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ThomasKnackstedt

Deutschlandsprint Countdown-Tagebuch

Von ThomasKnackstedt am 17.02.2008

Noch 73 Tage. 17. Februar 2008.

www.deutschlandsprint.de

Sonntag. Wochenende. Allerdings für mich nicht unbedingt zum Genießen. Nach 13 Stunden gestern, stehen heute noch einmal 12 Stunden Dienst auf dem Plan. So stehe ich heute morgen um 5 Uhr genau so gerädert aus dem Bett auf, wie ich mich gestern Abend um 23 Uhr hinein gelegt habe. Einziger Lichtblick des Tages: Heute ist Ruhetag. Also kein Lauf nach Hause, kein Training in der Dunkelheit oder Ähnliches. Normalerweise ist ein laufloser Tag kein Lichtblick, aber heute werde ich ihn genießen.

Bevor ich zum Dienst fahre, muss Frodo noch raus. – 8 Grad rauben mir fast den Atem, es ist wirklich saukalt und nach ein paar Hundert Metern Spaziergang bin ich hellwach. Genau der richtige Zeitpunkt, um sich Gedanken über die 73 zu machen. Heute gibt es wieder ein bisschen Geschichtsunterricht:

Die, von Herodes errichtete, jüdische Festung Masada, galt als uneinnehmbares Bollwerk. Auf einem Berg, von hohen Mauern umgeben, thronte Masada über dem Toten Meer. Nichts und niemand sollte diese Mauern bezwingen können. Glaubte man jedenfalls...

Die Geschichte lehrt einen immer wieder, dass es kein unmöglich, uneinnehmbar, unvorstellbar oder unglaublich gibt. Die Römer belagerten die Festung, bauten eine Rampe und schleiften Masada. Noch ehe sie die Festung stürmten, begingen die eingeschlossenen Juden, sich der Ausweglosigkeit ihrer Lage bewusst, kollektiv Selbstmord. Das war 73 vor Christi. Bis heute ist Masada für die Israelis ein Nationalheiligtum. Die israelischen Armeeangehörigen werden dort vereidigt.

Auch im Laufen scheinen Ziele manchmal unmöglich oder unerreichbar. Bis die Zeit uns auch hier eines Besseren belehrt. Selbstverständlich sind nicht alle Ziele erreichbar. So wird kein untrainierter Hobbyläufer durch gezieltes Training jemals einen Weltrekord laufen, aber ein paar "Unmöglichkeiten" gehen schon. Sicher wird zum Beispiel irgendwann ein Marathonläufer die Zwei-Stunden-Marke knacken. Irgendwann...

Aber ich rede von anderen Zielen. Wenn zum Beispiel Menschen mit dem Laufen beginnen und sagen: "Marathon? Das schaffe ich nie!" Aber es geht. Mit viel Arbeit und Aufwand ist eine Menge zu machen. Da liefere ich euch auch gleich mein Lieblingsbeispiel: Meine liebe Kathrin hat seiner Zeit mit dem Laufen begonnen, weil sie als Zuschauerin bei meinem ersten Marathon so von der Atmosphäre begeistert war. Ich glaube, ich tue ihr nicht Unrecht, wenn ich behaupte, dass es andere Läufer in unseren Reihen gibt, die mehr Talent zum Laufen haben. Was Kathrin in den darauf folgenden Jahren jedoch mit Ehrgeiz, Disziplin und harter Arbeit geschafft hat, das bewundere ich auch heute noch. Eine 3:35 Stunden im Marathon muss man erst einmal laufen. Jede Sekunde dieser Zeit war erarbeitet und ließ so einen Traum wahr werden, den man vorher als unerreichbar angesehen hatte. Soviel dazu.

                                             TTB73

Wenn ihr beim Marathon in dieser Verfassung, mit Bestzeit, ins Ziel lauft, habt ihr alles richtig gemacht! Kathrin beim Hamburg Marathon.

Und wo wir schon bei Kathrin sind. Es gibt natürlich auch Sachen, die wirklich unmöglich sind. So war ich zum Beispiel zwei Tage Strohwitwer und musste feststellen: Das geht ja gar nicht! Erst bin ich abends hilflos durchs Haus geirrt, um eine Tube Zahncreme zu finden. Dann war das Bett kalt, der Kühlschrank leer, der Mülleimer voll und ich musste auch noch mehr als die Hälfte des Tages arbeiten. Der Hund wollte raus, der Geschirrspüler musste ausgeräumt werden, das Tagebuch sollte ins Internet und alle eingehenden Telefonate sollte ich auch noch annehmen. Jetzt blinkt die Tankanzeige des Wagens auf Reserve und der Hund will schon wieder raus. Zur Krönung habe ich mir dann noch die Pfoten an einem dämlichen Flaschenverschluss aufgeschnitten. Verdammt, wie erledigt Kathrin diese Dinge einfach nur so nebenbei? Da ist es für mich einfacher eine 2:59 Stunden im Marathon zu laufen. Irgendwie fühle ich mich an solchen Tagen ziemlich hilflos...

 

Thomas Knackstedt

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