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ThomasKnackstedt

Deutschlandsprint Countdown-Tagebuch

Von ThomasKnackstedt am 01.02.2008

Noch 89 Tage. 1. Februar 2008

www.deutschlandsprint.de

Es ist kalt geworden. Schon gestern ist mir der eisige Wind ziemlich in die Laufklamotten gefahren, heute ist es nicht viel besser. Gestern habe ich im Radio  gehört, dass auf dem Oberland in Helgoland 133 Stundenkilometer Windgeschwindigkeit gemessen wurden. Dazu werde ich euch in späteren Eintragungen etwas erzählen. Helgoland ist nämlich „meine Insel“.

Nach zwei anstrengenden Lauftagen und einer Nachtschicht lasse ich es heute locker angehen. Um das auch zu gewährleisten wähle ich mir eine Strecke ohne große Höhenunterschiede aus; was bei uns im Hils gar nicht so einfach ist. Punkt Nummer zwei bei meinem Wohlfühllauf sieht so aus, dass ich meine Laufuhr zu Hause lasse. Irgendwie schaut man doch immer wieder auf das Zifferblatt und lässt sich ein wenig hetzen…jedenfalls wenn man noch unerfahren und vielleicht einen Tick zu ehrgeizig ist. Aber für diese Situation gibt es bei uns Delligsern natürlich auch ein Klassik-Zitat. Ein echter Bartsch(ich weiß, ich weiß, meine Jungs können das schon nicht mehr hören): „Als ich mit Laufen anfing war die Uhr mein größter Feind. Heute ist sie mein bester Freund.“ Jürgen, ich danke Dir für diesen Geistesblitz. Den werde ich noch auf dem Sterbebett runterbeten können. Der wahre Könner schaut auf die Uhr, um sein Tempo zu reduzieren oder einzuhalten, nicht um eine Bestzeit nach der anderen zu laufen(jedenfalls sollte das im Training so sein). Bei einem Wettkampf dürft ihr das getrost wieder vergessen.

Ich laufe über Grünenplan in den Hils hinein und sperre die Augen ganz weit auf. Wenn man langsam unterwegs ist, sollte man die Gelegenheit nutzen, um sich in der eigenen Heimat umzuschauen. Wenn ich in den letzten Jahren etwas gelernt habe, dann ist es, dass jeder Ort auf der Welt seine eigenen, besonderen Reize hat. Man muss sie nur sehen.

Die Auswahl an Orten und Strecken ist endlos und ich verweigere mich ein wenig dagegen, Einzelne besonders herauszuheben. Es gibt ja diese absoluten Laufhighlights. Wobei wir bei der Zahl des Tages wären. Zum Beispiel den Comrades Lauf, einem 89 Kilometer langem Ultra von Pietermaritzburg nach Durban. Dann sind da noch die Marathons in  New York Marathon, Berlin, Rotterdam, Boston. Oder Klassiker wie Biel, die Schwäbische Alb oder der Rennsteig. All diese Strecken haben ihren eigenen Reiz. Meine persönlichen Erfahrungen beim Laufen auf den Kanaren, in Dänemark, England oder in den Alpen, lassen ebenfalls wunderbare Erinnerungen in mir aufsteigen. Und doch hat sich meine Ansicht in den letzten Jahren gewandelt. Wenn ich die Augen aufsperre, genau hinsehe und meine Antennen ausfahre, dann kann der kleine Feldweg vom Misthaufen hinter Meyers Scheune bis zur Pferdekoppel am Rand der nächsten Ortschaft einen ähnlichen Reiz auf mich ausüben. Wie oft im Leben haben wir unseren Fokus ganz weit in unerreichbare, verheißungsvolle Fernen gerichtet und übersehen dabei das Paradies direkt vor unseren Fußspitzen.

                                   TTB89

Jeder Ort der Welt hat für Läufer seine Reize. Mit ein bisschen Glück wird man als Frühaufsteher vom Hilskamm mit diesem Anblick belohnt.

Ich schaue mir heute die Wälder im Hils an, scheuche einen Reiher aus dem Bachbett auf, beobachte eine Armada von Wolken, die in atemberaubender Geschwindigkeit über den Himmel jagen. Dabei versuche ich so wenig Schweißtropfen wie möglich zu verlieren. Nach 15 wirklich entspannenden Kilometern und nicht dem geringsten Schimmer, wie lange das gedauert hat, bin ich wieder am Haus.

Laufen kann verdammt schön sein und genießen kann man lernen. Aber wie hat Walter Giller früher immer so schön am Ende seiner Sendung gesagt: „Es bleibt schwierig…“

 

Thomas Knackstedt

 

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