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Chicago-Marathon 12. Oktober 2014

Abonniere Chicago-Marathon 12. Oktober 2014 1 Beitrag, 1 Stimme , Tagged: lauft in Chicago es ist der Wahnsinn

 

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Der Chicago-Marathon am 12. Oktober 2014

Um 5.30 Uhr klingelte der Wecker. Draußen war es noch dunkel. Der beleuchtete Willis-Tower war von unserem Apartment gut zu sehen. Gegen 6 Uhr wurde gefrühstückt. Es gab sogenannte Quäkerflocken, eine Art Haferflocken, mit Milch und Banane. Um 6.40 Uhr verließ ich das Apartment. Im Fahrstuhl traf ich eine Läuferin Namens Nadja. Sie kam gebürtig aus Südafrika. Wie ich es verstand, kam sie am Tag zuvor aus New York. Sie hatte dort Freunde gehabt. Voller Stolz erzählte sie mir, dass sie heute ihren 3. Marathon läuft und dass sie sehr aufgeregt sei. Wir gingen schnellen Schrittes die Washington Street hinunter und zwischendurch fragte sie mich, wie oft ich schon Marathon gelaufen wäre. Ich sagte: Fourty Nine. Und sie: wie bitte? Ja, sagte ich, dass stimmt. Wir klatschten uns ab und wünschten uns weiterhin viele schöne Läufe. Am Ende der Straße bogen wir rechts in die Chicago Avenue ein. Nadja musste zum Gate 2 und ich musste weiter in Richtung Buckingham Fontaine. Kurze Umarmung und Glückwünsche und jeder ging seinen Weg. Am Horizont ging die Sonne auf.  Der Bereich um den Springbrunn war großräumig abgesperrt. Zum Gate 3 wurden für die Läufer mehrere Gassen gebildet. Diese waren mit Absperrgitter unterteilt so dass sich alle Läufer einreihen mussten. Sehr starke Präsenz von Polizei, Armee und anderen Sicherheitsbeamten. Ein Polizist ging mit einem Spürhund die seitliche Gasse entlang. Der Hund war sehr diszipliniert und untersuchte alles sehr gründlich. Trotz des großen Andrangs ging es relativ schnell durch die Kontrollen. Um 7.30 Uhr ging ich in ein großes Zelt wo mich umziehen konnte. Wie immer trug ich mein Berlin-Marathon-Shirt und darunter noch ein weißes Langarmshirt. Meine Deutschlandmütze mit den Pins von Beatles und den Blues Brothers waren mit dabei. Am rechten Unterarm befestigte ich die amerikanische und am rechten die Deutschlandfahne. Die Startnummer lautete F 23202. Meinen durchsichtigen Kleidersack konnte ich beim Blue Gear abgeben.  Danach ging ich zu meinem Startblock F und konnte mich um 7.45 Uhr dort mit den anderen einreihen. Neben zahlreichen Ansagen erklang kurz vor dem Start um 8 Uhr die amerikanische Nationalhymne, gesungen von einer mir unbekannten Sängerin. War sehr gut. Dann fiel der Startschuss und um 8.05 Uhr betrat ich die Startmatte. Ein kurzer Blick zurück zum Grand Park wo sich die restlichen Massen in Bewegung setzten.    

