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dirge

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Bericht: New York Marathon 2007

Von dirge am 17.10.2009

Ein Bericht. Besser: Wenn Träume wahr werden.

 

 

Im Jahr 2007, dem Geburtsjahr der meinsportplatz Community, gab es ein Gewinnspiel dessen Hauptgewinn eine Teilnahme am New York Marathon war. Ich bin einer der zwei glücklichen Gewinner. Dies ist mein Bericht.

Neben dem Gewinn ist aus diesem Projekt das New York / Franfurt Marthon Team hervorgegangen.

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"Photogenic memory.
Past looks better than reality.
Believe me it's just an illusion."

 

So lauten die ersten Zeilen des gleichnamigen Titels "Photogenic Memory" von Philip Bailey, dem großartigen Frontmann von Earth, Wind and Fire. Oft hat sich dieser Satz in meinem Leben als wahr herausgestellt. Auch von dem nun vergangenen Wochenende werden in meiner Erinnerung vor allem die positiven Erlebnisse haften bleiben und ich werde vergessen wie anstrengend es manchmal war. Aber dieses mal werden die Erinnerungen dem Erlebnis wahrscheinlich nicht gerecht werden können. Diesmal war es keine Illusion. Es war ein gelebter Traum.

Donnerstag, 01. November 2007 - Ein Tag vor der Abreise

Heute heisst es Koffer packen. Dabei steht das Laufen absolut im Vordergrund. Ich packe die Sachen, die ich vor dem Lauf, während des Laufs und nach dem Lauf tragen will jeweils in einen separtaten Beutel . Die Sachen, die ich während des Laufs brauche packe ich in mein Handgepäck - man weiss ja nie. Die Laufschuhe werde ich ebenfalls während des Flugs tragen. Dann kann nichts anbrennen.

Meine Checkliste für das Packen wurde wesentlich beeinflusst von dem wirklich hilfreichen Bericht von Christoph Lehner vom New York Marathon 2006. Darin habe ich zum ersten mal erfahren, dass man sich in New York bereits sehr früh in den Startbereich auf Staten Island begeben muss, wo man dann mehrere Stunden draussen verbringt. Das hat mich wachgerüttelt und mich dazu veranlasst im Vorfeld alle Umstände rund um den Marathon sehr genau zu klären.

In dem Newsletter von den New York Road Runners (NYRR) und den Daily Tipps auf der Internetseite des Marathons wird man jedoch ebenfalls sehr gut informiert. Ausserdem gibt es ein "New York City Marathon Handbook" das eigentlich kaum eine Frage unbeantwortet lässt.

Vor der Abreise gehe ich nun schnell noch mal ins Internet und plane mit Google Maps die wichtigsten Wege, die wir zu bestreiten haben:

1. vom Hotel zum Javis Convention Center (Startunterlagen)

2. vom Hotel zur Tavern on the Green (Nudelparty)

3. vom Hotel zur New York Public Library (Shuttle Bus nach Staten Island, Start)

Alle Wege sind von unserem Hotel, dem Wolcott Hotel in der 4 West 31St Street, kurz und leicht zu bestreiten - sehr gut.


Unser Hotel - 204 NYCM07 Hotel aussen D 25.JPG

Foto: Wolcott Hotel, 4 West 31St Street Manhattan

 

Nun nochmal ein kurzes Telefonat mit Rita. Wir gehen gegenseitig noch einmal unsere Checklisten durch. Wir brauchen die e-Tickets für den Flug, den Hotel Voucher, Laufklamotten,... - alles klar. Keiner von uns denkt, dass er etwas vergessen hat.

Nun sollte die Aufregung eigentlich steigen aber ich nuss sagen, dass ich relativ unaufgeregt bin. Diese ganze Sache ist dermaßen überirdisch, dass ich sie nicht einmal einen Tag vor der Abreise zu fassen bekomme und begreifen kann - Wow.

 

Freitag, 02. November 2007 - Der Tag der Anreise

Für 06:30 Uhr bin ich mit Rita und Markus am Flughafen Tegel verabredet. Unser Flug soll um 09:05 Uhr starten. Da es in die USA geht haben wir einen großzügigen Spielraum vor dem Flug eingeplant.

Um 04:50 Uhr heißt es aufstehen und duschen. Biljana hat sich den Wecker für 5:00 Uhr gestellt. So haben wir dann noch genug Zeit uns fertig zu machen und zu frühstücken. Um 06:00 Uhr machen wir uns auf den Weg zum Flughafen. Unter normalen Umständen brauchen wir von uns aus nur 20 Minuten dorthin.

Als wir um 06:35 Uhr am Terminal eintreffen stehen Rita und Markus schon in der kurzen Schlange zum Check in bei Continental Airlines. Ich mogel mich noch dazwischen, da wir ja zusammen sitzen wollen. Eigentlich kann ich sowas ja nicht ausstehen, aber es ist ja nur einer hinter Rita und Markus - da drücken wir mal ein Auge zu.

Rita, Markus und ich (von links) - 002 NYCM07 Tegel Abreise R 001.JPG

Foto: Rita, Markus und ich (von links)

Danach sind wir noch zusammen einen Kaffee trinken gegangen. Dabei hatte Biljana dann die Gelegenheit Rita und Markus kennen zulernen und umgekehrt.

