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Wettkampfambitionen vorerst gestrichen

Von chriba76 am 23.06.2009

Hallo, Leute!

Wahrscheinlich habt ihr es schon gemerkt, dass ich mich in letzter Zeit etwas sehr rar gemacht habe. Ich habe zum einen im Moment beruflich sehr viel zu tun und zum anderen habe ich auch zwei Wochen ziemlich hoher psychischer Belastung hinter mir. Ein paar Trainingseinheiten sind chronischem Zeitmangel zum Opfer gefallen. Eigentlich war schon letzten Sonntag der Anfang von einem (symbolischen) Ende. Ich musste den Lonjog abbrechen - nicht wegen Konditionsmangels, sondern wegen eines Jahrhundertgewitters - und mich zum ersten Mal von meiner Freundin auf dem Waldparkplatz einsammeln lassen. Ich glaube, ich war in meinem Leben noch nie so nass. Naja, schon, beim Schwimmen, aber das fühlt sich dann doch angenehmer an. Jedenfalls hat mich das schon irgendwie frustriert, weil ich mich richtig auf den langen Lauf gefreut hatte. Danach begannen dann meine Zeitprobleme. Außerdem merke ich mehr denn je, dass sich trotz kontinuierlichen Trainings mit Plan seit Januar(!) wirklich so gut wie keine Verbesserung in tempomäßiger Hinsicht eingestellt hat. Jetzt schien die Zeit bis Oktober, wo ich mir ja den HM vorgenommen hatte, plötzlich beklemmend eng. Oh Gott, dachte ich, ich kann es mir ja gar nicht leisten, mal ein Training ausfallen zu lassen! Und plötzlich wurde aus dem schönen Freizeitausgleich ein unglaublicher Stressfaktor.

Ich glaube, den Rest hat mir framikas Beitrag gegeben (bitte bitte nicht persönlich nehmen, liebe framika! Ich habe großen Respekt vor deiner Leistung und gratuliere dir von Herzen!). Warum? Naja, ich hatte immer gedacht, wir würden auf einer ähnlichen Leistungsstufe stehen, und plötzlich schreibt sie von einer echt guten Zeit, die ich im Moment überhaupt nicht sehe, und dass sie aber weit abseits vom Feld hinterher gelaufen ist. Nein, tut mir leid, das halte ich nicht durch.

Sonntag war dann mein läuferisch absoluter Tiefpunkt. Ich hatte am Nachmittag ein Konzert und dachte, ein bisschen Laufen am Vormittag bringt den Kreislauf in Schwung und sorgt für die nötige Umverteilung des Adrenalins. Also bin ich los. Ich wusste, es wird kein Lonjog nach Plan, denn vor einem Konzert darf man sich auch nicht zu sehr auspowern. Einfach eine gemütliche Runde um den kleinen See. Da geht es von uns aus auch erst mal schön ein Stück bergab. Auf der anderen Seite der Straße war eine Renter-Wandergruppe. Ich habe es NICHT geschafft, an dieser Wandergruppe vorbei zu kommen. Als ich es dann doch geschafft habe, war mein Puls (bergab bei einer Pace von 9: irgendwas) bei über 150. Ich hätte schreien können. Dann fing auch noch ein Bein an, wehzutun, da bin ich nach knapp 1 km umgekehrt. Erst bin ich gewalkt, dann in 200m-Intervallen bergauf gerannt wie der Teufel, um diese Wut irgendwie loszuwerden. Zuhause angekommen war dann ganz klar: Die Sache stresst mich im Moment mehr, als dass sie mir gut tut. Statt einem besseren Selbstbewusstsein fühle ich mich wie etwas Undefinierbares unter der Schuhsohle eines Joggers.

Daheim angekommen, habe ich beschlossen: Das kann's nicht sein. Folgendes werde ich jetzt tun:

1. Ich trainiere weiter nach Plan, allerdings ohne Wettkampftermin. Und wenn dann mal ein Training dran glauben muss, was bei einem Beruf, der sich eben nicht auf täglich 8 Stunden Büro begrenzt, durchaus mal vorkommen kann, dann ist es halt so, und dann ist es auch kein Drama.

2. Ich denke erst wieder ernsthaft über die Teilnahme an einer Laufveranstaltung nach, wenn ich LOCKER einen 7er-Schnitt laufen kann.

3. Ich werde im Sommer eine Leistungsdiagnostik machen lassen, um festzustellen, ob ich ein Hochpulser bin. Das würde einiges erklären.

