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Mein erster Marathon

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Ich stehe am

Start. Vor mir ein älterer Herr, der das 60. Lebensjahr lange überschritten

hat, hinter mir ein junger Mann, der jetzt schon völlig ungeduldig ist und

immer noch daran zweifelt, ob er hier in dieser Gruppe richtig ist. Einige Zeit

vergeht, dann fällt auch für uns der Startschuss für den 33. real Berlin

Marathon der Inline-Skater.



Es geht los.

Als Gruppe schieben wir uns langsam über die Startlinie und dann nehmen wir an

Fahrt auf. Neben uns sausen die guten Fahrer davon. Schon nach kurzer Zeit

haben wir die Siegessäule erreicht. Als wir um die Kurve fahren reißt das erste

Mal die Gruppe an mehreren Stellen auseinander. Wie eine Ziehharmonika werden

die so entstandenen Lücken immer wieder geschlossen und an anderer Stelle entstehen

neue. Mir passiert das natürlich auch mehrmals. Schnell stelle ich den Grund

dafür fest: ich verliere meinen Vordermann und  muss deshalb etwas schneller werden um wieder am

Feld anzuschließen. Ich bin aber auf einmal viel zu schnell für den älteren

Mann vor mir. Wie bereits am Vormittag eingeübt lege ich meine Hände an seinen

Rücken und schiebe ihn ein bisschen. Ich lasse mich rollen. Über eine gewisse

Distanz gelingt es mir mich wieder halbwegs in der Gruppe einzufinden. Wir

fahren aber sehr unregelmäßig: mal werden wir schneller, dann müssen wir wieder

abbremsen. Dadurch reißen immer wieder neue Lücken ein. Ich werde wieder

schneller um noch aufzuholen. Mich beschleicht so langsam das Gefühl dass ich

den Marathon so nicht schaffen kann, dafür werden meine Kräfte einfach nicht

reichen.



Wir sausen

am Ernst-Reuter Platz vorbei und biegen in die Marchstraße ein.  Wir überqueren zwei Brücken und da passiert

es, gerade mal vier Kilometer nach dem Start: Bei der Abfahrt von der Brücke gehe

ich in die Knie, so wie ich es sonst bei Abfahrten auch immer machen, ich werde

aber für alle meine Mitfahrer viel zu schnell. Ich ziehe ein Stück aus der

Gruppe raus und schiebe das kurveninnere Bein nach vorn um die Kurve zu

meistern. Das Tempo ist zu hoch und der Kurvenradius zu klein, deshalb rase ich

mit voller Geschwindigkeit geradewegs auf eine Verkehrsinsel zu, die voller

Zuschauer ist.  Ich stürze ziemlich unsanft.

Zum Glück bin ich aber auf dem einzig freien Fleckchen gelandet, das nicht von

Menschen bevölkert ist. Entgegen aller gelernten Falltechniken lande ich auf

dem Hintern, kann aber durch meine Schützer noch das Schlimmste verhindern.

Statt einen Gedanken an den schmerzhaften Sturz zu verlieren, springe ich panisch

auf und habe bereits meine Gruppe aus den Augen verloren. Ich sprinte sofort

los, denn ich will sie nicht verlieren. Ein paar Meter weiter steht einer der Guides,

der die Truppe begleitet. Er sammelt mich wieder ein, fragt nach meinem

Befinden und beruhigt mich erstmal. Zusammen skaten wir wieder gemeinsam an die

Gruppe heran. Ich bin froh.



Meine Kräfte

sind aber schon stark aufgezehrt. Die Gruppe teilt sich ab Kilometer Zehn

endgültig in zwei Teile auf. Ich fahre jetzt mit denen, die genauso wie ich

Probleme haben mit dem Tempo mitzuhalten. Eine Weile geht das gut, dann habe

ich das Gefühl, dass meine Kräfte am Ende sind.





Rückblick: Es ist Juli 2006. Ich beschließe,

mehr für mich zu tun und mich endlich regelmäßig zu bewegen. Inline-Skating ist

da ideal, weil es mir ‘ne Menge Spaß macht. Ich möchte aber auf ein Ziel

hinarbeiten, also melde ich mich eines Morgens völlig übermotiviert zum

Marathon an, mit dem festen Vorsatz natürlich, mich auch regelmäßig darauf

vorzubereiten. Es sind noch zwei Monate Zeit.



 



Die Tage und Wochen verstrichen und das

bisschen Vorbereitung war ziemlich kläglich. Ich gehe also äußerst

unvorbereitet in diesen Marathon.