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Foto: Biljana, Rita und Markus

Der Flug hin nach New York dauert planmäßig planmäßig 9 Stunden und 15 Minuten. Wegen des starken Gegenwindes, der aus dem Sturmtief über der Karibik kommt, verläuft der Flug teilweise turbulent. Schließlich müssen wir sogar auf Neufundland in Gander zwischenlanden, da der Treibstoff unserer kleinen Boeing 757 für den Flug bis New York nicht mehr reicht. Wie beruhigend für alle Flugphobiker unter uns. Wir lassen uns unsere gute Laune und unsere Vorfreude auf New York trotzdem nicht vermiesen.

Wir kommen schließlich mit in Summe ca. 3 Stunden Verspätung in Newark an. Jetzt wartet eine der ersten größeren Hürden auf uns - das "Department of Homeland Security". Wie aus den US Visa Bestimmungen hervorgeht entscheidet der Mann des DHS am Flughafen darüber, ob man erwünscht ist und einreisen darf oder auch nicht. Ich stelle mir vor wie dem meine Nase nicht gefällt und er sagt "Goodbye, you can wait for your flight back in the departure zone" oder so. Auf dem Weg dorthin mache ich mit einem Phänomen Bekanntschaft, das typisch amerikanisch zu sein scheint. In allen Bereichen wo Menschenmengen geleitet werden müssen gibt es Personal, das in Marktschreier Manier die Leute auf ihrem Weg leitet und auch begleitet. Da läuft da nun ein Mann mit, der die ganze Zeit monoton so etwas wie "You should have two piece of paper. One green and one white. Don't forget...". Wie soll man da etwas vergessen, wenn der Mann einem das alle 30 Sekunden ins Ohr bläst. Nur verstanden hat man das vielleicht nicht. Darum kümmert sich keiner. Am Tresen des DHS Mannes können wir das Schauspiel beobachten auf welche 1000 Art und Weisen man "next one" sagen kann. Als ich schließlich dran bin werden zum ersten mal in meinem Leben Fingerabdrücke von mir genommen. Ich werde nach dem Zweck meiner Reise befragt und sage mit geschwelter Brust "The New York City Marathon". Er: "Are you running there?" Ich: "Yesssss". Er: "Cooool, welcome in America". Ich bin drin.

Der Transfer. Aus dem ADAC New York Führer weiß ich bereits, dass es empfehlenswert ist vom Flughafen zum Hotel einen der Shuttle Busse zu nehmen. Diese haben einen Pauschalpreis 19$ pro Person - eine gute Entscheidung, wie sich noch herausstellen sollte.

Unser Transfer im Shuttle Bus wurde ein echtes Happening. Es begann schon damit, dass der Fahrer meinte in seinen popeligen Bus gingen außer ihm weitere 11 Erwachsene und zwei Babies (eins davon ungeboren). Nicht zu vergessen das Gepäck der Fahrgäste. Weiter ging es damit, dass um ca. 16:30 Uhr Ortszeit natürlich die Rushhour in Manhattan tobte und auf amerikanischen Highways und vor jedem Tunnel Kassenhäuschen stehen, die den Verkehr vollends zum erliegen bringen - es war ein Spaß. Das war es wirklich, weil wir nämlich ein ziemlich lustiges Trüppchen in dem Bus waren. Da war ein asiatisches Paar mit Baby. Bei denen sorgte vor allem das Baby von ca. 6 Monaten für Stimmung. Dann ein New Yorker Rentner Paar, das schon sein ganzes Leben in Manhattan lebt und das nur ein paar Straßen von unserem Hotel entfernt. Die hatten Restaurant Tipps auf Lager und Empfehlungen für billige gute Hotels. Hinten saß ein Paar aus Virginia. Er Softwareentwickler und ebenfalls Marathoni, sie mit ziemlich vielen Gesprächsbeiträgen über Gott und die Welt. Daneben saß ein Paar aus Liverpool. Die blonde Frau war Schwanger und hatte diesen typisch britischen erfrischenden Humor. Sie fühlte sich wie eine eingelegt Sardine. Was war dann ihr ungeborenes Kind? Er war ebenfalls Marathoni und hatte ungefähr das Format von Elton. Allerdings war dies nicht sein erster Marathon und es sollte auch nicht sein letzter sein. Sein Ziel: in die New York Times kommen. Dafür muss man unter 5 Stunden laufen. Mal sehen ob er das schafft.

Nach rund einer Stunde bekommen wir den ersten Blick auf Manhattan - in herrlichem Abendlicht.


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Foto: Erster Blick auf Manhattan aus dem Shuttle Bus

Angekommen. Expo, Sightseeing und Nudelparty.

 Am Abend um 18:30 Uhr Ortszeit und 23:30 Uhr deutscher Zeit sind wir schliesslich am Hotel angekommen. Die Reise von Tür zu Tür hat damit 17,5 Stunden gedauert - wir sind schon ein bisschen geschlaucht aber auch froh da zu sein.

Nun noch ein kleines Betthupferl und dann ab in die Heia. Der Weg zu unserem kleinen Imbiss führt uns direkt das erste mal am nahe gelegenen Empire State Building vorbei. Das ist schon recht imposant, wenn man davor steht.