4. So leid es mir tut, ich werde seltener hier schreiben. Am Anfang hat es wahnsinnig Spaß gemacht, und ich liebe diese Seite sehr und eure Kommentare haben auch immer gut getan. Aber dann hatte ich irgendwann das Gefühl, immer tollere Beiträge schreiben zu müssen und das auch möglichst regelmäßig. Und wenn das dann nicht ging, kam sofort das schlechte Gewissen und wieder Streß.

Keine Angst, das ist kein "Abschiedsbrief". Aber ich möchte im Moment nicht das Gefühl haben, irgendwas zu "müssen".

Also hoffe ich, dass ich, wenn ich das nächste Mal schreibe, positiv und erholt klingen werde. Morgen Nachmittag gehe ich laufen. Ganz entspannt.

Bis dann!

Christiane

 

Kommentare

Sei gegrüßt :o)

Tut mir ja leid, ich wollte dich nicht frustrieren ... *giggle*

Was meinst du wie arg ich mich nach dem Lauf gefühlt habe? Ich dachte, ich werde es nienienie zu solchen Zeiten schaffen.

Und nun bin ich seit dem Wettkampf keinen km gelaufen, weil diese blöde Kniegeschichte ist.

Manchmal muß man eben Prioritäten setzen, sonst tut es ein Anderer - wie zum Beispiel Dein Körper, indem Du beim Laufen zusammenklappst.

 

Lauf zur Erholung und erfreue dich der Vögelein *tschilp*

... und wenn das nächste Mal eine Rentnergruppe vor Dir ist, laß Dich von dem Sog mitreißen. Die haben meistens nämlich ein echt heftiges Tempo drauf, da kommt man selbst im fitten Zustand nicht mit *lol*

So, und nu bekämpfe den Papiertiger auf Deinem Schreibtisch und laß Dich nicht unterkriegen :o)

 

*dickes Kraftpaket rüberschieb* *schieeeeeeeeeeeeeb* Geschafft!

 

besser? :o)

 

Achja, noch zwei Oma-Sprüche zur Aufmunterung:

 

Kopf hoch, auch wenn der Hals dreckig ist

Nur Fledermäuse lassen sich hängen

 

in diesem Sinne

alles Gute

Frauke / Framika

Hallo!

Erst mal vielen Dank für euer Verständnis und die lieben Worte. Damit geht es mir schon gleich besser.

@traudl: Jetzt kann ich wirklich nachvollziehen, wie das mit dem Motivationsthread für dich gewesen sein muss. Deinen Beiträgen habe ich aber entnommen, dass du die Kurve gekriegt hast. Ich denke, ich krieg das auch hin.

@EFah: Nein, ich geben auf keinen Fall auf. Dafür laufe ich viel zu gerne. Aber gerade darum muss dieser Druck weg. Damit ich nicht mehr nur dauernd auf die Geschwindigkeit schaue und mich permanent ärgere, sondern es wieder genießen kann. Ich denke, am WE sind ein paar neue Schuhe fällig … :)

Körperliche Veränderungen brauchen ihre Zeit. Bei mir offenbar noch mehr als vielleicht bei anderen. Das muss ich endlich akzeptieren lernen.

So. Jetzt ist leider schon wieder "Extrem-Schreibtisching" dran.

Viele Grüße und Danke!

Christiane

Hallo Christiane,

ich kann Dich so gut verstehen. An diesem Punkt war ich auch schon oft. Aber nimm es bitte Positiv. Es ist gut, sich immer mal wieder zu reflektieren. Was will ich, was hab ich, was mach ich?

Sei glücklich und stolz, dass Du so sensibel bist und gemerkt hast, was gut tut und was zuviel ist.

Aber gib bitte nicht auf! Laufe weiter, versuche die Einstellung für das Laufen zu verändern. Wie Du schon gesagt hast, streiche mal den Wettkampfdruck und schalte um auf das Genusslaufen.

Laufe mit offenen Augen und offenen Ohren und beobachte was die Natur zu bieten hat. Sprich mit Deinem Körper, mit Deiner Seele, dass Dir dieser Lauf gut tut. Jede Faser Deiner Muskeln, jedes Gelenk, Deine Lunge, Dein Herz, alle werden Dir dankbar sein wenn Du sie gebrauchst, wenn Du sie forderst und damit förderst.

Nimm Dir ganz bewusst die Zeit für Deinen Lauf, das ist Deine Zeit, Zeit in der Du Dir Gutes tust. Alles andere muss mit der verbleibenden Zeit zurechtkommen. Denn Du bist der Chef über Dein Leben, über Deine Gesundheit, über Dein Wohlbefinden. Und glaube mir, das funktioniert.

Lebe mit den Naturgesetzen. Dort gibt es Zeiten des Wachstums und Zeiten der Ruhe. Vielleicht ist jetzt einfach eine Ruhephase bei Dir dran. Danach kannst Du dann wieder, wie der Frühling, voller Kraft und Elan neue Ziele verfolgen.

