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ThomasKnackstedt

Berlin Marathon 2012

Von ThomasKnackstedt am 02.10.2012

Der Berlin Marathon ist im Ziel. Unser Unternehmen 3-Stunden-Grenze hat Carola erfolgreich abgeschlossen. Hier die Story zum Wettkampf:

 

Wer keine Fehler macht, wird belohnt.

So funktioniert es meistens im Sport. Im Leben sieht das oft anders aus. Als wir die Vorbereitung für den Berlin-Marathon 2012 begannen, war ich mir nicht sicher, ob das Vorhaben „Carola soll unter drei Stunden laufen“ klappen würde. Es gibt so viele Fehler, die sich einschleichen können… 

Jetzt stehen wir am Brandenburger Tor, Carolas Uhr zeigt 2:57:40 Stunden und auf meine Fragen: „Gab es Probleme? Hattest Du irgendwann das Gefühl, Du schaffst es nicht? Ist etwas Aufsehenerregendes passiert? Wurde es irgendwann richtig schwer?“ antwortet Carola: „Nein, nein, nein, nein!“ Aber von Anfang an…

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Ein toller Dirk-Schnappschuss. Da sollte es am Ende für den Sieger hingehen.

Jörn erzählte mir zuerst von Carola. Da sollte es eine Läuferin geben, die genau so „verrückt“ in punkto Laufsport sein würde, wie unser Jogi. Ich kannte Carola nicht, aber Jogi, den kenne ich schon eine ganze Weile. Ich kann mich an Nächte vor dem Rennsteig-Ultramarathon erinnern, als wir um drei Uhr Morgens noch am Kissen horchten, während Jogi, komplett ins Läuferdress gewandet, schon auf den Start wartete. Ich fand das immer ziemlich extrem, aber bei einem so liebenswerten Kerl wie Jogi, muss man da einfach nur schmunzeln. Ich weiß nur, dass mir das Laufen ganz sicher nie so viel bedeutet hat, wie ihm.

Irgendwann stand Carola dann beim Mittwochtraining auf der Matte. Eins war mir nach der ersten Einheit sofort klar: Die Frau ist schnell und extrem ausdauerfähig. Über den Rest musste ich mir erst ein Bild machen. Ein paar Wochen später war ich schlauer. Ja… sie war vor jedem Start mindestens so aufgeregt wie Jogi. Hier und da erschien sie mir als „ziemlich aufgeregtes Hemd“ aber da sollte ich mich bald eines Besseren belehren lassen. Wir sprachen über Marathon. Sie hatte ein paar Läufe hinter sich und war bis zu einer Zeit von 3:11 Stunden gekommen. Ich bot ihr an, den Versuch zu starten unter drei Stunden zu laufen. Sie überlegte lange und stimmte dann zu. 

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Christian, Jogi, Dirk und Carola auf dem Weg zum Start. Das sieht doch schon sehr zuversichtlich aus...

Noch vor dem ersten Tag der Vorbereitung war mir klar, dass in Carola, neben ihren extrem guten Laufeigenschaften noch ein anderes Talent schlummerte: Sie ist unglaublich gut organisiert. Ich will ehrlich sein, dass ist eine Eigenschaft, die mir komplett fremd ist. Während ich fast alles aus dem Bauch heraus entscheide und dabei ab und an entweder am Ziel vorbei oder darüber hinaus schieße, plant Carola jedes noch so kleine Detail bis auf ein paar Zahlen hinter dem Komma ein. Für unser Training sollte sich das auszahlen. Im Verbund mit jeder Menge Disziplin arbeitete Carola 12 Wochen hartes Training extrem strukturiert und ambitioniert ab. Das sorgte dafür, dass sie topfit an der Startlinie des Marathons stand.

Da sind wir also: Ein paar Landeier bei einem der größten Marathons der Welt. Carola und Jogi sind locker, das lässt mich schon zweifeln, ob alles klappen würde. Die Vorbereitung verlief ohne die kleinste Störung. Sollte das etwa so weitergehen?

Carola hat sich in jedem Fall auf ihre Art und Weise vorbereitet. An ihrer Uhr pappen kleine, bunte Zettel mit allen Zwischenzeiten. Ich hätte ihr sagen können, dass sie die nicht braucht, aber mittlerweile kenne ich sie gut genug, um zu wissen, dass sie diese kleinen Hilfen für sich benötigt. 