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Das Essen fällt schlicht aus aber wir haben Spaß dabei.

Essen

Um 22:00 Uhr ging bei mir das Licht aus. Das war ein langer Tag.


Samstag, 03. November 2007 - Expo, Sightseeing und Nudelparty

Am Samstag haben wir uns für 8:00 Uhr in der Hotellobby verabredet. Im Hotel besteht das Frühstück aus wahlweise Kaffee oder Tee und Muffins in verschiedenen Ausführungen - etwas zu schlicht für unsere Begriffe. Am Tag zuvor haben wir jedoch gleich quer über die Strasse einen tollen Bagel Coffee Shop gesehen, der rund um die Uhr geöffnet hat.

Auf den paar Schritten dorthin fällt auf, dass die "Stadt die niemals schläft" um 8:00 Uhr am Samstag morgen doch noch zu schlafen scheint. Die 5th Avenue ist jedenfalls ziemlich leer. Man trifft oder sieht jedoch den einen oder anderen Marathoni. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand der jetzt unterwegs ist auch gleichzeitig Marathoni ist, ist groß. So sitzen dann in der Galerie, wo wir unser Frühstück verspeisen neben uns 3 weitere Marathonis aus Berlin-Brandenburg - die Welt ist ein Dorf und New York voll im Griff des Marathons.

Das Angebot ist super und wir genießen zum ersten mal den "New York Life Style".

Nach dem Frühstück geht es gestärkt zur Expo in das Javis Convention Center, dass in meinem ADAC Reiseführer als besondere architektonische Attraktion angepriesen wird. Wir bestreiten den Weg zu Fuß, denn auch das JCC ist nicht weit von unserem Hotel.

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Dort angekommen begegenen uns sofort wieder "Marktschreier" zur Lenkung der Massen, die uns ermahnen unsere "Registration Card" und eine "Lichtbildbescheinigung" bereit zu halten. Dafür klappt die Ausgabe auch völlig zügig  und reibungslos - top Organisation. Nun noch den Chip registriert und drei Minuten nachdem ich das Center betreten habe bin ich schon im Besitz meiner Startunterlagen und des "Goodybags". Danach gehen wir gemeinsam an den Infotresen, um für Markus ein Ticket für die Nudelparty zu besorgen. Ein paar Plätze vor uns in der Schlange entdecken wir den RTL-News Ankerman Peter Kloeppel und seine Kollegin die Sportlady Ulrike von der Groeben. Mal sehen ob die beiden Elton hinter sich lassen - ich glaube schon.

Mit dem Inhalt des Goodybags haben wir jetzt eine schöne Sammlung T-Shirts und Accessoirs. Das schreit nach einer Fotosession vor den diversen hübschen Hintergründen, die sich auf der Expo bieten. Zuerst geht's zur "Countdown Uhr", die die verbleibende Zeit bis zum Start des Hauptfeldes am Sonntag zeigt (10:10 Uhr).

24

Das war der Hammer. Genau 24 Stunden vor dem Start drückt Markus auf den Auslöser seiner Kamera und Dirk steht vor der Uhr und grinst - freu. Danach geht es zu der Maxi Darstellung der Strecke, die wir Morgen zu laufen haben - Running the five boroughs - Gänsehaut.

borough

Wir folgen der Empfehlung von Christoph Lehnert und machen uns Schilder mit unseren Vornamen, die wir auf unser Laufshirt kleben können. Das ist super organisiert. Vor Ort gibt es Textilaufkleber, die man selber beschriften kann. Rita und ich haben ja perfekte Vornamen - kurz und knackig. Wer keinen kurzen einfachen Vornamen hat, sollte einen Spitznamen drauf schreiben, der auch für englisch sprachige Menschen aussprechbar ist. Ich habe das Glück Dirk zu heißen. Ein Vorname, der seit Dirk Nowitzki in den USA ein stehender Begriff ist. Lustig ist nur die Aussprache meines Namen. Der klingt aus amerikanischem Munde so etwa wie Dörk.

dörk

Nun ist noch etwas Zeit zum Shoppen. Ich habe schon vor der Abreise geplant mir 1-2 paar neue Laufschuhe zu kaufen. Bei dem derzeitigen Dollar Kurs und den ohnehin schon niedrigeren Preisen in den USA erhoffte ich mir ein echtes Schnäppchen. Ich wurde nicht enttäuscht. Nun nennen sich zwei paar Brooks Adrenaline GTS 7 mein Eigen für den schlappen Preis von 55€ pro Paar. Für die Summe hätte ich in Deutschland nicht einmal ein Paar bekommen.

