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Temperaturregulation und Hitzeerkrankungen - Dr. Dr. Lutz Aderhold

Von mspnews am 27.06.2007

Temperaturregulation Und Hitzeerkrankungen   Dr. Dr. Lutz Aderhold

Der effektivste Weg ist der Kühleffekt durch Verdunstung von Schweiß. Bei hoher Luftfeuchtigkeit ist die Verdunstung erschwert und der Kühleffekt damit geringer. Die Ausdauerleistung wird durch Hitze stark beeinträchtigt. Die größere Belastung zeigt sich in einer erhöhten Herzfrequenz und Laktatkonzentration.

Mehrstündige Ausdauerleistungen führen zu einer Erhöhung der Körperkerntemperatur. Bei anstrengenden Belastungen sind 39 bis 40 Grad Celsius Körperkerntemperatur üblich.
Ein Anstieg der Körperkerntemperatur auf über 40 Grad Celsius birgt gesundheitliche Risiken.
Unser Körper hat verschiedene Mechanismen zur Verfügung, um die Wärme abzugeben. Man unterscheidet die Wärmeleitung (Konduktion), Wärmetransport (Konvektion), Wärmestrahlung (Radiation) und Schweißverdunstung (Evaporation).

Der effektivste Weg ist der Kühleffekt durch Verdunstung von Schweiß. Bei hoher Luftfeuchtigkeit ist die Verdunstung erschwert und der Kühleffekt damit geringer.
Die Ausdauerleistung wird durch Hitze stark beeinträchtigt. Die größere Belastung zeigt sich in einer erhöhten Herzfrequenz und Laktatkonzentration. Es kommt zu einem stärkeren Anstieg der Körperkerntemperatur und durch das vermehrte Schwitzen zu einem schnelleren Verlust an Körperflüssigkeit.

Unser Körper kann sich an hohe Außentemperaturen anpassen, allerdings benötigt er dafür schon einige Tage. Die Schweißproduktion beginnt dann früher und der Schweiß wird ärmer an Elektrolyten, was die Verdunstung begünstigt. Auch das Herz-Kreislauf- und Hormonsystem vollführen Anpassungen mit geringerem Anstieg der Herzfrequenz und der Körpertemperatur. Kleine und leichte Läufer haben meist eine bessere Hitzetoleranz als große und schwere.

Reduzieren

Bei Hitze sollten die Intensität und die Umfänge im Training reduziert werden. Wenn möglich sollte man belastende Einheiten in die kühleren Morgenstunden oder späten Abendstunden verlegen.

Bei Wettkämpfen unter Hitzebedingungen geht man am besten vorgekühlt an den Start und beginnt den ersten Streckenabschnitt im reduzierten Tempo. Den Kopf kann man mit einer weißen Schirmmütze schützen.
Es sollte frühzeitig Flüssigkeit mit Elektrolyten und Kohlenhydraten aufgenommen werden.

Dabei können zu stark gekühlte Getränke zu Magen-Darm-Beschwerden führen. Durch ausreichende Flüssigkeitszufuhr (1 – 1,5 Liter/Stunde) kommt es zu einem langsameren Anstieg der Körperkerntemperatur und die Gefahr eines Hitzeschadens wird vermindert. Der Flüssigkeitsbedarf wird von der Belastungsintensität, Außentemperatur, Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung und Wind beeinflusst. Der Temperatur entsprechend sollte auch eine geeignete Bekleidung gewählt werden.
Für zusätzliche Kühlung können nasse Schwämme und auf den Kopf gegossenes Wasser sorgen.
Hitzeerkrankungen (Hitzeschäden)

Bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit und Trainingszustand auch in Kombination mit unzweckmäßiger Kleidung und Kreislaufinsuffizienz kann die Wärmeproduktion zu einer bedrohlichen Wärmebelastung führen. Aber auch gesunde und leistungsfähige Menschen sind bei langdauernden körperlichen Höchstleistungen wie im Langstreckenlauf gefährdet.

In warmer und feuchter Umgebung besteht schon unter Ruhebedingungen gerade ein Gleichgewicht zwischen Wärmeproduktion und möglicher Wärmeabgabe. Bei diesen Verhältnissen bewirkt schon leichte körperliche Belastung einen Anstieg der Körperkerntemperatur. Wichtig für die Temperaturregulation ist die Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Sytems, um ein großes Blutvolumen durch das Gefäßsystem zu befördern und eine hohe Wärmeabgabe zu ermöglichen. Durch defekte oder insuffiziente Mechanismen der Wärmeabgabe entsteht ein Wärmestau mit ansteigender Körperkerntemperatur.

Kreislauferkrankungen und Flüssigkeitsverluste fördern Hitzeschäden am stärksten. Eine besonders gefährliche Situation besteht bei hoher Luftfeuchtigkeit mit größerer Wärmebelastung und körperlicher Anstrengung.

