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ThomasKnackstedt

Deutschlandsprint Countdown-Tagebuch

Von ThomasKnackstedt am 22.02.2008

Noch 68 Tage. 22. Februar 2008

www.deutschlandsprint.de

Eine Zahl, die für eine ganze Generation steht. Das ist ziemlich einfach für den Schreiberling. Und den Dreh zum Laufen, den kriegen wir auch noch hin.

1968 drehte sich die Welt irgendwie anders als heute. Ich war zu der Zeit schon dabei. Allerdings drehte ich nicht im Weltgeschehen meine Runden, sondern eher mit meinem Spirographen, der übrigens 1965 erfunden wurde, auf einem Blatt Papier. Ein Wahnsinns-Spielzeug, das heute leider ausgestorben scheint.

Die 68 werde ich nutzen, um euch dazu anzustiften, einen Blick auf euch selbst zu werfen. Wer nach 1968 zurück blickt, sieht so einige Typen, die es heute noch immer gibt. Vorzugsweise Politiker. Joschka Fischer hopste da in der Spontiszene herum und prügelte sich mit der Polizei. Heute ist er angesehener Redner, Universitätsprofessor und ganz dick im Geschäft. Gerd Schröder war bekennender Jungsozialist, äußerte sich kritisch über Gorleben und hatte Bekannte, wie den späteren RAF Anwalt Horst Mahler. Heute ist Schröder mit den ganz großen Wirtschaftsbossen auf Du und reist im Privatjet oder der Luxuslimousine durch die Lande. Uschi Obermayer wäre seiner Zeit sicher nicht auf die Idee gekommen, ihre Memoiren kommerziell zu vermarkten und Hans-Christian Ströbeles Weltansicht hat sich vermutlich auch erheblich geändert. Ein ehemaliger Hardliner wie Heiner Geisler, tritt heute für Themen wie Umweltschutz und Menschenrechte ein. Gerade gestern Abend habe ich dann noch Claudia Roth im Dirndl auf einer Politikveranstaltung gesehen. Wenn man bedenkt, dass sie sich 68 im Dunstkreis Rio Reisers und der Hausbesetzerszene befand…

                                             TTB68

                                         Jahrgang 68. Unser Ari beim Halbmarathon in Hannover.

Menschen ändern sich. Die Welt ändert sich. Da kann man nichts machen. Wenn ihr einen Blick in den Spiegel werft und ganz ehrlich zu euch seit, dann werdet ihr auch an euch Veränderungen feststellen. Da wird es Dinge geben, die euch angstvoll erschrecken lassen und andere, die euch stolz machen. Wenn ihr genau sucht, werdet ihr beides finden. Allein zu erkennen, was man falsch oder richtig macht, was sich zum Guten oder Schlechten gewandelt hat, hilft euch im Leben weiter. Das kann die eigene Lebensanschauung, aber auch das tägliche Training sein. Sich selbst zu reflektieren, Fehler zu suchen und sie abzustellen(so schwer oder unmöglich das manchmal erscheint) bringt einen weiter als das sture Festhalten an Althergebrachtem.  

Dieser ganzen Flexibilität zum Trotz laufe ich heute meine Kaierder Runde. Der Himmel ist grau, der Wind eher ein Sturm und so richtig Lust habe ich auch nicht. Beste Voraussetzungen für ein wunderbares Sporterlebnis.

Zunächst muss ich die „Schleie“ hinauf. Das ist hier in Delligsen unser ureigener Windkanal. Sie verläuft genau von Nordost nach Südwest, bringt einen auf drei Kilometern Länge 100 Höhenmeter nach oben und liegt völlig offen zwischen zwei Hügeln. An 300 Tagen im Jahr heißt es hier: Gegenwind. An weiteren 40: Gegensturm. Die restlichen Tage sind Ausnahmen. Bis ich die Schleie hinter mir habe, krempelt mir ein ekliger Sturmwind die Regenjacke drei Mal bis über die Ellbogen hoch. So bin ich nicht nur mit Laufen, sondern auch noch mit Anziehen beschäftigt. Ich will heute die Passagen bergauf locker laufen, bergab soll es zügig gehen. Um bei diesen Verhältnissen „locker“ zu laufen, brauche ich für die drei Kilometer schlappe 18 Minuten. Schande! Die nächsten Kilometer sind geschützt und es geht um einiges besser. Bei zwei harten Anstiegen nehme ich ordentlich Tempo raus. Dann geht es die Schleie wieder runter. Jetzt mit Hohlkreuz und Rückenwindunterstützung. Ohne Anstrengung laufe ich die drei Kilometer jetzt unter 12 Minuten. Hätte man diese Extreme nicht irgendwie vermitteln können?  

So ist das mit dem Wetter. Allerdings: Lasst euch als Läufer vom Wind nicht zu sehr verrückt machen. Beim Laufen stören diese schnellen Luftbewegungen in erster Linie im Kopf. Man fühlt sich langsam, glaubt nicht voran zu kommen. Ein Blick auf die Uhr zeigt aber, dass der Läufer gegen den Wind nicht sehr viel Zeit verliert. Beim Rad fahren kann Gegenwind dafür sorgen, dass du dein Tempo halbieren musst. Da bist du wirklich angeschmiert. Also: Beim Wettkampf im Gegenwind: Kopf runter, Knie hoch und durch!

 

Thomas Knackstedt

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