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Transviamala: Erlebnislauf auf den Spuren der Säumer

Von mspnews am 01.11.2008

Transviamala: Erlebnislauf Auf Den Spuren Der Säumer

Viamala bezeichnet eine tiefe, von der Wasserkraft des Hinterrheins, einem der beiden Quell-Seitenarme des insgesamt 1324 km langen Rheines, geprägten Landschaft.

„Transviamala“ heißt einer eher nur Insidern bekannter Landschaftslauf über 19 km und einer Höhendifferenz von 750 m sowie 589 Steinstufen, der Mitte Oktober von Thusis nach Donat führt. „Der Transviamala bedeutet Sport, Natur und Kultur.

Er bietet von allem etwas und alles gleichzeitig. Einmal wild und abweisend, einmal offen und lieblich“, so bezeichnet OK-Chef Steafan Michael die bei der siebten Auflage von 1300 Läufern und Walkern besuchten Veranstaltung im Val Schons an der Sprachgrenze zwischen der deutschen und romanischen Schweiz im Kanton Graubünden im Hinterrheintal.

Im Ergebnisteil der Tageszeitungen und Magazinen dürfte sicherlich nur dieser Eintrag stehen: Bei herrlichem Oktober-Sonnenschein und farbenprächtiger Herbstfärbung gewann der Liechtensteiner Josef Vogt in 1:22:38 Stunden den Transviamala vor Tomas Walser (1:23:29) und Markus Joos (1:25:13), bei den Frauen unterbot die Churer Ärztin und Mitglied der deutschen Berglauf-Nationalmannschaft Annette Hartmann mit 1:33:31 Stunden den Streckenrekord um vier Sekunden und siegte damit souverän mit fünf Minuten Vorsprung vor Christa Greminger (1:38:29) und Nicole Edelmann (1:39:13).

Das ist sicherlich die eine Fassette der Veranstaltung, die andere ist der ungleich höhere Erlebniswert eines Landschaftslaufes, den der Schweizer Laufbuchautor Thomas Winkler als „einen der schönsten Läufe der Schweiz“ bezeichnet. Mit nunmehr 600 Starts in vorrangig der Schweiz darf sich der 35jährige Berner sicherlich ein fundiertes Urteil über das Laufspektakel am Hinterrhein erlauben, der sich hier als schmales, (mit)reißendes und (laut)gewaltiges Naturschauspiel präsentiert.
      
Viamala bezeichnet eine tiefe, von der Wasserkraft des Hinterrheins, einem der beiden Quell-Seitenarme des insgesamt 1324 km langen Rheines, geprägten Landschaft. Markant dabei die teilweise 300 Meter hohen Felswände, viel bestaunt für die Touristen aus allen Kontinenten die Strudeltöpfe und die 1739 erstellte Wildener Brücke 70 Meter über dem Wasserspiegel des Hinterrheins. Als wichtige Handelsstraße zwischen Oberitalien und der Ostschweiz und Süddeutschland kam dem Streckenabschnitt der Viamala besondere Bedeutung zu.

Schließlich fand hier bis ins späte Mittelalter der Passverkehr über den San Bernadino und den Splügenpass in mühevoller Weise statt. Kleine Ansiedlungen schmiegen sich heuer in die Landschaft und sind eher Durchgangsstationen für ausgedehnte Alpenwanderungen als Zentren des modernen Massentourismus. So ist der Zielort des Viamala-Laufes Donat gerade einmal 200 Einwohner klein. Beleg dafür, dass man seitens der Organisatoren schon alleine wegen der begrenzt vorhandenen Infrastruktur ein Teilnehmerlimit verfügen musste. Mit 1300 Läuferinnen und Läufern ist man ohne Übertreibung am Maximum angelangt, was der kleine Flecken in 1050 m Höhe über dem Hinterrhein verkraften kann.  
 
Die Veranstalter vertreten eine Philosophie, wie man diese in der heutigen Zeit, in der Kommerz und Klamauk in nicht wenigen Fällen den Sport an den Rand des Anlasses verdrängen, nur noch selten findet. OK-Chef Steafan Michael und Rolf Cantieni, der Präsident des ausrichtenden US Tumpriv, nennen es eine Vision, die auf vier Säulen ruht: 1. Sport treiben in einer unverwechselbaren Landschaft, 2. ein Fest zu feiern als ein gesellschaftliches und kulinarisches Erlebnis, 3. Zukunftsleitend und der Nachhaltigkeit verschrieben, 4. die Vermittlung regionaler Geschichte und Identität.  

Geleitet von dieser Philosophie führt die Strecke an kulturhistorisch und architektonisch bedeutenden Bauwerken und Stätten vorbei mit dem Kernstück der Viamala, einer Felsenschlucht mit senkrechten und zum Teil überhängenden Schieferwänden bis zu einer Tiefe von 300 Metern. Atemberaubende Passagen über die zahlreichen Viamala-Brücken oder vorbei an trutzigen altromanischen Kirchen wie Clugin sind ebenso Beispiele für die gelebte Visionen wie auch die angebotenen Präsente und Mahlzeiten.

So erhalten alle Finisher ein Fazalet, ein Baumwoll-Küchentuch mit ländlichen Spezialitäten, das einstmals den Säumern die nötige Energie für die Passagen durch die Viamala-Schlucht lieferte.  Oder es ist die Pizokel-Mahlzeit, eine gedünstete heimische Köstlichkeit, die für alle Teilnehmern im Zielgelände zubereitet wird.  

Die Liebe im Detail ist an allen Ecken zu spüren. So steht für die rund 1300 Teilnehmer kein „Trouble desk“ für allfällige Informationen parat, sondern das originelle Häuschen heißt „Punt d’infurmaziùns“, das Zieltor wird durch eine Nachbildung der Viamala-Brücke zu einem weiteren Höhepunkt und löst zudem noch die im Zielbereich überaus beengten Verhältnisse zugleich als Zuschauertunnel. Dreizehn große Schautafeln verdeutlichen entlang der Strecke die Bedeutung der kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten.

Für die Unterbietung des Streckenrekordes beim „Transviamala“ durfte Annette Hartmann ein Marancign, ein künstlerisch wertvolles, handgearbeitetes Präsent aus Silber, Palladium und Stein, der die mächtigen Felswände samt der 585 Stufen von Thusis nach Donat verdeutlichen soll, im Wert von 800 Schweizer Franken in Empfang nehmen.  
 
Spektakulär ist in Zielnähe aber auch der „Hindernis-Parcours“ zum Kinder-Wettbewerb „Cursa da lumpazis“, der sogar wegen des großen Andrangs mit Vor- und Finallauf durchgeführt werden muss. Viel beachtet wurde am Vortag die in der Bündner Arena in Cazis durchgeführte Podiumsdiskussion „Fokus Spitzensport – ein lohnendes Ziel?“ mit der früheren Langstrecken-Weltklasseläuferin Sandra Gasser, dem Skirennläufer Jonas Favri, dem Extrembergsteiger Norbert Joos und dem Weltklasse-Mountainbiker Nino Schurter.

Und dies vor dem Hintergrund, dass der Transviamala alles andere als eine Spitzensport-Veranstaltung ist, sondern sich eindeutig für den Breitensport ausgerichtet sieht.  „Auf den Spitzensport zu setzen, das lohnt sich in jedem Fall“, resümierte Sandra Gasser für sich, sprach aber auch den anderen prominenten Spitzenkönnern aus der Seele. „Auch weniger Begabte erleben schöne Momente.

Gerade diese bleiben in erster Linie haften und prägen einen als Menschen“.

Wilfried Raatz

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