Hitzeohnmacht (Hitzesynkope)

Diese Form der Kreislaufdysregulation tritt vor allem bei nicht hitzeangepassten Menschen auf. Die Gefäßerweiterung der Körperschale zur Erhöhung der Wärmeabgabe wird nicht durch ausreichende Erhöhung des Herzzeitvolumens und einer Gefäßverengung im Eingeweidebereich kompensiert.
Zusätzlich kann es auch zu einer Pulsverminderung durch Erregung des vegetativen Nervensystems (Vagus) kommen. In der Folge kommt es zu einer Minderdurchblutung des Gehirns mit Benommenheit, Blässe, Schwächegefühl, Übelkeit und Bewusstlosigkeit. Beim Fall zu Boden kann es auch zu Verletzungen kommen.
Durch Flachlagerung im Schatten mit erhöhten Beinen und externer Reiztherapie (kaltes Wasser) kommt es relativ schnell zur Erholung.
Eine medikamentöse Behandlung ist nur selten erforderlich.

Temperaturregulation und Hitzeerkrankungen

Sonnenstich

Ein Sonnenstich ist die Folge längerer Sonneneinstrahlung des unbedeckten Kopfes, zusätzlich kann ein Wärmestau bestehen. Es bestehen ein hochroter, heißer Kopf, Unruhe, Übelkeit, Schwindel, Erbrechen, Nacken-/Kopfschmerzen, Kreislaufstörung und Benommenheit. In schweren Fällen kann es zu Krämpfen und Bewusstlosigkeit kommen.
Als Therapie erfolgt Flachlagerung in kühler Umgebung, Kühlung des Kopfes mit feuchten Tüchern, bei Krämpfen und Bewusstlosigkeit ist ärztliche Behandlung erforderlich.

Hitzekrämpfe

Bei maximaler Schweißproduktion in heißer Umgebung scheiden die Schweißdrüsen beträchtliche Kochsalzmengen aus. Wird der Flüssigkeitsverlust nur durch Wasser gedeckt kann es durch die Hyponatriämie zu schmerzhaften Krämpfen der Arbeitsmuskulatur kommen.
Die Behandlung besteht in einer Zufuhr kochsalzreicher Getränke oder Infusionslösungen.

Hitzeerschöpfung

Die Hitzeerschöpfung ist durch die Kombination von Hyperthermie und Dehydratation eine Notfallsituation, die in einen Hitzschlag übergehen kann. Betroffen sind in der Regel nicht hitzeangepasste Menschen. Die Symptomatik kann durch zusätzliche Flüssigkeitsverluste infolge Erbrechen oder Durchfall verstärkt werden. Ursache kann ein starker Wasser- und Elektrolytverlust bei sportlicher Belastung mit Anstieg der Körperkerntemperatur bis 41 Grad Celsius sein. Die Symptome reichen von allgemeiner körperlicher Erschöpfung, Kreislaufzentralisation mit Blutdruckabfall, Durst und Müdigkeit, Kopfschmerzen, motorische Unruhe, Muskelschmerzen und -krämpfe, bis zur Desorientierung und Bewusstseinstrübung.
Die Behandlung erfolgt mit Flachlagerung in kühler Umgebung, äußerer Kühlung, oraler Zufuhr oder Infusion von Elektrolytlösungen, Arztkonsultation oder Klinikeinweisung.

Hitzschlag

Der Hitzschlag ist die schwerste Form der Hitzeerkrankung. Betroffen sind vor allem gesunde, leistungsfähige, nichthitzeadaptierte Menschen jeden Alters bei langdauernder körperlicher Anstrengung in heißer oder feuchtwarmer Umgebung. Die Hitzebelastung entsteht besonders durch die endogene Wärmeproduktion, die Wärmeabgabe ist durch unzweckmäßige Kleidung oder Klimabedingungen behindert. Desorientierung, Bewusstseinstrübung, Bewusstlosigkeit oder Koma können quasi aus heiterem Himmel auftreten.

Es können auch Urin- und Stuhlabgang, Übelkeit, Erbrechen, Atemstörungen, Kreislaufstörungen, Schock und Krämpfe hinzukommen. Der Flüssigkeitsmangel ist nicht so stark ausgeprägt, die Schweißproduktion ist beeinträchtigt. Es liegt eine lebensbedrohliche Erhöhung der Körperkerntemperatur auf über 40,5 Grad Celsius vor.
Die wichtigste Maßnahme neben der Sicherung der Vitalfunktionen ist die äußere Kühlung z.B. durch kaltes Wasser und der Flüssigkeitsersatz.
Auf jeden Fall ist ärztliche Behandlung (Notarzt) und eine Klinikeinweisung erforderlich.
Gerade in der warmen Jahreszeit sind bei langdauernden Belastungen die richtige Kleidung, eine angepasste Flüssigkeitsaufnahme und die äußere Kühlung von großer Bedeutung.

Dr. Dr. Lutz Aderhold
Verein zur Förderung des Ultramarathonlaufs in Deutschland
Ultramarathonlauf in Deutschland

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