Gegenüber vom Brooks-Stand war der Pearl Izumi Stand. Die Standbetreuer trugen schlichte schwarze T-Shirts mit der Aufschrift "run like an animal". Die wollte ich auch haben. Ich dachte mir das wäre eine schöne Erinnerung, wo wir doch in der MSP-Community auf der Grundlage der Idee von Cay alias Fastfoot die T-Shirt Aktion ins Leben gerufen haben. Ich ging also an den Stand und fragte, ob man die Shirts kaufen kann. Sure you can - ten bugs cash. Ich erzählte dem Typen am Stand, dass ich die "We are not joggers" Werbung wirklich witzig finde und wir in Deutschland daraufhin einen T-Shirt Wettbewerb gestartet haben. Seine Reaktion kam für mich völlig überraschend. Er sagte: "Du bist das? Das ist Deine Website?" Er hätte davon gehört und erst gestern zuletzt die Galerie besucht, um sich die Shirts anzusehen. Er rief eilig seinen Kollegen herbei und sagte zu ihm sowas wie "Hey, hier ist einer von den Typen aus Deutschland, die den T-Shirt-Wettbewerb machen." Ich habe den Beiden dann erklärt wie es zu der Aktion kam und dass das eigentlich nicht meine Idee war. Ich habe nur die Möglichkeit eingerichtet T-Shirt Vorschläge in eine Galerie ins Netz hochzuladen. Im übrigen wäre das eine Gemeinschaftsaktion der Community. Die beiden gaben sich völlig begeistert von der Tatsache, dass wir die Werbung so positiv aufgenommen haben. In den USA gab es darum heisse Diskussionen und Anfeindungen. Na ja, so ganz ungeteilt war die Begeisterung in unserem Forum ja auch nicht. Aber mit mir stand vor den Jungs ja einer derer die sagen "It's just fun" und das gefiel den Beiden. Ich habe die beiden T-Shirts schließlich geschenkt bekommen und war total begeistert davon, dass unsere Aktion auch hier in den USA von PI so bewusst wahrgenommen wird.

Nach der Expo gingen wir mit unseren Errungenschaften erstmal zurück ins Hotel. Nun begann der Sightseeing Teil unseres Aufenthalts. Wir fuhren in den Süden der Insel Manhattan um von dort mit der kostenlosen Staten Island Ferry nach Staten Island zu fahren und Blicke auf die Freiheitsstatue und die Verrazano Narrows Bridge, auf der Morgen der Start stattfinden würde, zu erhaschen.

Danach ging es nach SOHO. Mich überfiel schon auf der Fähre eine plötzliche Müdigkeit und in SOHO begann ich nun zu befürchten bereits heute alle Körner zu verheizen, die ich morgen noch brauchen werde. Rita und Markus waren noch voller Energie und so entschied ich mich, mich von den beiden abzuseilen. So konnte ich mich ein bisschen schonen und die beiden jungen Spunde konnten die Stadt in sich einsaugen. Wir verabredeten uns für 18:30 Uhr an der Tavern on the Green im Central Park, wo die Nudelparty stattfinden sollte.

Diese Nudelparty war das Beste dieser Art, was ich jemals mitgemacht habe. Schon beim reinkommen durch das Tor zur Tavern wurde man gefeiert wie ein Sieger. Da war eine Animationstruppe, die so richtig Stimmung gemacht hat.

Der Gastraum ist eigentlich ziemlich kitschig aber auch irgendwie urig. Wir haben darin ein gemütliches Plätzchen gefunden und uns schön die Carbos eingepfiffen.

Als wir raus kamen spielte eine Band Blues Brothers Songs und Soul Musik. Rita war voller Energie und kam dazu zu bewegen zum Hotel zurückzukehren. Schließlich wagten wir noch den Ansatz eines Tänzchens und hatten Spaß dabei.

Nun aber zurück ins Hotel und ab in die Falle. Morgen ist der große Tag.


Marathontag - Der Lauf.

Running the five boroughs - einmal durch alle fünf Stadtteile von New York. Start auf Staten Island, durch Brooklyn nach Queens, Manhattan, Bronx und schliesslich wieder Manhattan. Was für ein Lauf. Aber der Reihe nach.

Über den New York Marathon erfährt man ja, wenn man beginnt sich dafür zu interessieren, so einiges skuriles und auch schwer vorstellbares. So heisst es zum Beispiel, dass man sich bereits um 6 Uhr, also mehr als vier Stunden vor dem Start, in dem Startbereich einfinden soll. Vier Stunden auf den Start warten. Kann das sein? Warum das denn? Es kann und ich werde jetzt erklären wie und warum das so ist. Wie sieht das in der Praxis aus und wie geht man damit um?

Der Start des New York Marathon findet wie schon gesagt auf Staten Island am Fuße der Verrazano Narrows Bridge statt. Dieses attraktive und weltberühmte Startszenario ist dafür verantwortlich, dass man als Läufer vor dem Start einiges auf sich nehmen muss.

Um 8:00 Uhr werden die ersten Athleten auf die Strecke geschickt. Zu dieser Zeit findet der Start für Athleten mit Behinderungen statt. Das ist nicht der Start der Rollstuhlfahrer oder Handbiker, sondern bei diesen Athleten handelt sich um Menschen, die die Strecke zum Teil an Krücken oder gestützt von Begleitern absolvieren. Das ist unglaublich und meines Wissens einmalig auf der Welt. Ich bin unterwegs an einem alten Herren vorbeigelaufen, der schwer Parkinson krank gewesen sein muss und auf beiden Seiten flankiert war von Helfern. Der eine oder andere wird sich nach dem Sinn des Ganzen fragen. Mich hat dieses Bild fast zu Tränen gerührt und schwer beeindruckt. Was für ein Mut und Wille gehört dazu das zu machen? Aufgrund dieses frühen ersten Starts wird die Brücke nach Staten Island bereits um 7:00 Uhr gesperrt. Danach gelangt man nur noch mit der Fähre dorthin. Als Läufer wird man von den Organisatoren dazu angehalten sich möglichst vor der Schließung der Brücke im Startbereich einzufinden. Die Anfahrt dorthin ist offiziell organisiert. So gibt es zentrale Stellen von denen aus Busse mit Marathonis nach Staten Island fahren. Wir sollen uns um 5:00 Uhr an der New York Public Library einfinden.

