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ThomasKnackstedt

Deutschlandsprint Countdown-Tagebuch

Von ThomasKnackstedt am 24.02.2008

Noch 66 Tage. 24. Februar 2008

www.deutschlandsprint.de

Jeder von euch kennt Udo Jürgens Lied „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an…“

Na ja, ich unterschreibe das nicht und frage mich, ob der Udo das ernst gemeint hat oder vielleicht nur im Spaß. Die meisten 66jährigen, die ich kenne, bei denen fängt nicht mehr viel an. Die haben oft schon das Meiste hinter sich. Allerdings hätte sich ein Song mit der Textzeile „Mit 66 Jahren bist du am Ende…“ vermutlich nicht so gut verkauft, wie sein positives Gegenstück. Sei es, wie es ist…

Mich bringt der Udo Jürgens Song auf jeden Fall direkt in unsere Altherren-Riege. Jürgen muss noch 19 Jahre warten und der Doktor noch 16, ehe bei den Running-Twins das Leben anfängt. Und obwohl die beiden schon ziemlich alt sind, kamen sie mir heute recht lebendig vor.

Ich fühle mich wie in einem John Steinbeck Roman. Das geht mir übrigens öfters so, wenn ich mit meinen Läufern unterwegs bin. „Die Straße der Ölsardinen“, wem das etwas sagt, „Cannery Row“ im Original. Ein saustarkes Buch, urkomisch und voller Lebensfreude. Es geht dabei um eine wirklich schräge Truppe von Typen, die in der Cannery Row ihr Leben fristen. Steinbeck zelebriert die Lebensgeschichte jedes Einzelnen dieser Außenseiter mit augenzwinkerndem Humor und sehr viel Herzblut.

Mal ganz unter uns: Von meinen Jungs könnte da fast jeder mitspielen. Ich gebe euch ein Beispiel, wie das hier manchmal abläuft.

Gestern war der Bad Salzuflen Marathon. Jörn ist auf der 34 Kilometer Strecke Zweiter geworden, in 2:12 Stunden. Bruno belegte im Marathon Platz 30 in 3:25 Stunden. Und Jürgen wurde im Marathon 16. in 3:18 Stunden. Jürgens Zwilling, Thomas, musste auf eine Schulung, war also verhindert. Aber wenn Jürgen einen Marathon läuft, muss Thomas das auch. Da geht kein Weg dran vorbei! Da wir hier in der Nähe heute leider keinen Marathon anzubieten haben, basteln sich die beiden halt selber einen. Thomas startet um kurz nach 10 Uhr auf eine 42-Kilometer-Runde durch den Hils. Jürgen begleitet ihn auf dem Fahrrad. Will er ihm helfen? Oder möchte er nur kontrollieren, dass Thomas auch jeden Kilometer läuft und es ja nicht wagt am Ende unter 3:18 Stunden anzukommen? Das wissen meine beiden Lieblingsgegner ganz allein…

Als ich von dem Unterfangen hörte, musste ich natürlich dazu stoßen. Logisch. So etwas lasse ich mir ganz bestimmt nicht entgehen. Ich fange die Truppe bei Kilometer 28 ab und laufe mit. Kathrin und Silvia begleiten mich mit dem Rad. Jürgen friert wie ein Schneider. Ohne Überschuhe und dicke Jacke ist das kein Zuckerschlecken auf dem Rad. Thomas wirkt äußerst konzentriert und ich muss mich ordentlich reinhängen, damit ich mitkomme. Silvia, Kathrin und Jürgen besprechen radelnd die Vorratsplanung für den Deutschlandsprint, während Thomas und ich in einer 4:20 durch den Wald hecheln. Nur unterbrochen von Jürgens Stimme: „Kilometer 33, Thomas. Wie ist die Zeit? Schaffst du die 3:18 noch?“ Ich könnte mich wegschmeißen. Bei dem Höhenprofil, das Thomas sich heute ausgesucht hat, ist die Zeit eine Illusion.

                                     TTB66

        Marathon a'la Lauftreff. Die fantastischen Vier, Silvia, Maggie, Thomas und Jürgen auf Achse.

Während unsere drei Radfahrer immer wieder nach vorne preschen, bleibt Jürgens Hund Maggie ständig bei Thomas. Wenn das meiner wäre, würde ich mich mit ihm mal über das Wort „Verrat“ unterhalten. Dabei hat der Doktor doch heute gar keine Leckerchen mit.

Von Kilometer 33 bis 40 läuft Thomas eine Art Intervall-Marathon. Wir ziehen das Tempo an, lassen wieder locker und geben gleich wieder Gas. Na ja, wer es mag…

Am Ende läuft Thomas die Strecke in guten 3:20 Stunden. Gratulation, Hut ab, saubere Leistung, altes Kämpferherz. Ich trabe locker nach Hause und denke wieder mal: Was für liebenswerte, seltsame Menschen hast du hier um dich versammelt. Ist das Glück oder Zufall? Es soll mir egal sein, missen möchte ich das auf gar keinen Fall… 

 

 

Thomas Knackstedt

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