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ThomasKnackstedt

Deutschlandsprint Countdown-Tagebuch. Nachschlag.

Von ThomasKnackstedt am 07.03.2008

Die Tage 59 bis 55 im Block.

www.deutschlandsprint.de

59     2. März 2008

Die 59 ist bei mir gleich doppelt belegt. Die Geschichte fängt mit den Worten an: Es war einmal…

…der Köln Marathon. Sabine war nach langwieriger Verletzung das erste Mal wieder bei einem Marathon dabei. Ich begleitete sie auf ihrer Paradestrecke, um ein wenig Unterstützung beim Combeback zu geben. Wir lagen bis zur Hälfte des Rennens auf einer Zeit um die drei Stunden. Irgendwo bei Kilometer Dreißig bekam Sabine Probleme und wir purzelten aus unserem Zeitfenster. Sabine sagte: „Lauf, ich mache langsamer.“ Ich hängte mich rein und bei Kilometer 41 sah ich auf die Uhr und merkte: Wenn ich jetzt um mein Leben laufe, kann ich die 3-Stunden noch knacken. Ich beschleunigte Richtung Dom, lief von 41 bis 42 eine 4:00 und näherte mich ganz bedenklich der so genannten „Kotzgrenze“. Die letzten 200 Meter hatte ich nur Augen für die Uhr über dem Ziel. Ich sprintete, wie ich das bei einem Marathon nie wieder hinbekommen habe. Im Ziel fiel ich auf die Klappe und musste grandiose Körperbeherrschung aufbringen, um mich nicht zu übergeben. Meine Zeit in der Siegerliste wurde später mit 2:59:59 Stunden ausgedruckt. Was für ein Rennen…

Heute wird kein Schritt gelaufen. Die Woche war ziemlich anstrengend für mich und meine Beine sehnen sich nach einer Auszeit. Die werden sie heute bekommen. Ich lege sie höchsten mal hoch oder gönne ihnen einen Spaziergang.

Das Überraschungspaket für heute sieht so aus, dass ich, wenn ihr das hier lest, vermutlich unterwegs bin. Aber nur, wenn der Sturm „Emma“ uns keinen Strich durch die Rechnung macht. Ich stehe ja ohnehin mehr auf Emma Peel, als auf diese Windsbräute.

Ich habe auch schon Vorkehrungen getroffen, dass ihr die nächsten Tage etwas von mir hören könnt. Aber ob das klappt, steht noch in den Sternen. Wenn es hinhaut, ist das allerdings eine Geschichte, die es sich zu erzählen lohnt. Und ihr werdet natürlich die ersten sein, denen ich sie erzähle.

Bis dahin gibt es ein kleines Suchbild

                                          TTB59

                                                                       Wo könnte das wohl sein?

Wir hören hoffentlich voneinander…

 

58     3. März.2008

Heute gab es ja schon mal eine Mail von meinem Anbieter. Das Serverproblem besteht immer noch. An eine Veröffentlichung der Seite ist nicht zu denken. Klasse. Ich könnte...

Aber das hatte ich heute schon einmal. Wir wollten gestern nach Helgoland übersetzen. Trainingslager. Allerdings musste das Schiff aufgrund der Windstärken von 10-12 abdrehen und das war auch besser so. Es war ein Abenteuer! Ich telefonierte mit meinem alten Kumpel Ingo in Bremen und übernachtete dort. Am heutigen Tag griffen wir dann noch einmal an.

"Eine Insel im Meer, so stark in meinen Träumen..." eine Liedzeile aus einem Klaus Hoffmann Lied. Das ist für mich Helgoland. Ich liebe diese Insel, aber manchmal ist es schwer, dorthin zu gelangen.

Dieses Mal kam das Schiff durch, aber wie. Für alle Meeresbewohner von Cuxhaven bis Helgoland war heute ein Festtag. Mit der Hälfte der Passagiere hingen wir an der Reling. Erbsensuppen, Brötchen und was die Herrschaften um uns herum noch so gegessen hatten, landete als Fischfutter in der Nordsee. Die Funny Girl hüpfte wie ein Korken auf den Wellen und Kathrin und mir war so speiübel, wie seit Jahren nicht mehr. Unser Essen bei uns zu halten, war dabei mehr Glück als Körperbeherrschung.

                                        TTB58

                                    Im Fahrwasser der Elbmündung ist die Welt noch in Ordnung...

