MeinSportplatz
Banner_msp_team

mspnews

Premiere: „Darmstadt ist ein Marathonpflaster.... „ 6 400 Läufer beim SparkassenMarathon/ Darmstadt Marathon

Von mspnews am 08.09.2008

Tolle Kulisse und einige Stockfehler zum Auftakt in der südhessischen Läuferstadt

Aus dem Stand heraus hat sich Darmstadt qualifiziert als Marathonstadt. Die 2000 m² umfassende Sporthalle der TU Darmstadt wurde als Organisationszentrum, als Gepäckdepot, als Dusch- und Massagebereich genutzt

Die Meinungen in Läuferkreisen waren nahezu ungeteilt: „Darmstadt ist ein Marathonpflaster!“ Lob allenthalben über eine Veranstaltung, die einen weißen Fleck auf der deutschen Marathonkarte auslöschte. Darmstadt, Standort des ältesten Lauftreffs, des traditionsreichen „Cup da Franco“ und derzeit attraktivsten deutschen Crosslaufes, hat nun auch „seinen“ Marathon.

Dabei entstand der Darmstadt-Marathon eher als Zubrot zu den anlässlich des 200. Geburtstags der Sparkasse Darmstadt in die südhessische Stadt vergebenen Deutschen Sparkassen-Meisterschaften. 6 328 Läuferinnen und Läufer wollten letztlich dabei sein, wenn in der Laufstadt der Startschuss zu einem Laufspektakel bislang unbekannter Größe fiel.

Die in Darmstadt angesiedelte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries ließ es sich trotz Turbulenzen um ihre SPD nicht nehmen, im Verbund mit Darmstadts Stadtoberhaupt Walter Hoffmann die fast zweihundert Meter lange Läuferschlange in der Nieder-Ramstädter Straße direkt vor dem Böllenfalltorstadion in Bewegung zu bringen.

Nach fast zweijähriger Vorbereitungszeit war es am ersten September-Samstag (das ist nämlich der traditionelle Veranstaltungstermin für den alljährlich in einer anderen deutschen Stadt zur Austragung kommenden Sparkassen-Marathon) dann endlich soweit. Das altehrwürdige Hochschulstadion, Schauplatz der Studenten-Weltmeisterschaften 1930, zeigte sich von seiner besten Seite. Eine bestbesetzte Tribüne war die rechte Kulisse für den Zieleinlauf für 10 km-, Halbmarathon- und Marathonläufer gleichermaßen, die Stimmung konnte kaum besser sein.

Aus dem Stand heraus hat sich Darmstadt qualifiziert als Marathonstadt. Die 2000 m² umfassende Sporthalle der TU Darmstadt wurde als Organisationszentrum, als Gepäckdepot, als Dusch- und Massagebereich genutzt, die nur wenige Treppenstufen (ein absolutes Nadelöhr!) entfernte Böllenfalltorhalle diente als Marathonmesse und Startnummern-Ausgabe – und dazwischen der bestens frequentierte „Public Catering-Bereich“ – durchaus ein Organisationszentrum der kurzen Wege, zumal der Start direkt vor der Böllenfalltorhalle platziert lag.

„Alles im grünen Bereich“ lobte dann auch Volker Miersch als „amtliche Aufsicht“ des Deutschen Leichtathletik-Verbandes und Volks- und Straßenlaufwart Hessens, die Veranstaltung. „Da waren Leute am Werke, die nicht zum ersten Male eine Großveranstaltung organisiert haben“.

Die Organisatoren um Sparkassen-Vorstand Hans-Werner Erb, Sparkassen-Marketingchef Peter Lehr und dem Sportlichen Leiter Wilfried Raatz wussten angesichts des (einkaufsträchtigen) Samstagvormittag eine Strecke anzubieten, die den Interessen des Einzelhandels wie auch der Läuferklientel gleichermaßen gerecht werden musste. Entsprechend diskutiert wurde in Läuferkreisen die Strecke, die sich als ein Kompromiss zwischen Stadt- und Landschaftsmarathon verstand und teilweise durch den herrlichen Darmstädter Ostwald führte.

