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Neue Regierungs-Kampagne: „Mehr Sport treiben und gesünder essen" - unter diesem Leitmotiv steht die Initiative der Bundesregierung, die zu einer großflächigen Kampagne zur Förderung von mehr Bewegung und besserer Ernährung aufruft.

Von mspnews am 16.05.2007

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und Verbraucherschutzminister Horst Seehofer präsentieren das Eckpunktepapier "Gesunde Ernährung und mehr Bewegung".

Auf breite Zustimmung stieß dabei die Kernforderung von Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) und Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), dem Schulsport einen höheren Stellenwert einzuräumen. Seehofer wies darauf hin, dass in den letzten 40 Jahren der an sich notwendige Kalorienverbrauch bei Männern um 40 Prozent und bei Frauen um 30 Prozent zurückgegangen sei. „Unsere Ernährung hat sich diesen reduzierten Anforderungen jedoch nicht angepasst“, betonte er.
Schon im Kindesalter müsse Vorbeugung gegen Wohlstandskrankheiten im Mittelpunkt stehen: Die Zahl der übergewichtigen und fettleibigen jungen Leute habe sich im Zeitraum von 1985 und 1999 verdoppelt.

70 Milliarden Euro jährlich für Krankheiten durch Übergewicht

Etwa 37 Millionen Erwachsene sowie zwei Millionen Kinder und Jugendliche sind nach Regierungsangaben übergewichtig oder sogar fettleibig. Schon heute verursachen die Folgen Krankheitskosten in Höhe von schätzungsweise 70 Milliarden Euro im Jahr; hinzu kommen hohe volkswirtschaftliche Ausfälle durch vermehrte Krankheitstage und verringerte Leistungsfähigkeit. Daher hat sich die Bundesregierung mit ihrem Eckpunktepapier „Gesunde Ernährung und Bewegung – Schlüssel für mehr Lebensqualität“ das Ziel gesetzt, bis 2020 das Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Deutschen zu verbessern, die Zunahme von Fettleibigkeit bei Kindern zu stoppen und die Verbreitung von Übergewicht deutlich zu verringern.
Zehnjährige mit Altersdiabetes, Fünfjährige mit Herzinfarkt, ABC-Schützen mit deutlichen motorischen Defiziten (sie können zum Beispiel nicht rückwärts gehen), und 18-Jährige mit fortgeschrittenen Muskelskeletterkrankungen, die eine Erwerbsunfähigkeit begründen: Diese und andere erschreckenden Fakten wurden in der Debatte genannt.

Ministerin Ulla Schmidt unterstrich bei der Vorstellung der Programmsätze: „Mehr Bewegung ist der Schlüssel für mehr Lebensqualität in jedem Alter." Weiter erklärte die SPD-Politikerin: „Ausgewogene Ernährung und Bewegung müssen in allen Lebensbereichen praktiziert werden – im Kindergarten und in der Schule, im Betrieb und in Senioreneinrichtungen. Der Schulsport darf nicht als Stiefkind behandelt werden. Vielmehr müssen wir Gesundheitsförderung und Bildung besser verzahnen. Dies wird uns nur gelingen, wenn wir Gesundheitsförderung und Prävention als einen gesellschaftlichen Wert verankern."

Bundesländer sollen über Förderung körperlicher Bewegung beraten

Parallel zu der Regierungsinitiative haben sich die Koalitionsfraktionen und Bündnis 90/Die Grünen dafür eingesetzt, dass sich die Bevölkerung besser ernährt und durch mehr Bewegung Übergewicht verhindert wird. Im Antrag von Union und SPD wird die Bundesregierung u.a. aufgefordert, „die Motivation der Bevölkerung, sich mehr zu bewegen und häufiger und regelmäßig Sport zu treiben, durch verständliche, zielgruppenorientierte Kampagnen zu stärken, und das Bewusstsein für Sport, Bewegung und gesunder Ernährung als Instrument zur Prävention nachhaltig zu erhöhen“.
Mit den Bundesländern sollte beraten werden, „wie im vorschulischen, schulischen und außerschulischen Bereich mehr körperliche Bewegung gefördert werden kann“. Besonders in Ganztagsschulen müssten qualitativ gute Bewegungsmöglichkeiten geschaffen werden und „die tägliche Sportstunde mittelfristiges Ziel“ sein. Weiter heißt es: „Der Sportunterricht sollte durch ausgebildete Sportlehrerinnen und Sportlehrer erfolgen und einen Mindestumfang von drei Schulstunden pro Woche umfassen.“

Der Gesundheits- und Breitensport sollte umfassender als bisher gefördert werden – so positionierten sich die Grünen in ihrem Antrag auf sportpolitischem Feld. Die Bewegungserziehung sollte in den Schulalltag eingebaut werden, heißt es: „Dabei sollen Netzwerke unterstützt werden, in denen die Sportorganisationen, freien Träger und Schulträger ihre Maßnahmen für mehr Sport und Bewegung im Alltag gegenseitig ausbauen können und Modellprojekte für eine sport-, spiel- und bewegungsfreundliche Stadt stärker initiiert sowie bestehende Förderprogramme konsequent für mehr Sport- und Bewegungsangebote genutzt werden“.

