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andy67

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50 Km durch die Ulmer Nacht - ein "Ultra" tolles Erlebnis

Von andy67 am 15.06.2009

Hallo zusammen, 

irgendwie kann ich das von Freitag auf Samstag erlebte noch gar nicht richtig in Worte fassen - es war einfach zu beeindruckend! 

Den ganzen Freitag über bin ich schon so nervös, dass an ein Ausruhen bzw. Schlafen vor dem Start zu meinem ersten Ultra-Lauf gar nicht zu denken ist.  

Schon lange vor dem Start um 23.00 Uhr bin ich daher in der Lix-Halle in Blaustein und hole meine Unterlagen ab. Auf dem Parkplatz vor der Halle hat sich bereits eine stattliche Anzahl Wohnmobile angesammelt und sogar vereinzelte Zelte sind aufgebaut. In der Halle haben sich bereits einige Läufer auf die bereitgestellten Matratzen gelegt und versuchen noch etwas Ruhe zu bekommen - also da gibt es bei mir keine Chance - ich renn' bereits zum x-ten Mal zur Toilette und anschließend zum Auto um allles nochmal zu kontrollieren. 

In der Halle treffe ich zuerst noch einen Fori vom Runners-World-Forum und Dede mit seinen Staffelkollegen, die ich ja alle auch vom Lauftreff kenne. 
Gemeinsam essen wir unsere "leckeren" Spätzle mit Soße und lauschen anschließend dem Briefing bei dem vor allem den 100 Km - Läufern angesichts des Streckenprofils ab Km 60 sicher etwas mulmig wird.  
Endlich ist es dann an der Zeit Richtung Startgelände im Robert-Epple-Stadion aufzubrechen, wo sich bereits einige Hundert Zuschauer versammelt haben und zusammen mit den Läufern dem Start entgegen fiebern. 
Mit einem gigantischen Feuerwerk und tosendem Applaus werden wir dann auf die Laufstrecke geschickt - ich bin einfach überwältigt von diesem Start und bleibe im Stadion noch ein paar Mal stehen um Bilder zu machen. Parallel zum Läuferstrom werden immer wieder Bodenfeuerwerke gezündet und als die letzten Läufer aus dem Stadion laufen, geht das Brilliantfeuerwerk erst richtig los und begleitet uns noch eine ganze Weile - das war mit Abstand der geilste Start zu einem Lauf, den ich erleben durfte! 
 
