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Der StrongmanRun 2009 in Weeze ... oder wie ich die Welt erobere... Teil 2 – Das Ende!!

Von movieZone am 12.02.2009

Der StrongmanRun 2009 in Weeze ... oder wie ich die Welt erobere... Teil 2 – Das Ende!!

Es ist schon erstaunlich. Man überquert das erste Mal die Ziellinie, wird frenetisch gefeiert und produziert jede Menge Adrenalin und Glückshormone. Ein Gefühl, dass einen über die gesamte Restdistanz bringen sollte, meint man. Doch kaum lässt man das Publikum hinter sich, scheint alles im Körper zusammen zu brechen. Die Qual beginnt von Neuem – noch knapp 8,5 Kilometer, 17 Hindernisse, Kälte, Schmerz, Demütigungen und absolut keinen Bock mehr. Doch da muss ich jetzt durch – ich darf einfach nicht aufgeben. Die ersten beiden Shelter sind schnell geschafft und ich rede mir ein, dass ich das Schlimmste hinter mir habe. Doch weit gefehlt, denn bevor ich dazu komme mir weiteren Mut einzureden sind vier weitere dieser Dinger zu bewältigen. Neuen Optimismus bekomme ich durch die vier abgefetzten Typen am Streckenrand, die mittlerweile aufgegeben haben. „Ich nicht“ denke ich und mache mich auf zur „Dangerzone“, wo mich einmal mehr vier größere mit Matsch und Rasen-bedeckte Hügel erwarten. Wie in der ersten Runde falle ich auch diesmal auf die Fresse. Diesmal rutsche ich allerdings nicht aus, sondern breche einfach saft- und kraftlos zusammen. Und wie auf Bestellung sind die vier Mädels mit dem rettenden Flachmann zur Stelle.

- Frisch gestärkt mache ich mich auf zur nächsten Prüfung, der Druckkammer, in der ich aufgrund des schrägen Gesanges des besoffenen Mädchen-Quartetts, der Versuchung stehen zu bleiben, widerstehe und stur weiterlaufe. Auch die zwei nun folgenden Kilometer können mich auf dem Weg zum Gesamtsieg nicht aufhalten. Als ich den Reifenparcours dann erreiche wird mir kotzübel. Ich hätte heute früh doch etwas essen sollen. Und vielleicht war der halbe Flachmann eben auch etwas zuviel. Ich taumele über die Reifen, was aber nicht auffällt, da sich die anderen Teilnehmer auf diesem Untergrund auch nicht eleganter bewegen. Das anschließend zu bewältigende Spinnennetz bringt mich dann entgültig an meine Grenzen, denn ich kann das Gleichgewicht kaum noch halten. Zwar verheddere ich mich diesmal nicht, dafür robbe ich im Schneckentempo über das Geflecht, wofür ich mir den Zorn der Konkurrenz zuziehe. Zwar lasse ich dieses Hindernis schneller als in Runde 1 hinter mir, dennoch kann ich nicht verhindern, dass die Raupe und etwa 200 weitere Teilnehmer mühelos an mir vorbei ziehen. Gerade als ich denke, dass es nicht schlimmer werden kann, steht „Bifröst“ auf dem Programm. Ich kann nicht mehr, mir ist schlecht, kalt, ich bin deprimiert und habe keine Motivation und nun überholen mich auch noch Martin und Andre. Meine beiden Teamkollegen, die die Strecke „einfach nur mal machen“ wollten, sich im Gegensatz zu mir ganz hinten am Start aufgestellt haben, quasi keine Vorbereitung hatten und nur ein bisschen Spaß haben wollten!
Die aufmunternden Worte „Komm, Du schaffst das“ und „sollen wir Dir helfen?“ treiben mir die Zornesröte ins Gesicht. In meinen Gedanken drücke ich den einen tief in den Morast, während ich den anderen auswringe. Dennoch lasse ich mir von den beiden gern über das riesige Hindernis helfen, denn „danach mache ich sie platt!“ denke ich, während mir die Adern vor Wut aus dem Hals zu platzen drohen.

- Nun stehen erneut die Kniebeuger an. Zwar spüre ich den feinen Kies und den reibenden Sand in meinen Wunden nicht, als ich mich auf Knien durch das Hindernis kämpfe, dafür koche ich weiter vor Wut. Martin und Andre sind ca. 50 Meter vor mir. Sicher machen sie sich gerade lustig über mich und freuen sich, dass sie es mir so richtig zeigen können. „Aber nicht mit mir" denke ich und steuere auf die „Schiefe Bahn“ zu, die sich für meine beiden neuen FEINDE leider als keine große Herausforderung zeigt. Und gerade als ich denke, dass ich langsam wieder warm werde, werde ich von der Realität eingeholt, denn inmitten des „Matsch Pitt“ robbt das Raupen-Fünfer-Pack wieder einmal unwiderstehlich an mir vorbei. Ich schwimme förmlich durch den mittlerweile fast flüssigen Matsch. Unter meiner Kleidung vermischen sich Schweiß, Sand, feiner Kies, Matsch und Blut zu einer sich langsam verkrustenden Einheit und lassen mich von Schritt zu Schritt unbeweglicher werden. Und jetzt steht auch noch das eiskalte „Loch Nass“ an: Nach nur wenigen Metern bin ich stocksteif gefroren, werdevon einzelnen Läufern überholt und bin am Ende meiner letzten Kräfte. Ich hoffe auf die vier Damen mit ihrem Wunder-Elexier, doch meine Gebete werden nicht erhört. Das Wasser ist zwar gerade einmal einen knappen Meter hoch, doch nun erfasst mich eine Bugwelle von hinten, die mich wissen lässt, dass nun auch der 120-Kilo-Koloss zum Überholen angesetzt hat. Ich lasse es über mich ergehen, schließlich habe ich eh keine Chance und finde mich wenige Sekunden später platt gedrückt an der Seitenwand wieder. Zwei Rettungstaucher kommen mir zu Hilfe und kratzen mich von der Wand ab. „Habt ihr Schnaps dabei?“ höre ich mich brüllen, als ich mich wild fuchtelnd aus ihren Armen befreie, um meinen Weg fortzusetzen.