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Der ganze Marathon auf einer Uhr...

Die Voraussetzungen für den Erfolg sind in jedem Fall gut. Carola hat eine perfekte Vorbereitung hingelegt. Das Wetter heute ist sozusagen kaiserlich gut für die Läufer. Die Sonne steht an einem wolkenlosen Himmel, aber es ist noch immer angenehm kühl und ein mäßiger Wind sorgt zusätzlich für etwas Erfrischung.

Wir verabschieden uns am Brandenburger Tor. Carola und Jogi verschwinden im Meer der Läufer. Carolas Mann Christian, mein Berliner Freund Dirk und ich winken ihnen noch hinterher. Wir gehen einen Kaffee trinken und dann geht es los. Christian macht sich mit einem kleinen, wendigen Roller auf den Weg, Dirk und ich nehmen das Rad.

Schon zehn Minuten später weiß ich: Hätte ich Dirk nicht an meiner Seite, könnte ich jetzt gleich wieder nach Hause fahren. Der Junge kennt sich aus. Die Innenstadt Berlins ist praktisch komplett abgeriegelt. Wir fahren Schleichwege, über Fußgängerbrücken, durch Unterführungen und Parkabschnitte desTiergartens. Auf einmal stehen wir fünf Meter neben der Startlinie des Marathons. „Nein, das glaube ich jetzt nicht.“ stammele ich nur. Dirk lacht. „Das ist doch der Hammer, wa?“ Das kann man wohl sagen. Direkt neben uns geht die Läuferschar ins Rennen. Wir filmen und knipsen wie die Irren. Dann geht es wieder in die Sättel und wir fahren durch die gesperrte City. Das ist wie in einem Endzeitfilm. Einfach nur geil…

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"Marathonfotograf Dirk" bei der Arbeit. Hat er uns doch glatt zum Start gelotst.

Bei Kilometer 10 jagt die Spitzengruppe an uns vorbei. 30 Minuten zeigt die Uhr an. Fernsehen ist eine Sache, aber hier an der Strecke stehen und zu sehen in welch unglaublichem Tempo die schnellen Äthiopier und Kenianer an uns vorbeifliegen, das ist atemberaubend.  

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Selbst für einen "alten Laufhasen" unglaublich schnell. Die Spitzengruppe bei Kilometer zehn. 

Wir kontrollieren die Uhr und warten auf Carola. Das Feld wird ab Minute 40 unübersichtlich, so viele Athleten wollen unter drei Stunden ins Ziel kommen. Dann sehen wir Carola. Sie liegt auf die Sekunde im Plan und wirkt fast so, als sei sie gerade losgelaufen. Gerade hier, zwischen all den anderen Gesichtern, kann man erkennen, wie locker und frisch sie noch aussieht.

Wir jagen Richtung Kottbusser Damm. Kreuz und quer, was weiß ich wo entlang. Dirk trifft sogar noch einen Arbeitskollegen auf dem Rad, aber für ein Pläuschchen ist jetzt keine Zeit. Ich stelle das Rad am Kottbusser Damm ab und da kommt Carola schon. Ich laufe Hundert Meter mit, reiche ihr eine Wasserflasche und wir reden kurz. Ich bin mehr als beruhigt. Sie ist gut unterwegs und wirkt absolut souverän. 

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Unsere beiden "Marathonis" kurz vor dem Start. 

An der Halbmarathonmarke verpassen wir uns. Das Feld ist prall gefüllt mit ambitionierten Läufern. Die Menschentrauben im Bereich der mit Luftballons gekennzeichneten 3-Stunden-Zugläufer sind groß. Bei Kilometer 30 geht es uns nicht anders. Ich mache mir Gedanken. Ist etwas passiert? Ich rufe Christian an, der stand auch in der Nähe des Halbmarathons. Als er mir sagt, dass er Carola ebenfalls nicht gesehen hat, wird mir schon ein wenig mulmig.

Wir rasen jetzt in Richtung Ziel. Da meldet sich Christian: „Sie ist bei 37 durch. Die Zeit müsste so um die 2:37 Stunden liegen.“  Puh! Mir fällt ein Stein vom Herzen. „Wie sieht sie aus“ frage ich Christian. „Gut“ ist die knappe Antwort, die mich beruhigt.