Und genau das habe ich mir auch für die restlichen 49,7 Km vorgenommen - nicht einfach Laufen, sondern so viel wie möglich erleben! 
Aber was gibt es schon bei einem Lauf durch verschlafene Dörfer groß zu erleben? Tja, bei Km 5 stürzte ein Läufer direkt vor mir als es von dem kurzen matschigen Stück wieder auf Asphalt ging - glücklicherweise ist ihm bis auf ein paar Schürfwunden nichts passiert. Hier komme ich dann auch das erste Mal mit einem anderen Läufer ins Gespräch, der schon einige Ultra-Läufe absolviert hat und sich für heute die 100 Km vorgenommen hat. Zusammen laufen wir die ca. 5 Km lange Steigung Richtung Erstetten und ich erhalte viele wertvolle Tipps und so kommen wir gemeinsam nach 1:10h am ersten VP bei Km 10 an. Hier lasse ich mir wie geplant etwas Zeit um zu Essen und Trinken und nehme dann noch einen Fruchtriegel mit auf den Weg. 
Nach dem VP geht es kurz durch die Felder und anschließend muss die Straße überquert werden - zum Glück kannte ich diese Stelle schon, denn vor mir sind einige Läufer/innen zu früh abgebogen, aber wurden von den aufmerksamen Streckenposten schnell wieder auf die richtige Strecke gelotst. Jetzt ging es zum ersten Mal in den Wald und zu meiner Überraschung war der Weg hier durch den hellen Schotter sehr gut zu erkennen. Anders als auf dem groben Streckenprofil zu sehen, ging es hier auch für einige Kilometer immer wieder rauf und runter und ich kann mir gut vorstellen, dass einige Läufer hier viel Kraft gelassen haben. Mir geht es hier immer noch blendend und ich komme mit einer Staffelläuferin ins Gespräch, die ihren Teil der Strecke bald geschafft hat. Vor Erbach geht es erstmal ein ganzes Stück bergab und immer wieder ist an den unerwartesten Streckenteilen ein kleines Stimmungsnest - das macht echt Laune und die zumeist Jugendlichen Zuschauer machen ein Fest für sich und für die Läufer, die die Anfeuerung gerne annehmen. 
Jetzt geht es für 500m steil zum ersten Staffelwechselpunkt hoch und die Staffelläufer, die ihre Strecke bereits absolviert haben feuern uns auf dem steilen Weg nach oben zum VP super an! Immer wieder huscht ein Lächeln über mein Gesicht - mir geht es weiterhin sehr gut und auch hier beim 2. VP lasse ich mir reichlich Zeit und treffe auch noch eine Bekannte, mit der ich ein paar Worte wechseln kann, bevor ich mich wieder auf den Weg mache.Jetzt geht es in die Ortsmitte von Erbach steil bergab und dann für eine ganze Weile relativ eben an der Donau entlang. Hier wird es zum ersten Mal deutlich kühler, aber dadurch dass jetzt auch die letzten Wolken verschwunden sind, kann man den klaren Sternenhimmel super sehen. 
Hier laufe ich wieder ein ganzes Stück mit einem erfahrenen Ultra-Läufer und so gehen die Kilometer wie im Flug vorbei ohne das ich groß auf die Zeit schaue. Auch wenn es auf den einzelnen Streckenabschnitten zum Teil sehr ruhig ist, kann man immer schon von weitem hören, wann wieder eine Versorgungsstation kommt, denn die Partystimmung ist schon lange vorher zu hören und trägt einen in die Ortschaft hinein, wo alle Läufer mit Begeisterung empfangen werden. Hier bei Km 30 wird mir wieder Wasser und Iso angeboten,aber ich bestelle erstmal eine Halbe Bier und einen Leberkäswecken worauf mir gesagt ist, dass es dies um die Ecke gibt - tja das hätte ich mal glauben sollen, denn um die Ecke war tatsächlich eine private Grillparty im Gange und die Leute feuerten mich wieder super an! Jetzt ging es für mich auf die interessantesten 20 Km, denn hier wusste und hoffte ich einige bekannte Gesichter an der Strecke zu sehen. Auf dem Weg zum Wendepunkt bot sich uns im Tal laufenden Läufern ein grandioses Bild: Links oben auf der Hochebene konnte man eine langgezogene Kette von Lichtern sehen, die den Läufern gehörten, die schon auf dem Weg zurück waren. Nur wusste man natürlich ganz genau, dass es diesen Höhenunterschied auch noch zu überwinden galt. Und da ich die kurze aber knackige Steigung durch Essendorf kannte bin ich hier das steilste Stück kurz gewalkt und habe mich dann oben voller Vorfreude auf den Weg richtung VP in Buch gemacht -warum Vorfreude ? Tja, ich wusste ja, dass ich dort am Verpflegungsstand einige bekannte Gesichter sehen werde und hoffte, dass Traudl auch noch dort wartete - ich hatte ja einen ungefähren Zeitpunkt genannt, wann ich dort sein wollte und war doch etwas spät dran. 
