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Eine tolle Woche im April

Von dschinnie am 21.04.2009

Mo: 2,522 km

Gleich nach dem Aufstehen laufe ich mit meiner Lady eine kleine Runde. Nach dem Frühstück geht es dann mit 4 Sportsfreunden aus meinem Verein nach Thüringen zum Rennsteiglauf. Ich bin aufgeregt, aber freue mich auch schon sehr auf das Abenteuer, auf das ich mich hier eingelassen habe.
Abends ist dann das erste Treffen bei einem gemütlichen Abendessen mit den ca. 30 Mitstreitern und dem Betreuerteam. Einige wenige kenne ich vom sehen oder vom Namen her. Der Uli erläutert uns sehr ausführlich den Verlauf der ersten Etappe.

Di: I. Etappe von Blankenstein nach Spechtsbrunn - 39,4 km

Um 9 Uhr treffen wir uns am Gasthaus "Zum Rennsteig". Wie es Tradition ist, sucht sich jeder einen kleinen Stein in der Selbitz, einem kleinen Nebenfluss der Saale. Dieser Stein soll uns auf allen Etappen begleiten und Glück bringen und wird dann bei der Verabschiedeung am Ende der Woche in die Werra geworfen. Dann beginnt das große Abenteuer. Bei strahlendem Sonnenschein geht es gleich mit einem Anstieg los.
Für mich als Flachländer erscheint schon jeder kleine Hügel als Berg. Und davon gibt es in den nächsten Tagen noch sehr viele und auch sehr steile
Nach 5:04 beende ich die erste Etappe mit 40,5 gelaufenen km und 745 Höhenmetern.

Mi: II. Etappe von Spechtsbrunn nach Neustadt - 39,9 km

Mit etwas staksigen Beinen starten wir in die zweite Etappe. Auch heute blauer Himmel, weiße Wölkchen und Sonnenschein. Unterwegs ist dann aber sogar noch etwas Schnee zu sehen und wir erfahren bald, dass hier in Thüringen noch vor kurzer Zeit Winter war. Die Hohlwege, die wir bergab zu meistern hatten, verwandelten sich durch das Schmelzwasser in kleine "reißende Gebirgsbäche". Das hatte aber den Vorteil, dass wir heute gut gekühlte Füsse hatten.
Leider mussten wir ab und an feststellen, dass wir Ulis täglichen Ausführungen über den Verlauf der jeweiligen Etappe nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt hatten. Ab und zu haben wir uns nämlich verlaufen.
Dabei hätten wir doch einfach immer nur dem weißen "R" folgen brauchen.
Dadurch, und durch die Schlenker zu den Kontroll-und Stempelstellen kam ich heute auf 43,4 km und 700 Höhenmetern.

Do: III.Etappe von Neustadt nach Grenzadler bei Oberhof - 27,4 km

Erstaunlich gut geht es mir heute nach den zwei längsten Etappen der Abenteuertour. Nach einem tollen Frühstück geht es auf zur 3. Etappe. Gestartet sind wir bei 800 Hm und es sollte heute noch bis zu 973 Meter bei Plänckners Aussicht gehen.
Aber inzwischen hatte ich mich an die Berge gut gewöhnt. Die steileren Berge ging ich zügigen Schrittes hoch, die kleineren Anstiege schaffte ich auch laufend.
Bei der Wetterstation an der Schmücke dann ein leichter Schock. Schnee, so weit das Auge reicht. Hier konnte man fast nur noch gehen, da wir teilweise bis zu den Knieen eingesunken sind. Aber es war ein Riesenspaß, mit kurzen Hosen und T-Shirt durch den Schnee zu stapfen.
Nach 29,4 Km und 500 Höhenmetern dann der Zieleinlauf.

Fr: IV. Etappe von Grenzadler zur Grenzwiese bei Brotterode - 27,3 km

Heute früh gab es eine "schlechte" Nachricht. Das tolle Wetter hat uns verlassen, es regnet und sind nur 5°C. Die ersten 15 km sind noch vereist mit hartem Schnee und daher fällt der erste Versorgungspunkt aus, da er von den Betreuerfahrzeugen nicht angefahren kann.
Aber ich komme auf den vereisten Wegen erstaunlich gut voran.
Unterwegs bin ich sehr froh, dass ich meine Handschuhe angezogen habe,es ist bitterkalt. Und ich freue mich auf den ersten warmen Tee.
Die Strecke ist heute sehr schön und auch nur wenige Anstiege (dachte ich ). Als ich mich schon auf das Ziel in wenigen Kilometern freute, merkte ich, dass ich am Abend wieder nicht aufgepasst hatte.
Es ging berghoch!!! Über einen km Anstieg von 720 auf 807,8 Meter.
Aber auf der anderen Seite dann wieder runter. Und das bergablaufen macht mir Spaß. Hier konnte ich so richtig Gas geben und damit den heutigen Etappensieg der Frauen mit 7 Sekunden Vorsprung erringen.
Gelaufenen Km heute 28,8 bei insgesamt 520 Hm.

