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ThomasKnackstedt

Deutschlandsprint Countdown Tagebuch

Von ThomasKnackstedt am 19.03.2008

Noch 42 Tage. 19. März 2008

www.deutschlandsprint.de

Ist natürlich klar, was heute kommt: Marathon! Die 42 ist die magische Zahl der Marathonläufer. Die 195 Meter Zugabe vergessen wir natürlich nicht. Aber wie, um alles in der Welt noch mal, kommen Hunderttausende von Menschen darauf, genau 42,195 Kilometer zu laufen? Da gäbe es doch sinnvollere Zahlen, oder?

Gut, ich versuche mal das Ganze hochwissenschaftlich zu erklären: Der Geschichtsschreiber Herodot berichtet über den griechischen Boten Pheidippides, der 490 v. Chr. von Athen in zwei Tagen nach Sparta(satte 240 Kilometer!) gelaufen war, um Hilfe im Krieg gegen die Perser zu suchen. Daraus formten 500 Jahre danach Plutarch und Lukian von Samosata eine Legende, der zufolge ein Läufer sich nach dem Sieg der Athener in der Schlacht von Marathon auf den knapp 40 Kilometer langen Weg nach Athen gemacht habe und dort nach der Verkündung seiner Botschaft „Freut Euch, wir haben gesiegt“ tot zusammengebrochen sei.

Na, das ist doch schon was. Damals wurden die Griechen von den Persern angegriffen. Xerxes soll, lt. Herodot, eine Armee von 5 Millionen Mann angeführt haben. Moderne Historiker nehmen daher eine deutlich geringere Gesamtstärke von vielleicht 100.000 (gängigste Annahme in der modernen Forschung) bis höchstens 200.000 Mann an. Der Militärhistoriker Hans Delbrück berechnet die Zahl der von Xerxes insgesamt in Griechenland eingesetzten Truppen auf 45.000 bis 55.000 Mann. Sein Kollege Emil Daniels kommt sogar nur auf 20.000 Soldaten.

Da haben wir schon die erste Parallele zum modernen Marathonläufer. Was Zeiten, Qualen, Trainingsumfänge und erlittene Verletzungen angeht, wird oft übertrieben, manchmal auch ein wenig geflunkert.

Der Läufer Pheidippides überbrachte angeblich (!) den Spartanern die Bitte um Hilfe in Rekordzeit, doch diese mussten den Abmarsch aus religiösen Gründen verschieben und kamen daher zu spät.

                                            TTB42

 Zwei Boten unterwegs. Besi und ich beim Anstieg zum "Blauen Kreuz". Magdeburg-Marathon 2006.

Soviel dazu. Wie gesagt, es ist eine Legende. Hilft uns dieses Wissen, wenn wir heute bei Kilometer 37 japsend und um Luft ringend am Bordstein hocken und uns fragen, wie um alles in der Welt dieser geschundene Körper die letzten jämmerlichen fünf Kilometer bis ins Ziel zurücklegen soll und was wir hier eigentlich machen?

Vielleicht ließe es sich als Bote einer siegreichen Schlacht besser laufen. Wenn  im Ziel anstatt der Finisher-Medaille der Tod wartet, ist das natürlich nicht gerade ein Anreiz zur Bestzeit.  Heute gibt es statt der frohen Botschaft nur Energieriegel, Müslistangen und Isogetränk. Wenn uns der Mann mit dem Hammer allerdings schon erwischt hat, helfen diese Wundermittel der modernen Ernährungswissenschaft auch nicht mehr viel.

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Marathonlauf gelegentlich noch immer die Ausmaße einer griechischen Tragödie annehmen kann. Wer schon einmal auf den letzten Kilometern „gestorben“ ist, der weiß genau, wovon ich rede. Vielleicht denkt ihr nächstes Mal einfach dran. Wenn die Beine so unsagbar schwer sind, der Magen revoltiert und die Muskeln ein zuckendes Eigenleben entwickeln. Ihr „lauft“ Geschichte nach. Lasst euch nicht hängen und überbringt eure Botschaft. Wem auch immer.

Eine weitere Geschichte rankt sich um die Distanz des Laufes. Bei den Olympischen Spielen 1908 in London wurde die heutige Marathondistanz 42,195 das erste Mal gelaufen. Das englische Königshaus war dafür verantwortlich. Weil die exakte Stecke von Schloss Windsor bis zur königlichen Loge im Wembley Stadion 42,195 Kilometer lang war. Vorher wurde über exakt 40 Kilometer Länge gelaufen.

Wieder was dazu gelernt. Alle Angaben sind natürlich ohne Gewähr. Ich werde mich jetzt langsam zum Training aufmachen. Dabei geht es nicht auf die 42,195 Kilometer, sondern wir geben uns mit 20 zufrieden. Dabei werden zwei zügige Abschnitte über 5 und 3,5 Kilometer eingebaut. Wie das „gelaufen“ ist, erfahrt ihr dann morgen.

 

Thomas Knackstedt

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