Aber schon von weitem sah ich sie mit ihrem Sohn am Rand der Strecke sehen und musste beim Anblick ihres Motivationsplakat herzlich lachen - Vielen vielen Dank nochmal - das hat sooooo gut getan!  
Zusammen liefen wir dann bis zum Verplfegungspunkt wo bereits Jutta (Dedes Regierung) und sonst noch einige bekannte Gesichter standen und so nahm ich mir auch hier Zeit um etwas zu quatschen und mich dann noch von Traudl zu verabschieden! 
@Traudl - das war mit Abstand die geilste Fanaktion!  
Irgendwo hier wurde ich auch nochmal persönlich angefeuert und mir wurde erst kurze Zeit später klar, dass auch Lucca an der Strecke stehen wollte - @Lucca - sorry - hab ich zu spät registriert. 
Wie ausgemacht habe ich jetzt zuhause angerufen und mein grösster Fan sagte mir zu bei Km 47 an der Illerbrücke auf mich zu warten!
Auch hierfür nochmal ein riesengroßes Dankeschön!!!!!!  
Nochmals gut gestärkt ging es jetzt auf die letzten 13 Km - ein Klacks - gerade mal eine größere Lauftreffrunde war noch zu Laufen und ich wusste ich werde meinen ersten Ultralauf zu Ende laufen! 
Beim Weglaufen vom VP bin ich dann wieder mit einem 100 Km - Läufer ins Gesräch gekommen und gemeinsam sind wir einige Kilometer zusammen gelaufen . So langsam begann es zu dämmern und in der Morgendämmerung sind wir am letzten großen VP im Wiblinger Klosterhof angekommen. Hier hat mich dann Dede angerufen und gefragt wo ich denn bin, da er bereits im Ziel ist. Mitbekommen habe ich noch...hier ist es kalt und...... und dann hat der Akku meines Handys versagt.  
Nach dem VP ging es in einem großen Bogen zurück zur Iller und hier war eigentlich der einzige kritische Punkt an dem die Streckenmarkierung nicht gut zu sehen war: Es ging links und rechts in den Wald und auf den ersten Blick kein Hinweis zu sehen welches die richtige Richtung ist Erst nach Absuchen mit der Stirnlampe konnte man auf dem Boden den nach rechts zeigenden Pfeil erkennen.Noch ein kurzes Stück durch den Wald und dann ging es an die Iller und am Fluß entlang Richtung Illerbrücke. In der Zwischenzeit war die (nicht vorhandene) Marathonmarke bereits passiert und mein Gesprächspartner hatte auch wieder gewechselt. 
An der Illerbrücke geht es in einer 270°-Kehre hoch zur Straße und als ich oben auf der Brücke angekommen bin, sehe ich bereits meine Frau am anderen Ende warten! Voller Freude laufe ich über die Brücke und genieße diesen Augenblick! 
Natürlich wird auch hier noch ein Erinnerungsfoto gemacht und wir verabreden uns für's Ziel, dass ich ca. eine halbe Stunde später erreichen will. 
Ich hab vor lauter Freude über diesen gelungenen Lauf bisher nur ganz selten auf die Uhr geschaut und erst jetzt sehe ich, dass es mit einer Zeit unter 6h etwas knapp wird. Also noch einen kräftigen Schluck Cola und dann geht es deutlich schneller als zuvor auf die letzten 3,5 Km. Hier auf dem weg an der Iller und Donau entlang überhole ich noch einige Läufer denen es offensichtlich nicht mehr gut geht - die meisten haben Magen- und Darmprobleme von denen ich zum Glück verschont bleibe. 
Die Kilometer hier an der Iller und an der Donau laufen nochmal richtig super und als ich den letzten kurzen Anstieg auf die Adenauerbrücke geschafft habe sehe ich zu meiner Freude und Überraschung Dede am anderen Ende der Brücke und gemeinsam mit ihm laufe ich nach 5.59:20h durch das Ziel bei Km 50! 
Hier wartet auch wieder meine Frau auf mich und gratuliert mir zum tollen Lauf - Danke für die tolle Unterstützung! 