Ich hocke im Postamt Helgoland und schreibe ein paar Zeilen für den Tag. Leider werdet ihr sie nicht lesen können, bis die Technikabteilung bei 1und1 die Seite wieder ins Netz stellen kann. Ich  lasse mich mal überraschen. Zu gern hätte ich euch direkt von hier berichtet. Aber Morgen ist ja auch noch ein Tag.

Jetzt schnüre ich die Schuhe und drehe eine Inselrunde...Vielleicht lesen wir uns ja noch.

Ein paar Fotos werden selbstverständlich auch noch nachgereicht, aber dazu muss ich erst ein Mal die technischen Möglichkeiten klar machen. Schauen wir mal...

Hätte ich doch beinahe die 58 vergessen. Puh! Die Lange Anna, Helgolands Wahrzeichen, ist 58 Meter hoch. Noch. Der atemberaubende Felsen im Meer ist leider vom Einsturz bedroht. Ich drücke die Daumen, dass ich ihn noch auf einigen Kurzurlauben bewundern darf.

 
57     4. März 2008

1401 war man auf der Jagd nach Störtebeker und Konsorten. Man vermutete die Piraten auf Helgoland. Der Hamburger Rat sandte zwei Ratsherren mit Kriegsschiffen nach Helgoland, um dort das Nest der Seeräuber auszuräuchern. Dafür erhielten die Ratsherren 57 Pfund. Damals ein Vermögen, heute wäre man damit in England allerdings kein reicher Mann.

Wir haben den ersten Tag auf Helgoland verbracht. Es war himmlisch. Eine Laufrunde haben wir hinter uns gebracht und es war ein Erlebnis, auf dem Oberland Hand in Hand zu laufen. Nicht etwa, weil wir uns sonst verirrt hätten, sondern Kathrin wurde manchmal vom Winde verweht. Als sie das zweite Mal vom Weg in die Rabatten geweht wurde, habe ich sie lieber festgehalten. Auf dem Oberland war der Wind greifbar. Unsere Mützen wurden uns ins Gesicht gedrückt und wir kamen oft nur schwer voran. Aber als wir wieder unten waren, war das schnell vergessen, dort konnte man es aushalten. Allerdings war an ein Laufen auf die Mole nicht zu denken, sie wurde von Brechern überspült.

Auf der Laufrunde haben wir tatsächlich vier Läufer gesehen. Ich sage es ja immer wieder: Helgoland ist Läuferland.

 

                                TTB57

                                                Nicht Ayers'Rock, sondern die Felsen Helgolands.

Abends ging es in die Düne Süd. Wir kamen schnell mit Gästen ins Gespräch und dann treffe ich dort doch tatsächlich einen Rentner, der beim BGS in Duderstadt war. Au Backe. Die Welt ist ein Dorf...

Heute Morgen scheint die Sonne aus allen Knopflöchern und wir beginnen den Tag mit einem Spaziergang. Später wird dann gelaufen. Ich freue mich jetzt schon. Und dann war da Gestern noch ein Telefongespräch mit Mario. Die Strecke ist fertig und wir haben auch noch ein paar Helfer dazu bekommen. Das tut sich gut an. Am Wochenende werden wir dann diesem Bereich den letzten Feinschliff verpassen.

So, zweite Schicht im Postamt. Der Lauf ist Geschichte. Sonne und Wind aus erster Hand. Die 11 KM Runde ging in 48 Minuten weg. Das war ziemlich anstrengend. Vor der Langen Anna brachte mich der Wind einmal zum Totalstillstand. Dafür pustete er mich in Hochgeschwindigkeit aufs Unterland. Danach gab es Kaffee und Kuchen und einen Inselspaziergang. Helgoland ist einfach Erholung pur.

Am Nachmittag steht dann noch eine ganz lockere Runde mit Kathrin auf dem Plan und vielleicht geht ja auch irgendwann wieder diese vermaledeite Homepage auf Sendung.
Ich bin gespannt...


56     5. März 2008


Vor 56 Jahren wurde Helgoland von der britischen Verwaltung zurück an die Bundesrepublik übergeben. Für die Helgoländer endete damit ein langer Kampf für die Selbständigkeit und die Heimat. Aber eines kann ich euch versichern: Dieser Menschenschlag hier gibt so leicht nicht auf. Genau so wenig, wie man die Insel mit einer gigantischen Sprengung im Meer versenken konnte, kann man den Helgoländer von seiner Scholle verbannen. Ich habe sie diese Tage wieder kennen lernen dürfen, eine verschworene Gemeinschaft ganz liebenswerter Menschen, die genau wissen, was sie wollen. Wenn wir dieses Zusammengehörigkeitsgefühl beim Deutschlandsprint erreichen, dann kann nichts schief gehen.

