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ThomasKnackstedt

Deutschlandsprint Countdown-Tagebuch

Von ThomasKnackstedt am 04.02.2008

Noch 86 Tage. 4. Februar 2008

www.deutschlandsprint.de

Nach zwei langen Nachtschichten komme ich heute Mittag kaum aus dem Bett. Ich trotte zum Briefkasten und fische das neue Spiridon heraus. Da ich mit Manfred Steffny ein paar Mails wegen unseres Laufs ausgetauscht hatte, blättere ich mich durch das Heft und bin schon ein wenig enttäuscht, nicht einen einzigen Satz über den Deutschlandsprint zu lesen. Ziemlich frustrierend, aber was soll’s. Da kann man gleich wieder eine Langstreckenläufer-Eigenschaft dazulernen: Es hilft dir niemand! Wenn es schwer wird und die Motivation und die Kräfte schwinden, dann heißt es Kopf einziehen, Augen zu und durch. Verlass dich auf dein Training, deine Kraft und deine Ausdauer; dann kommst du auch ins Ziel.

Das ist gleich die passende Ansage für den heutigen Lauf. 20 Kilometer, lockeres Tempo, steht da auf dem Trainingsplan. Ich mache mich auf die Socken und…erlebe prompt einen Einbruch. Ungefähr bei Kilometer 0,6. Die restlichen 19400 Meter werden zu einer Art Schaulaufen des Grauens. Ich bin völlig im Eimer. Es gibt solche Tage. Da merkst du schon bei den ersten Schritten, dass gar nichts geht. Quälst dich über die Strecke und jammerst still vor dich hin. Während ich mich zum Hilskamm vorarbeite, habe ich das Gefühl, als träte ich Löcher in den Waldboden. Meine Oberschenkel sind wie mit Blei gefüllt, meine Waden scheinen in Stahlschienen zu stecken. Bis zum Ende des Laufs wird das nicht besser. Es gibt diese Dreckstage im Training, da muss man den Kopf einschalten und die Einheit auch ohne Spaß oder Motivation durchziehen. Ich betreibe diesen Sport jetzt schon 10 Jahre relativ intensiv und weiß: Für jeden dieser miesen Tage bekommst du auch wieder einen Jubeltag untergeschoben. Ein Tag, wo dann unverhofft alles wie von ganz allein läuft. So ist das nun einmal. Immerhin kann ich auch dem heutigen Lauf eine positive Seite abgewinnen: Er ist nach 1:38 Stunden zu Ende. Auf dem letzten Kilometer fährt unser Bürgermeister mit dem Wagen neben mir her. Bei geöffnetem Fenster schenkt er mir ein paar nette Worte und wünscht uns für den Deutschlandsprint Glück. Hätte der nicht die ganze Zeit neben mir herfahren können? Das hätte den Lauf sicher viel unterhaltsamer gestaltet.

Als ich nach dieser Schreckensnummer wieder zu Hause bin, dehne ich mich zehn Minuten und spüre alle Knochen einzeln im Leib. Das ist der Moment, wo ich weiß, heute helfen nur noch die drei großen B’s. Badewanne, Bier und Bett. Und Morgen sieht die Läuferwelt dann schon wieder ganz anders aus.

Unsere tägliche Zahl hole ich mir heute aus dem Jahr 1986. Das war das internationale Jahr des Friedens. Wenn die Worte Frieden und Laufen in einem Satz fallen, dann bin ich automatisch beim Schwäbisch Alb Marathon. Wenn Jürgen, Mario und ich uns dort über die ersten Kilometer kämpften, war immer ein „Friedensläufer“ in unserer Nähe. Der Typ wurde jedes Mal angekündigt als Friedensbote aus Südamerika und schleppte eine Regenbogenfahne beim Laufen mit sich herum. Er war mit einer Art kurzer Tunika bekleidet und trug Ledersandalen mit Riemen an den Füßen. An den Knien baumelten goldfarbene Stoffbänder mit Trotteln, die entweder uralter Mayaschmuck waren, oder aus Omas guter Stube von den Wohnzimmergardinen stammten. Als Jürgen ihn das erste Mal sah, sagte er: „50 Kilometer in den Latschen!?! Niemals.“ Er sollte Recht behalten. Nach zwei Kilometern wartete eine junge Dame auf den Friedensboten und er tauschte die Sandalen gegen ein paar Laufschuhe aus. Jedes Jahr, wenn wir in Schwäbisch Gmünd starteten, wiederholte sich dieses Ritual.

                             TTB86

                     "Muckimann" Jürgen und Mario beim Start des Alb Marathon.

Soviel zum Thema Frieden und Laufen und 86 und Deutschlandsprint und…und…und…Das erste B wartet schon.

 

Thomas Knackstedt

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