Rita und ich haben uns für 4:30 Uhr in der Hotellobby verabredet. Ich stehe daher um 3:30 Uhr auf. Dabei ist nun hilfreich, dass es zu der Zeit in Deutschland ja bereits 9:30 Uhr ist. Wer jetzt gut aufgepasst hat, dem wird aufgefallen sein, dass die Zeitverschiebung bei unserer Ankunft nur 5 Stunden betrug. In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurden die Uhren in den USA jedoch um eine Stunde zurückgestellt. Damit beträgt die Zeitverschiebung nun wieder 6 Stunden. Kurz bevor ich in die Lobby gegangen bin habe ich noch ein Bild meiner Uhr gemacht.

04.11., 4:11 Uhr. Heute NY Marathon. Wie schön. Es geht los.

Auf dem Weg zur New York Public Library treffen wir einen alten Bekannten, den ich mit "Hey, Liverpool" begrüße. Es ist der lustige Engländer, der uns auf unserer Fahrt vom Flughafen zum Hotel begleitet hat. Er sagt nochmal wie verrückt diese zwei Stunden Tour durch die Rushhour doch war und fragt uns, ob wir heute Abend nach dem Lauf einen trinken gehen. Definetly antworte ich. Er sagt, dass er sich heute abend auch einen genehmigen wird und ich glaube ihm das ungesehen. Da war er auch schon wieder weg. Aus irgendeinem Grund bewegte er sich von den Bussen weg und ging damit in die entgegengesetzte Richtung wie wir.

Noch vor 6 Uhr trafen wir im Fort Wadsworth auf Staten Island, in dem sich der Aufenthaltsbereich vor dem Start befindet, ein - es war noch Stockdunkel.

Von den Bussen aus gingen wir in das Fort im dem es einen orangen, einen grünen und einen blauen Bereich gab. Die Farben entsprachen den drei Startbereichen, denen die Läufer zugeteilt waren. Rita hatte eine orange Nummer und ich eine grüne. Wir entschlossen uns gemeinsam in den orangen Bereich zu gehen. Schließlich waren es noch über vier Stunden bis zum Start. Da konnten wir uns ruhig gegenseitig noch etwas Gesellschaft leisten.

In allen Bereichen gab es Stände mit Bagels, Kaffee und Tee. Bevor wir uns ein Plätzchen suchten, holten wir uns ein zweites Frühstück - es war der richtige Zeitpunkt dafür. Dann ließen wir uns nieder und machten es uns gemütlich. Jetzt hieß es nicht auszukühlen, denn die Temperaturen am Morgen lagen bei vielleicht 2°C. Wir hatten vergessen uns Pappe oder etwas ähnliches zum drunterlegen mitzunehmen. Das machte jedoch nichts, denn wir waren zum Einen beide dick angezogen und hatten ja auch noch die Wechselklamotten in unserem Kleiderbeutel für nach dem Lauf dabei. Außerdem hatte es nicht geregnet und die Wiese war weitgehend trocken. So legte ich mir ein Handtuch, eine Hose und eine Jacke drunter. Rita machte es ähnlich.

An dieser Stelle ein paar Tipps für jeden, der beabsichtigt am New York Marathon teilzunehmen. Dieser etwa vier stündige Aufenthalt ist der neuralgische Punkt des ganzen Unternehmens. Man sollte gut gerüstet sein dafür:

  1. Zieht Euch warm an. Drei Schichten sollten es schon sein. Die letzte Schicht sollte für den dümmsten Fall auch regendicht sein.
  2. Nehmt etwas zum drunterlegen mit: Pappe, Zeitung oder am besten eine alte Isomatte.
  3. Etwas zu Lesen kann auch nicht schaden.

Von den Sachen, die man mitnimmt muss man einiges zurücklassen. Alles was man nicht während des Laufs trägt oder in den Kleidersack steckt bleibt da. Ich habe mir einen TCM-Freizeitanzug für 17€ gekauft, um ihn am Ende zurückzulassen. Das muss einem nicht leid tun, denn die Charities sammeln ordentliche, zurückgelassene Sachen ein und geben sie weiter.

Etwas zum Lesen brauchte ich nicht, denn Rita und ich haben uns die ganze Zeit über das bunte Treiben auf dem Platz unterhalten und amüsiert. Man glaubt nicht, was da für schräge Typen aus aller Welt rumlaufen. Ein Japaner, Jahrgang 1938 mit Fliegermütze und Ghettoblaster auf dem Rücken geschnallt, der die ganze Zeit soetwas wie Tai-Chi betreibt. Eine große Truppe Briten und Britinnen in Schottenröcken. Na und ich sah ja auch ein bisschen lustig aus in meinem Malerschutzanzug.

Fotos: mit dem Handy aufgenommen und per MMS gleich nach Deutschland geschickt. Zuhause saßen alle und waren live dabei.