Dirk und ich stellen die Räder hinter der Tribüne am Ziel ab. Die Uhr zeigt 2:55 Stunden Laufzeit an. Die Strecke ist selbst jetzt noch rappelvoll. Dann sieht Dirk Carola und schießt ein Foto von ihr. Ich bekomme ihren Durchlauf wieder nicht mit. Dirk kommt zu mir. „Ich habe sie gesehen! Sie müsste unter 2:58 Stunden drin sein.“ Wir jubeln und gratulieren uns, obwohl: Irgendwie haben wir ja gar nichts gemacht…

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Die Zielgerade. Carola beendet ihr Rennen mit richtig "Speed".

Familientreffpunkt A. Hört sich gut an, da wollen wir uns treffen. Wenn man dorthin will, muss man allerdings, wie Dirk so schön sagt, eine logistische und fahrtechnische Meisterleistung hinlegen, denn irgendwie sind alle Wege dorthin gesperrt. Wir schaffen es natürlich trotzdem, aber fragt mich nicht, wie Dirk uns da hingelotst hat.

Christian wartete bereits und kurze Zeit später kommt Carola zu uns. Verdammt, verdammt, die sieht nicht so wirklich erschöpft aus. Ich habe genug Marathon- und Ultraerfahrung in den Knochen, um das einschätzen zu können. Außerdem habe ich in den letzten Minuten die normale „Nach einem Marathon Kulisse“ von humpelnden, hinkenden Menschen mit schmerzverzerrten oder glücklichen Gesichtern um mich herum sehr genau wahrgenommen.  

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Der Trainer bei seiner Lieblingsbeschäftigung: Fachsimpeln...

Wir liegen uns in den Armen und sind zufrieden. Ich sage es ja immer wieder: Es gibt nichts Schöneres als einen Plan, der klappt (na ja…beim Laufen zumindest).

Carola erzählt von „ihrem Rennen“. Alles lief wie geplant. Zu Beginn lernte sie eine Argentinierin kennen, die ebenfalls die 3 Stunden knacken wollte. Sie hielt nicht durch. Ersetzt wurde sie durch einen Mitläufer, der im Schlussteil der Strecke ebenfalls die Waffen strecken musste. „Danach“, strahlt Carola, „habe ich nur noch überholt. Das war der Wahnsinn.“ Genau so sollte es sein, denke ich still für mich.

Im Ziel wurde Carola dann noch von der Berliner Zeitung interviewt. Am nächsten Tag sollte ihr Lächeln aus einem Bericht über den Marathon strahlen.

Als Carola mich jedoch fragt, was als Nächstes anstehen würde und wie es jetzt weitergeht mit dem Laufen und den Wettkämpfen, ist das ein klares Zeichen, dass sie mich doch noch nicht so richtig gut kennt. Kein Wort will ich davon hören. Was jetzt angesagt ist, das ist Genießen. Das Erreichte, die freie Zeit der nächsten Tage, die Selbstbestimmung der Tagesplanung, vor allem aber das Leben…

Kurze Zeit später kommt auch Jogi zum Treffpunkt. Nach langer Verletzungspause ist er gut durchs Rennen gekommen und war nach 3:19 Stunden im Ziel. Er freut sich riesig über Carolas Erfolg und scheint auch mit seiner eigenen Leistung zufrieden zu sein. Das freut mich nun besonders. Schließlich weiß ich, wie selbstkritisch er ist.

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Jogi und Carola glücklich und zufrieden im Zielbereich. 

Per Telefon trudeln die ersten Glückwünsche ein. Carolas Ergebnis ist außerordentlich gut. Von knapp 35000 Finishern, darunter 8000 Frauen, landet sie bei den Frauen gesamt auf Platz 35 und bei den deutschen Frauen auf Platz 5. So etwas hatte ich gehofft, aber jetzt ist es doch überwältigend.

Es gibt noch einen herzlichen Abschied von Dirk, dann begleite ich die anderen zum Hotel. Wir müssen noch einmal über die Strecke. Da ist noch immer sehr viel los und es ist nicht einfach, eine Lücke zu erwischen, um auf die andere Straßenseite zu kommen. 