Und den Zwei-Runden-Kurs letztlich zu einem anspruchsvollen Lauf mit vierhundert Höhenmeter werden ließ. So ganz nach dem Geschmack beispielsweise einer Birgit Lennartz, der früheren 100 km-Weltrekordlerin und zehnfachen Siegerin beim Swiss Alpine Marathon, die in purer Lauffreude eine erfolgreiche Aufholjagd zur Spitze startete und in 3:07:44 Stunden letztlich merklich gerührt im Ziel im Hochschulstadion einlaufen konnte. Bei den Männern feierte Ralf Gottheil aus Coesfeld nicht nur die erfolgreiche Titelverteidigung als Sparkassenmeister, sondern lief auch angesichts der profilierten Strecke mit 2:38:58 Stunden eine beachtliche Endzeit bei einem Elf- Minuten-Vorsprung auf den Griesheimer Michael Obst.

Auf der Halbmarathondistanz dominierte der aus Seeheim-Jugenheim stammende, inzwischen bei der LBBW in Stuttgart als Jurist arbeitende Dominik Burkhardt, der übrigens vor drei Jahren nahezu an gleicher Stelle Deutscher Crossmeister geworden war. Burkhardt setzte sich nach Belieben in 1:12:27 vor dem Bochumer Bastian Krantz (1:14:03) durch, während bei den Frauen Steffi Volke aus Oberhausen in 1:24:17 Tagesschnellste war.

Durch ein unbedacht noch offenes Eingangstor am Hochschulstadion ließen sich die Schnellsten auf der 10 km-Distanz verleiten und sorgten dabei für eine kuriose Situation, dass einige Läufer auf dem umgekehrten, merklich längeren Weg zum Ziel fanden. So kam für Vorjahressieger Martin Czarnietzki aus Neuss „lediglich“ 35:14 Minuten als Endzeit heraus, die Frauensiegerin folgte inzwischen auf der richtigen Spur in 39:40 Minuten. Leider wurden auch die Mini-Marathonläufer irre geführt, denn während das Führungsfahrzeug des Veranstalters die Originalrunde fuhr, ließen sich die schnellsten Schüler durch eine andere Route wählende Polizeieskorte verleiten und machten einen kräftigen Umweg ins Ziel.

Entsprechend verärgert war Sportchef Wilfried Raatz: „Einerseits ist es sensationell, wie diese Veranstaltung auf Anhieb hier angenommen wird, andererseits kann und darf ich mit der Umsetzung nicht zufrieden sein. Allerdings ist auch eines klar, bei einer Premiere kann es natürlich zu Pannen kommen. Sollte aber nicht....!“

Rund 500 Helfer aus der Sparkasse Darmstadt, den mitarbeitenden Vereinen ASC Darmstadt und VfL Münster, einem großen Kontingent des Darmstädter Lauftreffs sowie der Caritas Darmstadt sorgten für eine allseits gelobte Versorgung und Streckengestaltung unterwegs. Bestens angenommen wurde eine kleine, aber attraktive Marathonmesse in der Böllenfalltorhalle. Für das i-Tüpfelchen sorgte zumindest für die Sparkassen-Mitarbeiter die Abendveranstaltung mit interner Siegerehrung und stimmungsvoller Party. Rund 4000 Läufer und Angehörige feierten bis weit nach Mitternacht ausgelassen und zeigten, dass Banker weitaus mehr können als mit Zinsen, Finanzierungen und Immobilien umzugehen.  

Und wie geht es weiter in Sachen Marathon in Darmstadt? Während der Darmstädter Stadtlauf mit inzwischen 31 Auflagen als zweitältester Stadtlauf in Deutschland Spitze ist, der Darmstadt-Cross als EM-Qualifikation für den DLV und die Schweiz die attraktivste Querfeldeinveranstaltung in Deutschland ist, steht der Darmstadt-Marathon in Konkurrenz zu inzwischen mehr als 190 Marathonveranstaltungen. „Wir haben positive Signale von einer Reihe von in Darmstadt und der Umgebung ansässigen Unternehmen erhalten, dass ein großes Interesse an einer Fortsetzung des Darmstadt-Marathon besteht“, sieht Wilfried Raatz, Chef der mit der Organisation betrauten Agentur wus-media und Zweiter Vorsitzender des ASC Darmstadt, Potential für die Zukunft.

„Wir werden am 6. September 2009 die zweite Auflage des Darmstadt-Marathon erleben, dann aber als Sonntagsveranstaltung auf einem Citykurs und vorbei an den Sehenswürdigkeiten Darmstadts!“

Elizabeth Delp   

Kommentare

Bislang keine Kommentare

Zum Kommentarschreiben anmelden or registrieren