Jetzt bin ich tatsächlich ein Ultra-Läufer!  

Bis hierher war der Lauf mit grandiosem Start, super Verpflegung und Stimmung unterwegs und einer tollen anspruchsvollen Stecke einfach klasse - leider wurde dieser Eindruck dann durch das Behandeln der 50 Km - Finisher am Roxy etwas getrübt:  

Die Medaille bekam man so nebenher in die Hand gedrückt; außer den Rettungsfolien gab es keine Möglichkeit sich aufzuwärmen und die Krönung war der 7sitzige Shuttle("Bus") auf den jetzt bereits ca. 20 Läufer bibbernd in der Kälte warteten. Wir kamen dann im 2. Versuch mit und so konnte ich einen für mich unvergesslichen Lauf noch im Whirlpool und 30° warmen Solebecken im Bad Blau ausklingen lassen.  
Nach einiger Zeit bin ich dann raus und nach einer heissen Dusche sind wir dann rüber ins Stadion und haben dort dann auch Dede mit Staffelkollegen getroffen. Und ja - auch morgens um 8.00 Uhr schmeckt das Radler nach so einem Erlebnis genial!  
Gespannt warteten wir dann auf den Schlussläufer von Dedes Staffel und feuerten in der Zwischenzeit die ins Ziel kommenden Finisher egal ob Einzelstarter oder Staffel an! 
Und als Dedes Staffel samt Fahradbegleiter auf der letzten Runde im Stadion liefen gab es von uns noch einen extra Applaus! 
  
Schnell noch ein paar Bilder gemacht und dann war es Zeit Richtung Heimat aufzubrechen. Schliesslich wollten wir ja alle zur After-Race-Party wieder fit sein! 
Und so war es dann auch - nachmittags trafen wir uns nochmal alle zum gemeinsamen Grillen und haben die Ulmer Laufnacht bei leckerem Grillgut und dem ein oder anderen Bier nochmals Revue passieren lassen! 

Viele Grüße und Danke für's Lesen 

Andy 

(Jetzt hab ich für's Schreiben länger benötigt als ich gelaufen bin)

Kommentare

Beeindruckender Bericht

Danke dafür

Hallo Andy,

Glückwunsch zum gelungenen Ultra Debüt, Respekt! und Danke für den schönen und ausführlichen Bericht. Wie immer sehr kurzweilig zu lesen.

Gruß, Thea

Willkommen im Kreise der verrückten Ultras!! Ein schöner Bericht von deinem Erlebnis und mein großes Kompliment ans Durchhalten. Wie ich hörte, mussten viele "erfahrene" Ultras die sich die 100 vorgenommen hatten, der anspruchsvollen Strecke ihren Tribut zollen, und haben abgebrochen.

laufendlaufende Grüße

michael

Traudl, ihr und alle anderen an der Strecke habt die Nacht zum Tage gemacht !! Das war so einzigartig. Einfach genial.

Damit auch vielen Dank an die super Betreung und Versorgung an der Strecke an die vielen Helfer/innen an der Strecke.

Viielen Dank für dieses Erlebnis !!!!

  

hi Andy

auch für uns war es ein irres Erlebnis! Wann fährt man schon mitten in der Nacht nach Ulm und sucht so ein Dorf wie Illerkirchberg oder Bach? Aber mein Sohn und dein Namenskollege findet fast alles....

Dein Bericht reisst einen förmlich mit! Wir hatten an unserem "Motivationseck" so viel Spaß - wegen unserem Plakat und auch wegen fotografieren. Mehr als 3/4 der Läufer rissen die Arme in Siegerpose hoch, wenn sie die Kamera sahen- absolut cool! Das Beste war, als sich ein Läufer die Lampe vom Kopf riss- damit er fürs Foto besonders gut aussah! auch noch eitel! Nur schade, dass gerade in dem Moment der Blitz versagte...

Erhol dich gut vom laufen und schreiben...;)))

grüßle traudl

Andy,

ein ganz toller Stimmungsbericht. Ich war ja dabei und kann es genau nachfühlen. Ich kann die ganzen Eindrücke heute auch noch nicht alles erfassen.

Es war auf jedenfall ein riesen Erlebnis !!!

LG Jürgen

 

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