Dann endlich ging die Sonne langsam auf und der Himmel war frei von Wolken - das wird ein guter Tag. Der Himmel zeigte sich später strahlend blau.

Noch ein Foto von Rita und mir und dann musste ich, rund eine Stunde vor dem Start, in meinen grünen Bereich. Rita und ich wünschten uns Glück. Wir werden uns im Ziel wiedersehen. Die Aufregung stieg.

Die Sonne war nun draussen und wärmte schon erstaunlich gut. Ich gab meine Sachen ab, noch einmal ins Dixi Klo, von denen es hier scheinbar für jeden Läufer eins gab und dann zu meiner Startgruppe im Bereich der 4:15h Läufer. Und da war er wieder - "Liverpool". Wie wahrscheinlich war es, dass man einen Menschen auf diese Weise ein drittes mal trifft? Ich weiss es nicht. Er stand in einer Gruppe von fünf jungen Männern, die alle wie er ein Shirt von der Charity Organisation "Children with Leukaemia" trugen. Eine der vielen Organisationen über die man einen sicheren Startplatz beim New York Marathon und anderen Marathon Läufen auf der Welt bekommen kann, wenn man spendet und für sie läuft. Nun schien mir der Zeitpunkt gekommen ihn nach seinem Namen zu fragen. Colin hieß der lustige Kerl - Colin aus Liverpool. Ach, ich liebe die Briten. Ich kann einfach gut mit denen. Ich habe mich noch prächtig mit der Truppe unterhalten und so verflog die Zeit bis zum Start.

Foto: Ritas Uhr eine Minute vor dem Start.

Um 10:10 Uhr donnerte der Schuß einer Kanone und gab damit den Start des Hauptfeldes frei. Ich stand mit meiner Gruppe am Fuß der Verrazano Narrows Bridge noch relativ weit entfernt vom Start. Wir sahen nun, wie die Läufer oben auf der Brücke an uns vorbeiliefen und es brach Jubel aus. Mein Puls ging nun langsam nach oben. Meine Konzentration stieg. Um ca. 10:40 Uhr ging auch ich endlich über die Startlinie. Ich holte gleich mein Handy raus und schickte noch während ich den Anstieg der Brücke nahm eine SMS nachhause.

Der New York Marathon ist bekannt dafür, dass seine Strecke für einen City-Marathon recht anspruchsvoll ist. Ein Grund dafür sind die offiziell von Garmin vermessenen rund 450 Höhenmeter die er hat. Der Berlin Marathon hat dagegen zum Vergleich lediglich rund 40 Höhenmeter. Ausserdem soll man durch das viele "Schlingschlanglaufen" mit ziemlicher Sicherheit 2-3 km mehr laufen als gewöhnlich. Die ersten 80 Höhenmeter und damit der steilste Anstieg soll sich gleich auf der Verrazano Narrows Bridge befinden.

Als ich meine SMS zuende geschrieben und verschickt habe, bin ich oben auf der Brücke und habe nichts von einem bösen Anstieg gemerkt. So kann es von mir aus weitergehen. Die grüne Gruppe läuft auf dem unteren Deck der Brücke. Ich kann mir vorstellen, dass es oben noch imposanter ist aber der Ausblick ist auch so schon gigantisch. Es pfeifft ein ziemlicher Wind auf der Brücke aber ich bin so froh darüber endlich zu laufen, dass mir das völlig egal ist, obwohl ich nur ein kurzes Funktionsshirt bei 10°C im Schatten trage. Ich denke mir, mir wird schon noch warm werden, denn schließlich scheint ja die Sonne. Zu meinem kurzen Shirt habe ich meine lange dazu passende Hose an. Als Tribut an den Sponsor adidas, dachte ich mir, könnte ich auch die mir überlassenen Sachen tragen. Na ja, die Schuhe natürlich nicht.

Hinter der Brücke lief man noch ein Stück außerhalb der Wohngebiete von Brooklyn aber dann kamen die ersten Brücken unter denen man hindurchlief und damit auch die ersten Zuschauer. Gleich unterhalb der ersten Brücke hörte ich das erste mal meinen Namen "Come on Dörk, you can do it". Ich fing an zu grinsen. Dieser Zustand, also der mit dem Grinsen, wurde zeitweise zu einem Dauerzustand. Ich konnte überhaupt nicht mehr aufhören damit. Zum Glück hatte ich kein Mohnbrötchen gegessen. Da bleibt mir nämlich manchmal ein Korn zwischen den Zähnen. Das versaut ziemlich die Optik.

Nun ging es in die Straßen von Dyker Heights in Brooklyn und die Zahl der Menschen an den Straßen stieg stetig an. Bei km 5 war dort die erste Zeitnahme. Ich hatte unter 30 Minuten auf der Uhr, also unter 6 Minuten pro Kilometer. Ein bisschen schneller als ich es mir vorgenommen hatte, besonders unter anbetracht der Höhenmeter, die auf diesem Abschnitt bereits lagen, aber ich sagte mir "lass es laufen". 6 Minuten war nun der Schnitt, den ich vorerst halten wollte.