Gestern Nachmittag wollte ich ja mit Kathrin noch eine Lockerrunde drehen. Das kam natürlich ganz anders. Als wir einen Kilometer unterwegs waren, sah ich von vorn etwas kommen, das frappierende Ähnlichkeit mit einer dunklen Wolke hatte. Ehe ich mir darüber Gedanken machen konnte, wurden wir direkt von vorn mit einem Peeling aus Hagel- und Schneekörnern bearbeitet. Das schmerzte im Gesicht, wie Tausend Nadelstiche. Eine hammerharte Vorstellung. Der Schnee verschwand so schnell, wie er gekommen war, aber...das war’s noch nicht.

Der Wind frischte derart auf, dass der Sand vom Helgoländer Strand uns eine Sandstrahlung der Extraklasse verpasste. Der Schnee tat weh, der Sand steigerte den Schmerz gleich noch um eine Klasse.

An einen Lauf übers Oberland war nicht mehr zu denken. Also dackelten wir über die Mole weit aufs Meer hinaus. Hier waren wir etwas windgeschützt und siehe da: Zwanzig Minuten später schien die Sonne. Ganz genau so ist Helgoland.

 

                                TTB56

                                                Paradies in Gefahr. Noch steht die Lange Anna.

Zwischendurch sind ein paar Telefonate zu erledigen. Mario und ich quatschen über die Strecke; Jürgen meldet sich. Thorsten schickt eine Mail, dass die Unterstützung durch den Rewemarkt, bezüglich unseres Proviants beim Lauf klar geht und Jens Bodemer von Pearl Izumi will uns ein paar Schuhe zuschicken. Der Sprint entwickelt sich. Wenn das die nächsten beiden Monate so weiter geht, bin ich wirklich gespannt, was am Ende dabei herauskommt.

So, jetzt wird die Sauna angeschmissen und mein Anbieter bekommt noch einen bitterbösen Anruf von mir. Wenn Technik nicht funktioniert, macht mich das echt rappelig. Aber, wie habe ich euch das beim Thema Laufen immer wieder gesagt: Ihr könnt euch letztendlich nur auf euch selbst verlassen.


55     6. März 2008


Die Reederei Cassen und Eils betreibt seit 55 Jahren die Fährlinie Cuxhaven - Helgoland. Und sie ist dabei zuverlässiger als mein Internetanbieter. Denn fünf Tage Pause(oder wie ich befürchte, noch wesentlich länger) gibt es bei der Reederei nicht. Da wird bei Wind und Wetter das Boot losgejagt und die Passagiere den Naturgewalten ausgesetzt. Lobenswert.

Gestern war wieder so ein Tag, den man teilweise vergessen konnte. Ich Idiot rufe doch tatsächlich noch mal die Hotline bei 1und1 an und denke, dass man mir dort helfen kann. Geholfen hat man mir tatsächlich, ich wurde drei Mal weiter verbunden, ehe mein Handyguthaben alle war. Bis dahin hatte ich mit drei Mitarbeitern ein paar nette Worte gewechselt, mehr aber auch nicht. Klasse! Danach habe ich bei Meinsportplatz und auf unserer Delligser SC Seite einen Wasserstandsbericht eingestellt. Na ja, ich bin ziemlich sauer.

Der Lauf gestern war sehr schön. Die Sonne schien und der Wind war auszuhalten. Ich begleitete Kathrin auf der Inselrund und machte mich fünf Mal auf, fünf Minuten zu sprinten. Danach lief ich zu Kathrin zurück und trabte locker mit. Ein wunderbares Intervalltraining.

Heute ist der Helgoland Kurzurlaub zu Ende. Am Nachmittag geht das Schiff und die Heimat ruft. Leider bin ich seit heute Morgen stolzer Besitzer von minimalen Halsschmerzen. Da heißt es: Laufen fällt aus. Mal abwarten, was sich da entwickelt.

                                  TTB55

                               Wehmut im Herzen. Blick über das Oberland "meiner" Insel.

Ansonsten verlassen wir Deutschlands einzige Hochseeinsel mit Wehmut im Herzen. Seit Jahren lieben wir diese Tage im Februar oder März. Es gibt kaum einen Ort in Deutschland, wo man sich derart erholen kann. Und Laufen, ob ihr es glaubt oder nicht, ist hier ein Genuss. Probiert es aus. Ihr werdet es im ganzen Leben nicht vergessen.


Thomas Knackstedt

 

 

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