Sa: V. Etappe von Grenzwiese nach Hörschel - 34,4 km

Schon heute Nacht musste ich schmerzhaft erkennen, das ich wohl am Tag zuvor meine Schuhe nicht ordentlich geschnürt hatte und das sich beim ständigen bergab laufen ein Zehnagel blau gefärbt hat. Nachdem ich den Zeh liebevoll verpackt und ihm gut zugeredet hatte, bekam ich den Schuh dann unter Schmerzen an.
Und dann der Hammer!!! Gleich zu Beginn geht es auf den Großen Inselsberg. Von 727 Metern bis 916,5 Metern und das bei 1,3 km. Hier ist wohl keiner der Teilnehmer gelaufen, Aber auch schon beim gehen dachte ich, mir springt das Herz heraus. Ich bin so einen Berg ja noch nicht einmal gewandert. Und vor uns lagen noch über 30 km.
Und dann das Wetter! Nieselregen und Nebel. Ich irrte wie ein blindes Huhn auf der Suche nach den weißen "R"s durch den Wald. Erst nach 19 km wurde es dann besser.
Ein wenig merkte man doch allen die vielen Kilometer der Woche an. Ich hatte ab Km 26 dann doch mächtig zu tun und konnte einige Zeit nur gemächlich vor mir hertrotten. Einen Kilometer vor dem Ziel hatte ich mich wieder gefangen und hätte noch weiter laufen können.
Aber 34,3 km und 650 Hm reichen wohl auch. Geschafft!!!


Nach einer sehr langen heißen Dusche geht dann die Feierei schon im Hotel los. Bei einem Glas Wein und Bier wird lauthals die Tour ausgewertet, werden schöne und schwere Momente noch einmal ausgetauscht und die Woche noch einmal Revue passieren gelassen, dieser oder jener durch den Kakao gezogen

Abends dann die Siegerehrung. Ich habe den zweiten Platz bei den Frauen errungen mit einer Gesamtzeit von 21 Stunden. Da kommen dann die Tränen, Freudentränen. Und wir feiern bis nachts um 3 Uhr.

Am Sonntag treffen wir uns um 9 Uhr an der Werra zu einem Gruppenfoto und wir werfen unseren Stein ins Wasser. Mir hat er Glück gebracht. Und ich werde im nächsten Jahr, wie so manch anderer wieder an den Start gehen, wenn der Rennsteig ruft!

Etwas wehmütig verabschieden wir uns und es geht nach Hause.
Eine sehr, sehr schöne unvergessliche Woche liegt hinter uns. Mir bleibt nur noch Danke zu sagen. Danke an die tollen Betreuer, die uns unermütlich versorgten und verwöhnten und dieses Abenteuer so gut organisierten. Danke an die netten Hotel- oder Pensionsbewirtungen. Und letzendlich Dank an meinen "Trainer", der mich an 4 Tagen begleitete und aufpasste, dass ich alles richtig machte und im richtigen Pulsbereich lief, der mir zeigte, wie ich effektiv die Berge hoch und runter laufe.

So: 2,522 km zum auslaufen dann am Abend.

Kommentare

Ich kann diesen Lauf nur sehr empfehlen. Der Georg wird Dir das sicher auch bestätigen. Da musst Du einfach einmal mitlaufen Traudl. Eine herrliche Landschaft, alles super organisiert und liebevoll betreut. Und vor allem mit großem Spaßfaktor.

Tja, mein Zeh puckert nun nicht mehr, sondern fühlt sich irgendwie betäubt an. Hoffentlich fällt der Zehnagel nicht ab. Das blau muss ich halt nur übermalen ;-)

hallo dschinnie, das ist ja mal ein schöner Bericht- macht Lust am mitlaufen... wie geht es denn deinem Zeh??

Liebes Grüßle traudl

 

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