Danach ging es auf eine ellenlange Gerade auf der es nicht erlaubt war schneller als 30 Meilen zu laufen. Ok, ok, schon gut. Ich schalt' ja schon einen gang zurück. Cool bleiben. Unter normalen Umständen würde einen so eine Strasse fertig machen - du siehst in die Ferne und kein Ende in Sicht. Mit den jubelnden Zuschauern am Rand, die ständig Deinen Namen rufen. Den begeisterten Kids, deren Hände man abklatscht. Der Party die da abgefeiert wird fühlt man sich jedoch wie auf seiner eigenen Parade.

Nach 10 km hatte ich immernoch exakt den gleichen Schnitt wie an der 5 km Marke - alles war im Lot.

Der Teil, den man durch Brooklyn läuft ist lang. Genau genommen läuft man die Hälfte der gesammten Strecke durch Brooklyn. Man sieht auf diesem Weg die verschiedensten Gesichter dieses Stadtteils. Teile in denen vorwiegend Hispaniolies leben. Teile mit vielen Afroamerikanern, die vor ihren Kirchen stehen und in Gospelmanier Stimmung machen. Man läuft auch durch ein jüdisch orthodoxes Viertel und auch deren Bewohner stehen am Straßenrand. Nach etwa 15 km versucht dort ein jüdisch orthodoxer Mann in typischem Look vor mir über die Straße zu laufen und die Seite zu wechseln. Ich dachte mir: Um Gottes Willen, hoffentlich filmt das keiner. Der man läuft wie ein getriebener vor mir her. Am Nächsten Tag steht das noch in der Zeitung. Na ja, er ist nicht gestolpert und alles ging gut. Wie tief müssen meine Schuldgefühle sitzen, wenn ich beim Marathon auf solche Gedanken komme? Das ist ein anderes Thema.

Auf der Pulaski Bridge ist die Halbmarathon Marke. Auf der anderen Seite liegt Queens. Ich komme dort nach 2:07. Insgesamt bin ich also etwas langsamer geworden. Das ist OK für mich.

Nun kommt die zweite Hälfte und damit die schwerere Hälfte aber auch einige Highlights.

Das Finale.

Hinter der Pulaski Bridge geht es beim New York Marathon für ein kurzes Stück durch den dritten Stadtteil auf der Strecke - Queens. Queens kenne ich nur von der Fernsehserie "The King of Queens" mit Kevin James und Leah Remini als Doug und Carrie Heffernan. Ich rechne nicht damit, dass die beiden an der Strecke stehen werden, aber wer weiß.

Auf diesem Teil der Strecke sind viele enge Passagen, wo das Läuferfeld dicht gedrängt voranschreitet. Es ist kaum noch möglich frei zu laufen. Eine Weile versuche ich mein Tempo durch Überholen zu halten, gebe es dann aber schnell auf, weil ich mich dabei nicht aufrauchen will und mir der Spaß verloren geht. Ich sage mir also, OK jetzt läufst Du halt so schnell, wie es die Masse zulässt. So wird der Abschnitt zwischen km 20 und 25 auch mein langsamster Abschnitt des gesamten Laufs mit 6:43 Minuten pro Kilometer.

Jetzt kommt einer der absoluten Höhepunkte des Laufs - die Überquerung des East Rivers auf der Queensboro Bridge rüber nach Manhattan.

Am Eingang der Brücke stand Markus und hat Rita zu fassen gekriegt. Auf der Brücke befand sich die 25 km Marke. Das herauslaufen aus der Brücke war für mich einer der emotionalsten Momente. Es war als würde man aus den Katakomben eines Stadions in das Stadion hineinlaufen. Noch bevor man etwas sah, hörte man die jubelnden Massen. Es war ein unglaublicher Lärm. Dann lief man von der Brücke um eine Kurve und da standen sie in 5er, 6er, 7er Reihen. Sofort hörte ich wieder meinen Namen. "Dörk, you're looking good", "Dörk, you got it man", "Dörk, it's your race". Ich hätte am liebsten zurückgerufen "I love you all" aber dafür bin ich zu wenig New Yorker.

Nun ging es weiter durch die Upper East Side von Manhattan Richtung South Bronx. Der Bronx haftet der Ruf an, dass es dort etwas ruhiger wäre. Gerade dort, wo man Unterstützung gut gebrauchen kann. Der Weg dorthin führt über die ewig lange 1st Avenue. Hier gibt es nach 18 Meilen, also fast 30 Kilometern, das erste mal Gel. Ausser Wasser und Gatorade, das auch nicht gerade zu meinen Favoriten gehört, gab es bis hierher nichts Anderes. Ich war sehr erleichtert darüber, dass ich mir selber Gel mit auf die Strecke genommen habe. Ich fing schon von der ersten Getränkeausgabe damit an mir kleine Portionen meines Gels reinzudrücken, da das Frühstück auch nicht gerade abendfüllend war. Das war die richtige Strategie.