- Jetzt geht es in die Sandwüste. Ich falle mehrfach hin, fühle mich wie ein fettes, mariniertes und paniertes Schnitzel und kann mich kaum auf den Beinen halten. Ich drehe mich um. Hinter mir befinden sich etwa noch 50 – 60 Läufer, die glücklicherweise auch keinen besseren Eindruck hinterlassen. Ich bin kurz vor dem Aufgeben. Nur der Gedanke „Zum Glück gibt`s hier keinen Besenwagen“ zwingt mich zum weitermachen. Ich denke an Olli Kahns Worte „Weiter, immer weiter!“ und frage mich was der wohl geraucht hat. "Einen Fisch?" Egal, es sind nur noch fünf Hindernisse, die sollten doch zu schaffen sein.

- Von Laufen kann jetzt keine Rede mehr sein. Auch wenn die Umwelt nur so an mir vorbei zu rauschen scheint, bewege ich mich kaum vom Fleck. Dies wird mir spätestens bewusst, als eine Horde dicker Frauen an mir vorbei spaziert und sich freut, noch einen Läufer hinter sich gelassen zu haben. Und jetzt steht auch noch der „Golf von Weeze„, also noch einmal Schwimmen an. Ein Gutes hat es ja, denn prompt werde ich gefühlte 15 Kilo leichter. Die Panade verflüchtigt sich, doch jetzt wird es kalt und ich weiß was meine Mutter damals mit „Dreck hält warm“ gemeint hat. Noch bevor ich mich dann aufwärmen kann, geht’s zur nächsten Schwimmeinheit in den „Canale Grande“: Hier kämpfe ich mich dann auch wieder an den Frauen vorbei und versuche mich durch Bewegung warm zu halten. Das gelingt zwar, dennoch werde ich immer schwächer und kämpfe mich „The Rock“ hoch. Nie hätte ich gedacht, dass es so schwer sein könnte durch tiefen Sand zu stampfen und breche noch vor der Spitze zusammen. Mein Mund füllt sich mit dreckigem Sand durch den schon tausende Läufer gestapft sind, vielleicht hinein gespukt haben oder wer-weiß-was veranstalteten. Pahh, fürchterlich. Noch während ich vor mich hinspuke kündigen sich sie ewig labernden Weiber durch lautes Gegröhle an, die mich auf keinen Fall noch einmal überholen dürfen. Und das tun sie auch nicht, denn jetzt geht es bergab. Ich purzele den Hügel hinunter, weiß nicht wo ich bin oder wie mir geschieht, doch ich bin schnell unten. Ich rappele mich auf und versuche weiter zu laufen. Jetzt spüre ich meine Wunden wieder. Nachdem meine Knie dem Dreck, Kies und Staub getrotzt haben, scheint es nun der schimmelige Sand zu sein, der seinen Tribut in Form entzündeter Knie einfordert.

- Und jetzt auch noch das: „Die Wanne“ fordert ein weiteres Mal meine Schwimmkünste. Jetzt werde ich entgültig zum Eisblock. Kann mich kaum noch bewegen und beginne zu zittern wie Espenlaub. Ich bin komplett am Ende meiner Kräfte. Nur die sich noch immer knapp hinter mir befindlichen dicken Tanten halten meinen Lebenswillen aufrecht. Wie ein ferngesteuerter Roboter steige ich aus dem eiskalten Nass und hüpfe mehr als ich laufe auf die letzte Herausforderung zu. Drei Meter hohe Strohballen-Barrieren wollen nun überwunden werden. Schon an der ersten Hürde haben die Frauen aufgeschlossen, können mich aber nicht überholen, da ich mich einfach zu breit mache. Das gleiche Bild zeigt sich am zweiten Hindernis, wobei die Damen dieses nach dem ersten Fehlversuch auslassen und neben den Hindernissen weiterlaufen. „Beschiss!“ Schreie ich den dort stehenden Ordnern zu und bin außer mir vor Wut. Durch diesen Adrenalinschub beflügelt, rase ich auf das Ziel zu und überhole die Fastfood-Truppe nur wenige Zentimeter vor dem Ziel. Dort angekommen breche ich dann bewusstlos zusammen und komme erst wieder zu mir, als ich das Öffnen einer Bierflasche höre und Andre und Martin mir fröhlich zuprosten. Nach zwei Nächten, die ich mit brennenden Wunden, Schüttelfrost und einem gebrochenen Ego verbracht habe, erkundige ich mich im Internet nach meiner Platzierung. Und siehe da: Von 7500 Startern kommen 6784 ins Ziel. Ich bin 6112ter und stolz wie Oskar. Immerhin habe ich 672 Leute locker hinter mir gelassen – und 2010 will ich in die Top 10!

Kommentare

klasse Bericht- als ob man selbst gelaufen wäre- Gänsehautfeeling!!!! so wie du das beschrieben hast, schaffst du das locker 2010 in die Top 10 :))))

viel ERFOLG wünscht dir

Traudl

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