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ThomasKnackstedt

Deutschlandsprint Countdown-Tagebuch

Von ThomasKnackstedt am 19.02.2008

Noch 71 Tage. 19. Februar 2008

www.deutschlandsprint.de

Eine Meldung aus der Züricher Presse im Jahr 2006: Eine 71jährige aus Zürich gibt an, dass das Gaspedal ihres Pkw ohne ihre Betätigung in Aktion getreten ist. Sie streift zwei geparkte Autos, gerät auf den Bürgersteig, schrammt eine Hauswand, durchbricht eine Kettensperre und fährt über eine Gehweginsel. Dann kommt sie einer Straßenbahn gefährlich nahe, fährt einen Signalmast um und kommt vor einem Modegeschäft zum Stehen.

Na ja, wer mit dem Wagen einkaufen fährt, kennt diese Situationen. Nichts Außergewöhnliches. Wir leben halt in einer hektischen Zeit. Das Zeitalter der Maschinen. Da erwachen sogar tote Gegenstände zu einem unheilvollen Leben.

Als ich das las, dachte ich ja zunächst: Die Story kenne ich. Damit hatte ich selbst schon oft genug zu tun. Beruflich, versteht sich. Wenn man älter wird, klappt es mit der Koordination nicht mehr so richtig und selbst bei einer 50 zu 50 Chance(jedenfalls bei einem Automatikwagen) kann man mit der Wahl des richtigen Pedals falsch liegen. Immer vorausgesetzt, es erwacht nicht von selbst zum Leben…

Das Alter macht dem Läufer zu schaffen. Bei uns Wettkampfläufern geht ja nichts ohne Uhr. Wenn man dann schwarz auf weiß präsentiert bekommt, dass die Bestzeit, gelaufen in der Blüte der Läuferjahre, vom momentanen Leistungsstand ungefähr so weit entfernt ist, wie die nächste Toilette auf der Autobahn, wenn man auf der Rückfahrt vom Marathon, nach fünf alkoholfreien Weizen und drei Tassen Kaffee, ganz dringend mal austreten müsste, das frustriert schon ein bisschen. Lässt sich aber leider nicht ändern.

Mir ergeht es heute ähnlich. Nach vier langen Schichttagen mit ganz früh aufstehen, wollen die ersten Laufkilometer nicht so recht vom Fuß gehen. Mario und ich treffen uns am Langen Platz und nehmen die Strecke zum Roten Fuchs und wieder zurück in Angriff. Die ersten beiden Kilometer laufen wir in 10 Minuten und ich denke mir: Warum habe ich keine Tempos eingesteckt? Da könnte ich jetzt einen Ast vom Wegrand aufklauben und das Taschentuch als weiße Fahne dran machen. Ich fühle mich absolut ausgelaugt und schlapp. Und das bei der Zeit! Erst nach einer halben Stunde sind die Beine einigermaßen locker und auf dem Rückweg läuft es sogar einigermaßen. An diese Einheit machen wir mal ganz schnell einen Haken. Die Zeit spielte heute keine Rolle.
Angenehm war lediglich, dass wir in punkto Deutschlandsprint noch einiges klären konnten und, dass man mit Mario wirklich angenehm laufen kann, ohne das Gefühl zu bekommen, wir sind gerade bei einem Ausscheidungsrennen.

Zu Hause ist dann eine Stunde Sofa angesagt. Sich irgendwie ausbreiten und die Körperteile, die einem momentan schwer und unnütz vorkommen, auszubreiten; also so ziemlich alles, was man hat.

                                      TTB71

Heinzi, ich seh dich! Güni, Heinzi und Arne beim Tempotraining im Trainingslager Silberborn, verdeckt: Kathrin. 

Später fahre ich Kathrin ins Dorf. Während ich im Auto warte, kommt Heinzi vorbei gelaufen. Ich notiere mir, dass ich ihm zwei Pluspunkte in meinem geheimen Trainingsbuch aufschreiben muss. 1. Er hat richtig geschwitzt! 2. Er ist einen Meter an mir vorbei gelaufen und hat mich nicht gesehen! Das ist ein sicheres Zeichen, dass er alles gegeben hat.

Kann allerdings auch daran liegen, dass ich, fast eingenickt, wie ein Schluck Wasser in der Kurve, im Sitz versunken war. Man weiß es nicht…

 

Thomas Knackstedt

 

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