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Abmarsch Richtung Heimat. "Unsere Helden" auf dem Weg ins Hotel. 

In der Nähe des Anhalter Bahnhofs findet das Abenteuer Berlin Marathon 2012 sein Ende. Wir nehmen uns noch einmal in die Arme, dann trennen wir uns. Ein fehlerfreier Tag, nach einer fehlerfreien Vorbereitung. Sehr schön. Als ich entlang des Landwehrkanals radele sagt mir meine Erfahrung jedoch: Freu dich darüber. Genieße es. Es wird nicht immer so sein. Schon gar nicht beim Marathon…

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Nicht nur Carolas Marathon war perfekt. Auch das Licht zum Fotografieren am Landwehrkanal war schlichtweg traumhaft.  

 

Thomas Knackstedt

 

Kommentare

Hallo Thomas,

ich bin lange nicht mehr hier gewesen, deshalb kommt meine Gratulation etwas verspätet.

Das habt Ihr beiden wirklich toll gemacht. Großes Lob !!!

Mir kommt dabei das Buch "die Möwe Jonathan" in den Sinn. Vom Meister zum Lehrer

Das muss ein schönes Gefühl für Dich sein.

 

Herzliche Grüße,

Efah

Hallo Thomas,

ein toller Bericht - mal nicht aus der Perspektive des Läufers/der Läuferin. Hut ab vor Läuferin und Trainer. Ein guter Plan ist grandios aufgegangen. An dem Tag hat wohl alles gestimmt.

Gruß
Spaßläufer

Wieder mal ein sehr schöner Bericht von Dir Thomas! Du hast die Stimmung absolut treffend eingefangen.

Ich habe die Zeit mit Euch sehr genossen und mich gefreut beim großen Finale Eures U3H Projektes dabei sein zu können. Es hat mir einen riesigen Spaß gemacht mit Dir gemeinsam auf dem Rad, an die Fersen der flinken Carola geheftet, durch die Stadt zu heizen. Nicht zuletzt habe ich mich auch darüber gefreut Jogi einmal persönlich kennegelernt zu haben, nachdem ich ja schon viel über ihn gelesen habe. Der Mann ist ja schon ein paar Tage älter als ich und läuft immernoch schneller, als ich jemals war - Respekt!

Du hast als Trainer natürlich allen Grund zur Freude. "Dann hab' ich diesen großartigen Trainer gefunden" hat Carola im Interview der "Berliner Morgenpost" gesagt, als Erklärung für ihren Erfolg. Da kannst Du richtig stolz drauf sein.

Liebe Grüße auch an Deine nette Familie

Dirk

Hallo Dirk,

Glückwunsch zu deinem guten Ergebnis in Berlin! Wer gut trainiert war und am Anfang nicht übertrieben hat, der musste eine gute Zeit laufen. Die Bedingungen waren wirklich ideal.

Mein Tipp für den Röntgenlauf: Spar dir im ersten Drittel ganz bewusst ein paar Körner auf, die du im letzten Drittel einbringen kannst. Der Lauf ist eine harte Nummer. Natürlich sind auch in diesem Jahr ein paar Delligser am Start. Mal sehen, wie die abschneiden...

Viele Grüße

Thomas

 

 

Hallo Thomas,

wenn ich deine Bericht lese, habe ich den Eindruck ihr hattet eine wundervolle (anstrengende) Vorbereitung und einen tollen Renntag in Berlin. Es ist schon eine sehr schnelle Strecke mit einem riesigen Puplikum. Im Frühjahr bin ich in Düsseldorf 3:25h (pers.Bestz.) gelaufen und hatte mir für Berlin eine Zeit zwischen 3:20 und 3:25 erhofft. Auf der Strecke lief alles viel zu glatt, bei km41, wenn man auf "Unter den Linden" einbiegt, ist mir die Luft weggeblieben und ich hatte Pipi in den Augen, als ich das Brandenburger Tor sah. Ein paarmal nach Luft gejapst und ich hatte mich wieder gefangen. Im Ziel blieb die Uhr für mich bei 3:16h stehen. Als nächstes steht der Roentgenlauf noch auf dem Programm, dann ist Schluß für dieses Jahr, nur noch Genußlaufen bis Sylvester

 

Gruß

Dirk

 

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