"Beratung statt Bevormundung"

In der 90-minütigen Bundestagsdebatte wurden alle Facetten des multikausalen Problems angesprochen, wobei es auch interessante Äußerungen zum Sport gab. Bundesverbraucherminister Horst Seehofer betonte in seiner Regierungserklärung, das Eckpunktepapier der Bundesregierung sollte Grundlage für einen „Nationalen Aktionsplan zur Prävention von Bewegungsmangel, Fehlernährung, Übergewicht und den damit zusammenhängenden Krankheiten“ sein. Dabei gehe es nicht darum, dass der Staat vorschreibt, wie die Bürger zu leben haben. „Beratung statt Bevormundung“ sei vielmehr das Leitmotiv.

Der Minister erinnerte sich an seine Jugend, als er „viel auf der Straße, im Wald, im Park gespielt“ habe. Heute, 50 Jahre später, sitze ein Kind täglich im Schnitt fünf Stunden vor dem PC, dem TV-Gerät und der Spielkonsole. „Bewegung, die früher selbstverständlich war, muss wieder künstlich erlernt werden“, unterstrich Seehofer. „Sportliche Betätigung bleibt in unserem modernen und hektischen Alltag oft auf der Strecke.“ Deutsche seien im internationalen Vergleich „Bewegungsmuffel“: Lediglich 21 Prozent seien regelmäßig sportlich aktiv.

Minister Seehofer wörtlich: „Ich erlaube mir, darauf hinzuweisen, dass es angesichts der zum Teil schwierigen motorischen Entwicklungen bei Kindern nachhaltig wünschenswert wäre, dass der Schulsport für Kinder wieder einen deutlich höheren Stellenwert in Deutschland bekommt.“ Zudem sollte das Potential der „Plattform Ernährung und Bewegung“, in der letzten Legislaturperiode von seiner Amtsvorgängerin Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen) eingerichtet, gestärkt und noch besser ausgeschöpft werden. Es wäre schön, wenn noch mehr Bundesländer beitreten würden.

"Schulsport bei Problemlösung entscheidend"

Auch die CDU-Abgeordnete Ursula Heinen appellierte an die Bundesländer, für mehr Schulsport zu sorgen. Dieses Unterrichtsfach sei bei der Problemlösung „eine ganz entscheidende Sache“. Baden-Württembergs Initiative, 200 Minuten Schulsport pro Klasse und Woche anzubieten, sei auf eine positive Resonanz von bisher 300 sich beteiligenden Schulen gestoßen. Ein weiteres Beispiel: Die Verdoppelung des Sportangebots an einer Grundschule in Berlin-Marzahn habe den „angenehmen Nebeneffekt“: Die Konzentrationsfähigkeit und damit die Leistungsbereitschaft steige in den Wissensfächern. Überhaupt, Kinder würden über die Schule zu Bewegung geführt „und können sich dort einmal auspowern“.

Für die SPD erklärte die Berliner Parlamentarierin Mechthild Rawert, in den Städten benötige man mehr Spiel- und Bewegungsräume. Allerdings nähmen schon heute Beschwerden über Ruhestörung zu, gerade von Anrainern von Sportanlagen. Frau Rawert: „Wir dürfen unsere Städte nicht zu Bewegungswüsten verkommen lassen. Hier haben Sportvereine eine große Verantwortung.“ Politisch sollte darauf geachtet werden, dass es sich auch finanziell schwächere Familien leisten können, Mitglieder von Sportvereinen zu werden. Hier gelte es, das „Gleichheitsgebot“ umzusetzen.

Der sportpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Detlef Parr, unterstrich, zu Recht werde „von der Notwendigkeit einer Balance zwischen Ernährung und Bewegung“ gesprochen. Dabei merkte er an: „Schade, dass die Bundesregierung auf unsere Frage nach einer Fortsetzung der Beteiligung an der DOSB-Kampagne ‚Sport tut Deutschland gut’ keine konkrete Planung vorlegen konnte.“
Schade sei auch, dass die Regierung keine Initiativen zur Verbesserung der kommunalen Infrastruktur mit Sportanlagen habe, was eine Grundvoraussetzung für mehr Bewegung in unserer Gesellschaft sei. „Ein Goldener Plan für Gesamtdeutschland wäre die richtige Antwort darauf“, meinte Parr. Der Liberale lobte den Deutschen Fußball-Bund (DFB), der aus dem WM-Überschuss auch zwölf Millionen Euro in den Bau von 1.000 Minispielfeldern gesteckt habe – „gerade auch an Schulen in sozialen Brennpunkten mit hoher Migrantenzahl“.
Überhaupt: „Wir müssen uns zielgerichteter um die sozial Benachteiligten kümmern. Sie sind durch bisherige Aufklärungskampagnen zu wenig oder gar nicht erreicht worden.“

Karin Binder (Die Linke) machte deutlich: „Wir brauchen mehr Schulsport, zum Beispiel eine dritte Sportstunde in der Woche. Wir brauchen mehr Förderung für die Betreuerinnen und Betreuer sowie für die Jugendleiterinnen und Jugendleiter in Sportvereinen. Natürlich kostet das alles Geld.
Aber sind Ihnen das unsere Kinder nicht wert?“

Quelle:
www.dosb.de

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