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ThomasKnackstedt

Deutschlandsprint Countdown-Tagebuch

Von ThomasKnackstedt am 26.02.2008

Noch 64 Tage. 26. Februar 2008

www.deutschlandsprint.de

Das heutige Laufprogramm ist schnell erzählt. 20 Kilometer im Zockeltrab. Die letzte Woche hatte reichlich schnelle Kilometer und mit über 110 Gesamtkilometern bin ich so viel gelaufen, wie schon lange nicht mehr. Die Beine fühlen sich gut an und die Motivation…dazu kommen wir gleich.

Ich drehe heute meine Runden mit Kathrin. Sie begleitet mich auf den ersten zehn Kilometern. Wir laufen nach Grünenplan, drehen dort um und nehmen den Rückweg in Angriff. Früher habe ich mir diese langsamen Läufe nie gegönnt. Da hieß es immer: Schuhe an, raus, die Uhr gestartet, ab geht die Post. Nur Läufe mit garantierter Nähe zum Herzinfarkt verschafften mir das Gefühl, wirklich trainiert zu haben. Aber die Zeiten ändern sich, außerdem: Ich war jung, ich war unerfahren, und ich brauchte…ach nein, das ist eine andere Geschichte.

Der langsame Lauf heute ist wie Luft holen. Denn Morgen ist ja schon wieder Mittwoch. Da warten sie auf mich. Der Doktor und Jürgen, jetzt holen sie sich manchmal auch noch Achim als Verstärkung dazu. Sollen sie doch. Ich bin bereit. Alles eine Frage der Motivation.

Es gibt Eigen- und Fremdmotivation. Fremdmotivation ist so eine Art Inspiration von Außen. Bekanntestes Beispiel der Geschichte: Nero. Er ließ sich 64 nach Christi Geburt vom Brand Roms inspirieren, um ein kleines Liedchen zu texten. Das er die Stadt selbst in Brand gesetzt hatte und vermutlich in einer Gummizelle besser aufgehoben gewesen wäre, als auf dem Kaiserthron, steht dabei auf einem anderen Blatt der Geschichtsschreibung.

Beim Laufen kann man sich stundelang selbst einreden, wie toll und schnell und unbesiegbar man ist. Wenn man anschließend beim Volkslauf auf den letzten Kilometern die Grätsche macht und einen Pulk von Versehrten und Junghüpfern vorbei ziehen lassen muss, relativiert sich das schnell.

Fremdmotivation ist da schon eine andere Sache. Ich gebe euch mal ein schönes Beispiel aus meiner Laufkarriere. Irgendwann saß ich mit meinem(damals noch) kleinen Sohn vor dem Fernseher und wir sahen ein 10.000 Meter Olympiarennen. Ich habe keine Ahnung, ob es der junge Haile oder Daniel Komen war. In jedem Fall pulverisierte eine geschmeidige schwarze Gazelle gerade eine versammelte Schar der Läufer-Weltelite. Ich sah mit offenem Mund zu, murmelte ein paar bewundernde Worte und mein Sohn sagte: „Den könntest Du schlagen, Papa.“ Ich musste mir erst Mal eine Kopfnuss verpassen, um sicher zu gehen, dass ich das auch richtig verstanden hatte. „Was? “ Mein Sohn zog mich am Ärmel und sagte: „Das ist ganz einfach. Du läufst einfach hinter dem Mann her und kurz vor dem Ziel überholst du ihn.”

Logisch! Wieso war ich nicht darauf gekommen? Wäre ich tatsächlich mal mit Haile oder einem vergleichbaren Gegner auf die Strecke gegangen, ich hätte das versucht.

Soviel zu den Themen Motivation und Feuer. Das Einzige, was hier momentan brennt, ist die Luft. Deutschlandsprint, du lässt mich nicht mehr los. Anrufe und Mails von hier und da. Dazu eine aufgebrachte Läuferschar, die es kaum abwarten kann, bis der Kalender auf den 1. Mai umspringt.

                                            TTB64

                          Paderborn 2007. Kilometer 1. Jürgen vornweg. Zweimal Thomas dahinter. 

Nächste Woche geht es dann in mein ganz persönliches Trainingslager. Danach wartet der Celler Wasalauf auf uns. Das ist wieder so ein Wettkampf, also da…da würde ich gern dem Doktor und Jürgen mal so richtig Feuer unter dem Hintern machen. Würde…möchte…könnte…ich kenne das mittlerweile  in- und auswendig. Die Jungs sind schwer zu schlagen. Man kann sich dabei auch selbst die Finger verbrennen.  Alles muss reiflich überdacht, geplant und vorbereitet sein. Aber…egal, wo sind die Streichhölzer?

 

Thomas Knackstedt

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