den ersten Sonnenstrahlen des Tages. Da braucht Frodo nicht hetzen und kommt auf seine Kosten. Wieder zu Hause geht es an den Tagebucheintrag.

Sind wir schon bei 90? Das ging aber flott. 90 ist einfach. Da gibt es sogar Auswahl. 10 Prozent des Tagebuchs sind geschafft. Bleiben noch 90. Allerdings ist mir heute ein Ritt in der Zeitmaschine lieber. Ich schnappe mir die 90 aus dem Jahr 1990. Menschen meines Alters verbinden mit diesem Datum…na klar: Die Fußball-Weltmeisterschaft in Italien. Die „Deutschen Panzer“, wie uns die Italiener damals liebevoll nannten, überrollten die versammelte Kicker-Weltelite mit Dynamik, Kraft, Selbstvertrauen und einem Andi Brehme, der den entscheidenden Elfmeter ohne nachzudenken in die Maschen jagte. Aber mal ehrlich, wie ist das heute mit den Namen  Ilgner, Augenthaler, Buchwald, Kohler, Brehme, Berthold, Reuter, Häßler, Matthäus, Littbarski, Klinsmann oder Völler? Rudi, Klinsi und Lothar sind noch immer bekannt, aber der Rest? Ich meine, schließlich sind sie Weltmeister!

Nach dem Titel ging es für einen Großteil der Weltmeister nach Italien. Das bekam der Deutschen Scheidungsquote gar nicht gut. Es ging, wie fast immer im Leistungssport, um Geld und noch ein bisschen mehr Geld. Wenn Sport populär und erfolgreich ist, dann besteht die Gefahr, dass er sich verkauft. Leider. Wohin das im Endstadium führen kann, erleben wir momentan im Radsport. Und genau da komme ich auf den Punkt der heutigen Tagebucheintragung.

Ich weiß nicht, wer von Euch vor kurzem im Fernsehen, oder auf DVD, den Film -FC Venus- gesehen hat. Ein wirklich lustiger, deutscher Streifen. Aber: So lustig ist das gar nicht. Denn: der Film hat einen wahren Kern. Der Profifußball mag die Arme, Beine, Köpfe und Lungen des Fußballsports verkörpern, aber die Seele und das Herz, die findest du in der Kreisliga! Dort wird der Sport in der Philosophie gelebt und gespielt, die ihn auszeichnet und unvergleichlich macht.

Das ist nicht nur im Fußball so. Es gilt für fast jede andere Sportart. Auch fürs Laufen. Da werden astronomische Antrittsgelder, Bonusgratifikationen und Rekordprämien gezahlt, damit Weltkasseläufer überhaupt am Start eines bekannten Rennens erscheinen. Das „gemeine Laufvieh“ zahlt horrende Startgelder, und das auch noch gern, um zu garantieren, dass zumindest ein Streckenrekord fällt. Diese Philosophie des Geldes ist ansteckend, reicht manchmal bis in regionale Gefilde hinein. Da wird die Urkunde oder der Pokal der errungenen Meisterschaft achtlos in die Sporttasche gedonnert, um so schnell wie möglich den Sponsor aufzusuchen und das vereinbarte Preisgeld abzuholen. Traurig, aber wahr.

Lasst euch also von mir sagen: Unwichtig wie miserabel eure Zeit beim letzten Marathonstart war, schnurzegal, ob ihr drei oder zehn Kilo zuviel auf den Rippen habt. Sollen sie ruhig lachen über eure Laufschuhe von Deichmann oder die Klassikturnhose aus den Siebzigern. Ihr seid die Seele und das Herz des Laufens! Seid im Training, beim Volkslauf oder bei der Abnahme des Sportabzeichens euer eigener Star. Einer, der auch ohne Antrittsgeld seine Leistung bringt, der mit verbissener Liebenswürdigkeit versucht die 10 Kilometer unter 45 Minuten zu schaffen oder einen Arm dafür geben würde einmal im Leben das Ziel eines großen Marathons zu durchlaufen, während die Zieluhr vorn noch eine zwei anzeigt. Liebe, Anstand, Moral, Fairness, Disziplin, das sind die Tugenden, die ihr in euren Sport einbringt. Das lässt sich mit keinem Geld der Welt bezahlen. Und das ist verdammt gut so.

                                  TTB90

                          Hier schlägt das Herz des Laufens. Start beim Straßenlauf in Greene.

Jetzt aber Schluss mit der Knackstedt’schen Lauf- und Sportphilosophie. Das ist ja schon fast wie eine Wahlkampfrede. 

Gelaufen wurde heute natürlich auch. Frodo kam nur zum Warmlaufen mit. Selber schuld. Innerhalb einer 15 Kilometerrunde habe ich das Tempo zweimal gesteigert. Da wurden jeweils drei Kilometer in 11:55 und 12:15 Minuten gelaufen. Leicht und locker fühlte sich das überhaupt nicht an. Schon auf den ersten Kilometern waren meine Beine und der Rest des Körpers zwei völlig unterschiedliche Dinge. Auf den schnellen Abteilungen musste ich schon ein wenig Herzblut einbringen, um die Zeiten zu schaffen. Nach 1:08 Stunden war ich wieder zu Hause, ohne dass heute auch nur das geringste Glücksgefühl aufkam.  Was sagt uns das? Herzlich Willkommen, wir sind in der Marathonvorbereitung!

Morgen geht es dann ab in die Achtziger. Das war doch unsere Zeit, oder? Ich freue mich schon…

 

Thomas Knackstedt

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