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ThomasKnackstedt

Deutschlandsprint Countdown Tagebuch

Von ThomasKnackstedt am 05.04.2008

Noch 25 Tage. 5. April 2008

www.deutschlandsprint.de

Ich kenne eine Menge Leute, die uns Läufer für komplett verrückt, gaga, meschugge und was weiß ich nicht halten. 40, 50, 100 Kilometer laufen? Wie dämlich kann man sein? Ich meine, es gibt Autos, Motorräder, die Bahn…

Wir Läufer sehen da eher die Methode im Wahnsinn. Kämen nie auf die Idee, unseren Sport in Frage zu stellen. Wieso auch? Das ist kein sportliches, sondern eher ein menschliches Problem. Das, was man selbst macht, ist einem völlig klar und logisch. Das Handeln anderer Menschen kommt uns oft seltsam und komisch vor. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

Wie ich auf diese Gedanken komme? Das hängt natürlich mit der Zahl des Tages zusammen. Zur 25 habe ich etwas wirklich Verrücktes gefunden; sage ich jetzt mal.

Schon mal was vom Österlichen Cohorten-Marsch gehört? Nein? Ging mir genau so. Seit mehreren Jahren gibt es die Interessengemeinschaft „Cohors II Mattiacorum“. Sie beschäftigt sich mit den Römern, ihren Lebensumständen und der Umgebung des Limes, der 2004 zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Da will man natürlich auch wissen, wie das früher so war. Also rüstet man sich mit genagelten Ledersandalen aus und marschiert mehrere Tage lang täglich 25 Kilometer mit 35 Kilo Marschgepäck den Limes entlang. In römischer Soldatenausrüstung, versteht sich. Geschlafen wird auf den selbst gebastelten Schilden, zugedeckt mit den selbstgenähten Umhängen.

Das Ganze findet während der Osterfeiertage auf dem knapp 140 Kilometer langen Weg von Holzhausen nach Rheinbrohl statt.

Jetzt sage mir noch einer, dass es komplett verrückt ist, nachts durch die Schweiz zu laufen und nach 100 Kilometern halbtot in Biel ins Ziel zu fallen. Das ist doch gar nichts. Kein Gepäck, keine Ledersandalen, keine Schilde. In diesem Licht besehen, sind die meisten unserer Ultraläufe völlig normale Sportveranstaltungen.

Gestern Morgen bin ich locker 13 Kilometer ausgelaufen. Nach dem Crosswettkampf am Donnerstag, tat das gut. Abends gingen dann noch ein paar Mails bezüglich des Deutschlandsprints durchs Internet. Hier vor Ort läuft alles bestens, aber mit dem überregionalen Sponsoring ist das so eine Sache. Ich sage es ja immer wieder: Wir sind Landeier. Keiner kennt uns, und so gibt es auch Probleme mit dem Image(so nennt man das heute glaube ich) unseres Laufs. Nach einigem Mail-Hin-und-her verstehe ich mal wieder nicht, was der ein oder andere Sponsor wirklich will. Zudem bin ich nicht in der Lage, bestimmte Sachen zu leisten, weil ich zwischendurch auch noch arbeiten und trainieren muss. Es bleibt halt schwierig. Um einen Großteil Stress einzusparen, werden wir uns diesbezüglich einfach in Verzicht üben.

Wäre die Zusammenarbeit mit den Helfern oder unseren örtlichen Unterstützern so schwierig und zeitaufwändig, wir hätten das Projekt Deutschlandsprint schon genommen, gefaltet und in die nächste Abfalltonne gestopft. Seltsamerweise läuft die Korrespondenz mit den helfenden Sportvereinen und unserer regionalen Wirtschaft wie geschmiert und bietet nur Anlass zur Freude. Schon komisch. Eigentlich ist alles, was man für diesen Lauf braucht genau das:

                                        TTB25

                                               Läufer(links) und unkomplizierte Helfer(rechts).

Heute steht noch ein zügiger Dreißiger auf dem Plan. Da ich am Wochenende zwei lange Nachtschichten schieben muss, bleibt wenig Zeit. Dazu gleich ein Tipp: Wer relativ stressresistent ist, der schiebt den schnellen langen Lauf auf einen Termin, wo ohnehin wenig Zeit ist. Oder läuft an einem Tag, wo man etwas Wichtiges vorhat und startet so spät, dass man sich sputen muss, den Termin einzuhalten. Das wirkt oft wahre Wunder(kann allerdings auch zu einem famosen Krach mit dem Partner führen). Ich aste heute jedenfalls in Zeitnot, bei strömendem Regen und auf teilweise katastrophalen Wegen, durch den Hils und stelle erstaunt fest: Heute geht was! Die 30 Kilometer sind nach 2:12 Stunden im Sack und ich bin nass und zufrieden. Jetzt aber nichts wie ab zur Arbeit.

 

Thomas Knackstedt

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