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ThomasKnackstedt

Deutschlandsprint Countdown Tagebuch

Von ThomasKnackstedt am 15.04.2008

Noch 15 Tage. 15. April 2008

www.deutschlandsprint.de

15 Sekunden. Länger hat es nicht gedauert. Das Abdrücken der Betäubungsspritze und meine Verabschiedung ins Nirwana. Als ich heute Morgen, im todschicken weißen Leibchen, auf dem OP-Tisch des Alfelder Krankenhauses liege, denke ich: Verdammt noch mal, das kenne ich doch. 1966 hatte man mich hier das erste Mal am Wickel. Blinddarmoperation. Meine erste Erinnerung an die Vergangenheit. Ich habe versucht abzuhauen, aber ein paar grün bekittelte Typen haben mich festgehalten. Zwei Erwachsene gegen einen 5-jährigen. Ziemlich unfair, wenn ihr mich fragt.

Heute versuche ich, nicht stiften zu gehen. Mein linkes Handgelenk schmerzt seit Wochen, da muss etwas passieren. Als ich die Diagnose bekam: das muss operiert werden, die Sehne ist nicht mehr gängig, war ich ziemlich platt. „Vergiss es“, sagte ich dem Arzt. „Ich muss laufen. Operieren geht nicht.“  Er schaute mich an und sagte: „Ich weiß, ich lese das ja immer von meinem Kollegen Griebel“. Ah, denke ich, ein Verbündeter im Geiste. „Zwei Tage Pause, dann kannst Du wieder laufen“. Das hörte sich verlockend an, also abgemacht.

15 Sekunden, maximal. Weg bin ich. Ich träume, dass ich durch das Krankenhaus laufe. Die geplante Flucht von 1966 fortsetze. Vermutlich ist das die Laufeinheit für heute. Gestern noch real mit Jörn im Hils, heute morgen im Geist durchs Krankenhaus.

                                    TTB15

                                           Es gibt schlimmere Verletzungen für einen Läufer.

Als ich wieder aufwache, fühle ich mich wie drei Whisky zuviel. Der Gang vom Bett zum Schrank, in dem meine Sachen sind, hat auffallende Ähnlichkeit mit den 50 Metern vom Röntgenlauf-Ziel zur Massagebank. Ich bin ziemlich wackelig; angeschossen.

Eine Stunde später sieht die Welt schon anders aus. Die Schmerzen halten sich in Grenzen und das Email-Fach ist mit Mails von Flensburg bis Heringen gefüllt. Für die Schreibarbeiten setze ich heute Kathrin ein. Beim Diktieren des Textes fühle ich mich ein bisschen wie der Chef. Ungewohnt, sogar ein bisschen unangenehm. Hoffen wir also, dass der Doc ganze Arbeit geleistet hat, damit ich bald wieder voll einsteigen kann.

 

Thomas Knackstedt

 

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