 



Es ist Ende September. Nur noch ein Tag bis

zum Marathon. Ich bin schon jetzt ganz aufgeregt und mich nagen Zweifel ob ich

das überhaupt schaffen kann, denn schließlich bin ich in der Vorbereitung nie

mehr als 21km gefahren. Ich finde im Internet einen Artikel über die

Marathon-Guides. Hier kann man mit anderen in einer Gruppe einem bestimmten Zeitziel

entgegenfahren und wird dabei begleitet. Es gibt verschiedene Gruppen, ich

suche mir die langsamste heraus, die in zwei Stunden das Ziel erreichen will.

Glücklicherweise kann ich mich auf der Messe im Vorfeld des Marathons noch bei

ihnen anmelden. Ich bin jetzt glücklich diese Herausforderung nicht alleine

meistern zu müssen.



 



Es ist Samstag. Heute ist Marathon-Tag. Der

Start ist erst am späten Nachmittag. Morgens beim Frühstück bekomme ich aber

schon nichts mehr runter. Mich plagen Gewissensbisse. Ich hätte mich da einfach

besser drauf vorbereiten sollen. Nach dem Frühstück packe ich meine Sachen und

fahre zum Tiergarten. Alles ist schon aufgebaut für den großen Lauf. Heute

starten wir, Morgen die Läufer. Alles ist voller Buden, Menschen, Skater und

das Wetter zeigt sich heute von seiner schönsten Seite. Ich treffe mich mit

meiner Gruppe. Wir lernen uns erstmal alle kennen und fahren auf einer ruhigen

Straße mehrere Testläufe, um das Laufen in der Gruppe und damit auch im

Windschatten zu üben. Keiner von uns hat das bisher gemacht. Aber zumindest stürzt

keiner und am Ende klappt es ganz gut. Nach einer Stunde Testlaufen trennen wir

uns  und treffen uns erst beim Start

wieder.





Wir erreichen

gemeinsam Kilometer 15. Ich merke wie ich zunehmend langsamer werde und

verabschiede mich hier an dieser Stelle von meiner Gruppe. Ich möchte nicht

länger Ballast für sie sein. Ich will mich jetzt alleine durschlagen. Ich fahre

ein bisschen langsamer und bereits nach einer Stunde habe ich die

Halbmarathondistanz hinter mir gelassen. Jeder einzelne Kilometer der jetzt vor

mit liegt ist eine Qual. Ich bin konditionell total am Ende. In meinem Kopf

spielen sich tausend Szenarien ab. Ich denke ständig ans Aufgeben, dann sage

ich mir immer wieder, dass ich jetzt nicht aufgeben kann: ich bin doch schon so

weit gekommen. Langsam beginnt mein Rücken zu schmerzen und immer öfter lasse

ich mich einfach rollen. Ungefähr bei Kilometer 30 spricht mich eine junge

Skaterin an, die gerade dabei ist mich zu überholen. Sie fragt mich, ob mit mir

alles ok ist und ob das mein erster Marathon wäre. Ich bejahe. Sie bietet mir

an, in ihrem Windschatten zu fahren, damit ich Kraft sparen kann. Ich nehme

dankend an. Sie fährt ein sehr beschauliches Tempo, nicht zu schnell. Ich kann

trotzdem nicht mehr mithalten und muss sie ziehen lassen. Langsam kämpfe ich

mich weiter und weiter vor. Die Zuschauer am Rand rufen motivierende Dinge zu,

die noch mal ein bisschen Kraft geben. Knapp drei Kilometer vor dem Ziel muss

ich nochmal den kleinen Anstieg einer Brücke bewältigen. Ich bleibe fast stehen

und hab Angst rückwärts wieder runter zu rollen. Aber auch da kämpfe ich mich

hoch. Schon bald bin ich auf der Straße Unter den Linden – auf der Zielgeraden.

Das Brandenburger Tor mit dem Kilometer 42 ist schon in Sicht. Ans Aufgeben ist

nicht mehr zu denken. Ich nehme neben mir kaum noch was wahr und arbeite mich

immer weiter zum Ziel vor. Ich passiere das Brandenburger Tor. Mir ist zum

Heulen zumute. Ich kann nicht mehr und rolle mit 2 Stunden und 28 min einfach

nur noch über die Ziellinie. Ich bin total glücklich will mich aber auch keinen

Meter mehr weiterbewegen. :)



 
Icon_missing_medium Jan 37 Beiträge


Na dann bist du ja genau die richtige Kandidatin für eins der “Tickets” zum x-Marathon. 4 Wochen vorher bist Du ja dann noch schlechter vorbereitet als letztes Jahr, wo Du angemeldet warst. ;)



…aber Du hast ja offensichtlich schon Erfahrung im selbst quälen. :)



Viel Erfolg!!!



 
Nici_medium nici 5 Beiträge


Keine Sorge, dieses Jahr bin ich besser trainiert. Seit meinen Erfahrungen im letzten Jahr bin ich auch regelmäßig dabei. :) Das passiert mir nämlich kein zweites Mal.



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