Bleib bitte dran, ich bin bei Deinem nächsten Lauf, in Gedanken, bei Dir und Du wirst es merken: Alles wird leicht.

Ganz liebe Grüße,

EFah

Hallo Christiane,

ich habe mir schon länger gedacht, von dir liest man ja überhaupt nichts mehr und deshalb wollte ich dir eine persönliche Nachricht schreiben.

Martin war schneller und hat die meisten Punkte schon aufgeführt. Ich kenne das Gefühl sehr gut, wenn man sich selber unter Druck setzt. Vielleicht kannst du dich noch an den gut gemeinten Motivationsthread wegen meinem HM in Freiburg erinnern... ich selber machte mir schon viel zu viel Gedanken wegen Training, wegen Zielzeit, wegen Job und wie ich das alles unter einen Hut bringe- damit auch die Familie nicht leidet.

Mir ging es damals wohl sehr ähnlich wie dir. Geholfen hat mir, dass ich das ganze Programm nach unten schraubte. Dann habe ich mir vorgenommen, dass ich das Jahr 2009 ohne Druck laufen werde. Wenn es mit dem Training nicht klappt, dann klappt es halt mal nicht. So einfach wie es hier steht, war dann das ganze doch nicht, denn von heute auf morgen kann man sich nicht ändern... inzwischen klappt es recht gut und ich muss sagen ich fühle mich viel viel wohler und bin wieder viel entspannter. Das Laufen ist und bleibt Hobby ABER es darf NIE belastend sein. Mein Geld verdiene ich woanders;) Liebe Christiane ich kann dir nur empfehlen egal ob es das Blog schreiben oder dein Training oder egal was... du machst es für dich, du bist niemandem Rechenschaft schuldig warum du etwas machst oder nicht machst. Bleib dir einfach selber treu und geniesse jeden Tag. Versuche locker zu bleiben und freue dich aufs laufen, auf die Sonne, auf deine Kids usw.

Ich wünsche dir einen superschönen Tag und denk dran hier sind so viele tolle Menschen in dem Forum, die dich bestimmt gut verstehen.

Ganz liebes Grüßle

Traudl

 

@Martin: deinen Kommentar finde ich sehr verständnisvoll geschrieben....

ich habe übrigens ein lückenloses Tagebuch im Excelformat in dem nicht nur meine Läuferdaten sind, sondern auch meine Blutzuckerwerte wegen Diabetes :) ....

Hallo Christiane,

vielen Dank für Deinen, wie ich finde, sehr wichtigen Beitrag. Es geht vielen Menschen so wie Dir! Mir ist es möglich mich in Deinen Worten wieder zu finden und ich möchte Dir sagen, dass es gut ist das Laufen mit den richtigen Gefühlen an zu gehen. Wäre es Dir Möglich das im Forum zu Thematisieren? Ich denke das es wichtig ist gemeinsam über den Leistungsdruck und das Vergleichen mit anderen auf ein vernünftiges Maß zu klären. Laufen ist ein Sport der für unsere Gesundheit ist. Die Zielzeiten sollen nur einen aktuellen Stand deiner Fitness wiedergeben, nicht zum Leistungssport. Seien wir doch mal alle ehrlich, die wenigsten haben die Rahmenbedingungen einen Trainingsplan zu folgen, der Zielzeiten erreichbar macht wie es der Leistungssport im Laufen verlangt. Der Mensch ist ein biologisches System, manchmal sind wir gut und manchmal weniger gut drauf. Wichtiger wie einen besonderst gute Zielzeit ist der Einklang mit unserem Körper und Sport der zu uns passt. Der zu unserem Privatleben, den Umständen und beruflichen Situation passt. Nur ein Beispiel: Wer kann den hier 40 Stunden in der Woche trainieren? Wer hat einen Ernährungsberater an seiner Seite? Wer hat eine professionelle Leistungsdiagnostig? Hat hier jemand ein vollständig und aktuelles Tagebuch?

Wenn Du mit einer Pace von 9:00 min/km läufst ist das in Ordnung. Wenn Dein Puls bei 150 bpm liegt, macht dich bitte nicht verrückt. Disziplin bedeutet auch Gedult und das richtige Maß nehmen. Laufe so wie es Dir gut tut und es in Dein Leben passt. Das wird dir am meisten zurück geben. Zeit ist nur ein sehr relatives Maß. Ich wünsche Dir von ganzem Herzen das es Dir bald besser geht und Du Klarheit findest. Halt die Ohren steif, wenn Du denkst es geht nicht mehr....

LG
Martin

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