Zum Glück war es windstill. Die Sonne schien und es war so um die 6 Grad. Von meiner Frau Ingrid hatte ich noch Handschuhe bekommen.  Das war angebracht. Der große Tross setze sich in Bewegung. Die Stimmung und mein Feeling waren einfach großartig. Die Kulisse in und um den Grand Park ist einfach überwältigend. Es ging dann unter einer riesigen Brücke weiter zum Columbus Drive. Die Brücke über den Chicago-River war teilweise mit Matten ausgelegt denn man lief ansonsten über grobmaschige Gitterroste. Nach ca. einer Meile waren wir auf der Grand Ave. Dann bogen wir wieder nach links in die State Street ein. Überall war bereits Publikum dass die Läufer lautstark anfeuerten. In Höhe des Wacker Drives überquerten wir zum zweiten Mal den Chicago River.  Jetzt befanden wir uns im Loop und liefen in Richtung Jackson Blvd. Da wieder eine Rechtskurve und wir waren auf der LaSalle Street. Ca. 8.30 Uhr traf ich dann Ingrid. Sie stand an der Ecke LaSalle-/Washington Street,  unweit von unserem Apartment. Wir ließen uns zusammen fotografieren. Mit vielen Küsschen ging es immer weiter die LaSalle Street in Richtung Norden.  Das Hardrock-Café Chicago konnte ich in einer Querstraße sehen. In Höhe Lincoln Park kam ich an einer Band vorbei, die „The Beatles Ensemble“ hieß. Auch hier musste ich mal anhalten und ein paar Fotos machen. Es war schwierig jemanden zu finden der mich fotografieren konnte, aber schließlich fand sich doch jemand. Mit Beatlessongs im Ohr ging es durch den schönen Lincoln Park. Teilweise konnte  man in Richtung Michigansee gucken. Am Ende der LaSalle-/Addison Street stand eine drei Mann Band und spielte Songs von U 2. Einfach Klasse. Nun lagen mir Songs von U 2 im Ohr. Auch gut. Auf der langen Clarkstreet, sich die vom Norden nach Süden  erstreckte, sah in der Mitte der Straße eine große Bühne mit einem Elvis-Imitator. Der sah optische dem King of Rock`n Roll sehr ähnlich, stimmlich war er auch super. Jetzt kamen mir also Songs von Elvis in den Sinn. Beschwingt konnte man so ohne weiteres weiter laufen. Bei Meile 10 kamen wir in Oldtown an. Hier waren noch richtige Vororthäuser sichtbar. Alles sehr gepflegt und hübsch anzusehen.  Nach der Meile 12 überquerten wir zum dritten Mal den Chicago River und liefen dann in Richtung Franklin Street weiter. Bei KM 20 stand Ingrid. Nun war es um 10 Uhr und es ging mit sehr gut. Der nächste Treffpunkt wurde besprochen und bestätigt.  Meine Halbmarathon-Zeit betrug 2:06:20. Normalerweise bin ich fast 8 Minuten schneller. Aber egal. Nun ging es rechts auf die Adamsstreet und zum vierten Mal über den Chicago-River. Die Adamsstreet erstreckt sich in Richtung Westen über das Griechische Viertel bis weit zum Chicago-Center. Das Viertel ist unspektakulär aber die griechischstämmige Bevölkerung machte ordentlich Stimmung. Ein „Kalimera“ war hier sehr willkommen. Vor dem Chicago-Center musste ich mich fotografieren lassen. Hier spielte 1976 schließlich Paul McCartney mit seinen Wings. An der Damenave. bogen wir links ab und kamen dann auf den lange Jackson Blvd. Zwischen Meile 16 und 17 kamen wir auf die Halsted Street. Bei Meile 18, der Taylor Street,  ging es durch Little Italy. Komischerweise erinnert hier einem nichts an Italien. In der Ashland Ave. sah es wie in einem Gewerbegebiet aus. Dieses Viertel war aber Mehrheitlich in der Hand von Mexikanern. Hier lag das Südamerikanische Temperament in der Luft.  