Bei km 30 fühlte ich mich noch sehr gut, abgesehen davon, dass ich nun mal 30 km in den Beinen hatte, die sich nicht wegdiskutieren ließen. Nun näherte ich mich dem Punkt ab dem es für mich beim Berlin Marathon schwierig wurde - der lag in der Bronx. Die nächste Brücke führte dorthin. Auf der Brücke war kurioserweise orangefarbener Teppich ausgelegt - das lief sich gut. Vor mir tauchte ein afroamerikanischer Läufer auf, der original meine Kluft trug. Er tat sich schwer an der Brücke. Ich lief zu ihm auf und sagte: "Hey, we're running in partner look today." Er: "What?" Ich: "Parnter look!" Er: "Oh yeah men." lachte und gab mir fünf. Ich lief weiter und hinter der Brücke schalten mir rufe entgegen "You're in the Bronx now." Es ging um eine Kurve und da war sie - die gar nicht so ruhige Bronx. Da ging die Post ab und da war Rambazamba. "You're in the Bronx now." schalte es aus allen Mündern. Ich glaube die wollten was gegen ihren schlechten Ruf tun. Ich war begeistert. Die Bronx ist top - von wegen ruhig oder müde.

Ich kam über die nächste Brücke wieder nach Manhattan und damit zur 35 km Marke in Harlem. Nun war ich überrascht, denn ich fühlte mich noch besser als bei der 30 km Marke. Der Central Park war jetzt schon zum Greifen nah. Herbert Steffny warnt in seinem Buch "Lauftraining" davor 6 Kilometer vor dem Ziel in New York zu glauben man hätte das schlimmste hinter sich. Ich konnte mir gar nicht vorstellen was er damit meint. Musste ich ja auch nicht. Ich hatte ja jetzt die Gelegenheit es selbst herauszufinden.

Nun ging es auf die 5th Avenue. Da ahnte ich schon, was damit gemeint sein konnte, aber es betraf mich selbst nicht. Die Strasse zieht sich in einer elenden Steigung hin. Etliche Leute sahen hier schlecht aus. Viele mussten nun gehen. Ich lief weiter. Mir ging es weiter gut. Am Central Park hörte ich schließlich wieder meinen Namen: "Ja Dirk, Du schaffst es." Huch, das war ja deutsch. Ich drehte mich um und konnte kaum glauben wer mir da gerade zugejubelt hat - Jörg Thadeusz, der RBB Radio- und Fernsehmoderator. Das gab mir nochmal einen richtigen Kick.

Es ging nun hinein in den Central Park. Nun war es nicht mehr weit. Da passierte es wieder. Ein alter bekannter begrüßte mich wieder. Nein, diesmal war es nicht mein englischer Freund Colin aus Liverpool. Es war mein Krampf im linken Oberschenkelbeuger. Ich dachte an den Bericht von Fastfoot vom Frankfurt Marathon und wie er darin sagte: einfach weiterlaufen. Ja, das probier ich jetzt mal aus. Na ja, gar nicht mal so leicht. Erstmal musste ich den Krampf in ein paar Schritten lösen. Das ging aber auf den nächsten 10 Metern und schon lief ich wieder. Leider veränderte dieser Krampf alles. Der Rest des Laufs, der bis hierhin perfekt war, wurde zum Kampf. Ich hatte jetzt das Gefühl, dass in jedem Moment jeder andere Muskel in meinen Beinen kommen konnte. Ich wollte mir jedoch den guten Gesamteindruck nicht auf den letzten Metern versauen lassen. Also biss ich die Zähne zusammen und lief - die 40 km Marke ja bereits im Visier. Da sah man mir die Strapaze auch schon an.

Foto: an der 40 km Marke

Schließlich lief ich aber ohne weiteren Krampf bis auf die Zielgerade. Es schien mir noch eine Ewigkeit bis dahin aber so ist das wenn man sich quält - das muss man auskosten.

Und auch Rita hat es geschafft und sich in den Strom der Finisher hinter der Ziellinie eingereiht.

Als ich gerade dabei war mich umzuziehen, schlurfte an mir Peter Kloeppel vorbei. Er hat es also auch geschafft und war dabei über eine halbe Stunde schneller als Elton, von dem ich im übrigen nichts gesehen habe.

Tja, ich muss zugeben, dass Rita hinterher erstmal besser ausgesehen hat als ich. Schicke Frisur irgendwie. Vielleicht hätte ich doch lieber das Stirnband um den Kopf gelassen. Da kenne ich aber nun mal keine Gnade. Ich heiße ja schließlich nicht Viktoria Beckham - von wegen: "No bad pictures of me".

Am Abend sah das schon wieder viel besser aus. Da ließen wir uns es nicht nehmen auf die Post-Race Party zu gehen und ein Bierchen zu trinken - Prost.

 

So haben wir diesen unvergesslichen Tag ausklingen lassen. Was für eine Zeit!

Der New York Marathon hat seinen Ruf nicht umsonst. Das kann ich nun bezeugen. Jeder dem die Stimmung an der Strecke etwas bedeutet, der die Kommunikation zwischen Läufern und Zuschauern geniest, sollte diesen Lauf einmal laufen. Es gibt nichts vergleichbares. Das ist einmalig. Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich das einmal miterleben durfte. Es war ein Traum. Danke.

Wieder zuhause angekommen, stellte ich meinen Koffer ab und setzte mich im Wohnzimmer auf das Sofa. Die Wohnung war leer. Biljana musste arbeiten. Ich blinzelte und hatte das Gefühl alles erlebte wäre gerade in diesem einen Moment passiert. War es vielleicht nur ein Traum in einem Sekundenschlaf?

The End.

 

Kommentare

Danke dirge;), etwas ungewohnt der name, aber man gewöhnt sich ja an vieles :)

grüßle traudl

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