Kurz hinter KM 30 traf ich Ingrid. Jetzt merkte ich, dass meine Kraft so langsam  nach lies. Vor allem aber wurde ich hungrig. Eine Mexikanerin gab mir ein Bananenstückchen. Aber bei einem sollte es nicht bleiben. Frisch gestärkt und mit vielen lieben Küsschen ging es dann weiter durch dieses lebhafte Viertel. In der 18. Straße stand ein Mexikaner mit einer Mexikanischen Flagge und an dieser Flagge war ein Wasserschlau festgebunden. Genussvoll ließen sich einige Läufer mit dem frischen Nass bespritzen. Nun waren wir in Pilsen aber vom Tschechischen Bier keine Rede. Nach einer Meile liefen wir dann wieder auf die Halsted Street. An Meile 21 ging es in Richtung China Town. Das kam mir bereits bekannt vor denn wir waren nach der Startnummernausgabe durch China Town gegangen. Hier war die Stimmung noch grandioser. Vor dem Tor zu China Town rekelte sich ein Chinesischer Drache. Die Wentworth Ave. zog sich quer durch China Town.  Nun zählte ich jeden Kilometer und hoffte bald im Ziel zu sein. Doch bis dahin war es noch ein weiter Weg. Auf der State Street liefen wir ein kleines Stück auf der 35. Straße und waren dann auf der endlich auf der Michigan Ave. Ein Mann mit einem Schild „Pain now, beer later“ stach mir ins Auge. Die „Pain“ hatte ich schon lange aber gegen ein Schluck Bier hätte ich nichts einzuwenden gehabt. Die Beine wurden immer schwerer und eine Gehpause nach der anderen musste ich einlegen. Um die KM 40 gab es hinter einem Wasserstand Livemusik. Hier hörte man überwiegend Rap-Music, passt auch zu Gap, denn so heißt hier das Viertel. Papa-Schlumpf mit dunkler Hautfarbe versuchte mich weiter zu motivieren. Er sah super Klasse aus und war unwahrscheinlich sympathisch. Ab hier trieben einen die Massen in Richtung Ziel. Unglaublich was da für eine Stimmung herrschte. Es kam mir so vor als ob die Straße im breiter wurde. Aber sie nicht breiter sondern länger denn das Ziel war immer noch nicht in Sicht. An einer Kreuzung wurde die Straße etwas schmaler und mein Blick ging fast nur noch Richtung Fahrbahn. Irgendwo wollte Ingrid vor dem Zielbereich stehen. Sie stand auch dort und schrie sich fast die Seele aus dem Leib aber ich hatte sie weder gesehen noch gehört. Der Lärm der anderen übertönte alles. 14 Tage zuvor war ich in Berlin gelaufen und die Beine wurden schwer wie Blei. Die 41 KM waren geschafft und wir mussten dann nach rechts abbiegen in die Roosevelt Road und über eine langgezogene Brücke laufen. Diese leichte Steigerung gab mir den Rest. Ich beschloss zu gehen denn meine Kräfte waren am Ende. Hier gab es dann auch keine Zuschauer mehr denn es war alles abgesperrt. Jetzt noch eine Linkskurve und dann war das Ziel am Columbus Drive zu sehen. Auf den Tribünen links und rechts der Fahrbahn tobten die Zuschauer und trieben uns Läufer bis zum Zielbereich. Natürlich musste ich noch vor dem Zieleinlauf jemanden meine Kamera in die Hand drücken damit er mich mit dem Ziel ablichtet. Nach 4:48:43 Stunden war dann alles überstanden. Ich war total geschafft aber glücklich. Die Medaille sah super aus. Links und rechts gab es die Versorgungstände und wir wurden aufgefordert, nicht stehen zu bleiben sondern weiter in Richtung Buckingham Fontaine zu gehen. Ein Stand mit Goose-Bear war mir dann sehr willkommen und ich suchte nach einem gemütlich Plätzchen für mich und meinem Bier. Aber es gab nichts und somit musste ich dann weiter gehen. An mehreren Ständen gab es Plastiktüten mit Getränken, Energieriegeln und Infomaterial.  Irgendwie gelangte ich dann zu der Kleidersackausgabe. Vor dem Zelt war noch eine Sitzbank und ich konnte mich langsam umziehen.               

Von ca. 45 000 Teilnehmern hatte ich den Gesamtplatz 26076 erreicht. In meiner Altersklasse immerhin der 774 Platz.

Fazit: Von Anfang bis Ende tolle Stimmung, viel Musik und eine flache Strecke.

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