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O f f e n e r B r i e f - An das Präsidium des Deutschen Leichtathletik-Verbandes

Von mspnews am 11.12.2008

O F F E N E R B R I E F   An Das Präsidium Des Deutschen Leichtathletik Verbandes

Teilnahme des DLV an Internationalen Meisterschaften, insbesondere Weltmeisterschaften der IAAF

Es kann nicht sein, dass in internationalen Gremien arbeitende deutsche Funktionäre wie Professor Helmut Digel oder Otto Klappert die einzigen Repräsentanten Deutschlands bei den IAAF-Meisterschaften sind – und sich dabei stets massiver Kritik und Unverständnis seitens der IAAF-Spitze ausgesetzt sehen.

Am kommenden Sonntag (14. Dezember) finden in Brüssel die Europameisterschaften im Crosslaufen des Europäischen Leichtathletik-Verbandes (EAA) statt. Zur großen Überraschung ist der DLV von seinen bislang angewendeten Praktiken abgekommen und hat sechs vollständige Mannschaften gemeldet.

Überraschend deswegen, weil sich der DLV jahrelang selbst bei Europameisterschaften in unmittelbaren Nachbarländern vor allem bei den Männern und Frauen stark zurückgehalten und vorrangig nur Nachwuchsmannschaften nominiert hatte. Dies geschah allerdings, ohne dem Crosslauf als die Grundlage der läuferischen Entwicklung in den Wintermonaten die gebührende Beachtung zu schenken. Was hier für einzelne Altersklassen schon für Europameisterschaften galt, das zeigte sich in eklatanter Weise bei IAAF-Weltmeisterschaften im Crosslaufen. Wir waren zumeist einfach nicht präsent, allenfalls gelegentlich nur
einen oder zwei Athleten.

Möglicherweise befindet sich der DLV bzw. deren Trainer in einem Umdenkungsprozess. Bislang musste man davon ausgehen, dass man beim DLV eher Athleten dadurch förderte, dass man keine Mannschaften zu
internationalen Meisterschaften entsendete. Und sie dafür in Trainingslagern „schonte“ anstelle sie häufiger in Vergleiche mit der Konkurrenz aus anderen Nationen zu entsenden. Die Folge davon ist eher eine Stagnation in der Leistungsentwicklung auf breiter Front.

Die Kritik an die Adresse des DLV gilt trotz allem weniger den Nominierungs-Praktiken bei Europameisterschaften, sondern vielmehr bei IAAF-Weltmeisterschaften im Crosslaufen und im Halbmarathon. Für einen der weltweit größten Leichtathletik-Verbände ist dies schlichtweg beschämend und ruiniert den Ruf der deutschen Leichtathletik.

So fanden die Halbmarathon-Weltmeisterschaften 2008 in Rio de Janeiro/ Brasilien ohne deutsche Läufer statt, bei den Cross-Weltmeisterschaften in Edinburgh startete mit Susanne Hahn eine einzige Athletin. Im Jahr zuvor fehlte der DLV bei der Halbmarathon-WM in Udine/ Italien ebenso völlig, bei den Cross-Weltmeisterschaften in Mombasa/ Kenia startete durch letztlich einen gewissen Druck seitens der IAAF wenigstens eine deutsche Junioren-Mannschaft. Und diese wuchs völlig überraschend  über sich heraus und wurde als Zwölfte sogar bestes europäisches Team.

Fakt ist, dass der DLV seine Athleten durch diese rigide Politik (?) nicht nur ins internationale Abseits führt, sondern ihnen auch die zwingend erforderlichen Vergleichsmöglichkeiten verweigert. Selbst wenn Athleten im hinteren Teil des Starterfeldes laufen, die Wettkampfhärte kann man nicht dadurch erlernen, wenn man ständig gegen die heimischen Athleten mit scheinbarer Leichtigkeit glänzt.

Als größter Fachverband hat der DLV gewissermaßen gegenüber seinem eigenen Dachverband eine Anwesenheitspflicht. Die US-Amerikaner und Japaner stellen sich mit stets großen Mannschaften den internationalen Aufgaben – und nehmen auch letzte Plätze in Kauf. Wenn das beim DLV durchgesetzte Nominierungs-Kriterium „Endkampfchance“ wie jüngst bei den Olympischen Spielen von allen Nationen zum Maßstab genommen werden würde, dann wären, etwas überspitzt formuliert, im Laufbereich die Ostafrikaner aus Kenia und Äthiopien ebenso unter sich wie die Jamaikaner oder vornehmlich aus den Karibikstaaten eingebürgerten US-Athleten im Sprintbereich.

Ein treffendes Beispiel, wie mit Konsequenz und Zielstrebigkeit Erfolge errungen werden können, geben die US-Läufer ab, denen es innerhalb von nur wenigen Jahren gelungen ist, mit ihren Mittel- und Langstreckenläufern international den Anschluss an die Spitze geschafft zu haben. Die Rechtfertigung des DLV, dass es bei nichtolympischen Disziplinen wie Crosslauf und Halbmarathon keine Zuschüsse vom Innenministerium gäbe, ist eigentlich nicht nachzuvollziehen. Wir sind der Auffassung: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Und dieser sollte gefunden werden. Sollte man vielleicht in einem Wirtschaftsland wie es Deutschland nun einmal ist zum Spendensammeln aufrufen, um talentierte und begeisterungsfähige Athleten
des Deutschen Leichtathletik-Verbandes zu Weltmeisterschaften schicken zu können?

Es kann nicht sein, dass in internationalen Gremien arbeitende deutsche Funktionäre wie Professor Helmut Digel oder Otto Klappert die einzigen Repräsentanten Deutschlands bei den IAAF-Meisterschaften sind – und sich dabei stets massiver Kritik und Unverständnis seitens der IAAF-Spitze ausgesetzt sehen.

Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2009 in Berlin erwartet Deutschland und damit auch der DLV, dass die besten Athleten aller Nationen versammelt in Berlin antreten, obgleich der Gastgeber bislang
in den Laufwettbewerben eher ein schlechtes Vorbild gewesen war. Die Schweiz bewirbt sich um die Ausrichtung der Europameisterschaften 2014 in Zürich – und hat bereits schon jetzt eine Kernmannschaft für 2014 berufen. Eine langfristig angelegte Planung, von der man beim DLV weit entfernt ist. Die deutsche Kernmannschaft für die WM in Berlin wurde erst vor knapp drei Monaten vorgestellt, und dies vor dem Eindruck eines sehr enttäuschenden Abschneidens bei den Olympischen Spielen. Scheinbar muss die deutsche Leichtathletik in ein noch tieferes Loch fallen, damit man in den Führungsebenen des DLV wach wird.

Otto Klappert, Horst Milde und Wilfried Raatz arbeiten seit vielen Jahren mit viel Engagement in der Laufszene und sind derzeit als Mitglieder in den Fachausschuss Laufen beim DLV berufen. Mit großer Sorge verfolgen sie die Entwicklung der deutschen Mittel- und Langstreckler. Wobei unter dem Begriff „Entwicklung“ nicht immer ein positiver Trend festgestellt sein muss.

Vielleicht kann dieser „Offene Brief“ an das Präsidium des Deutschen Leichtathletik-Verbandes dazu beitragen, dass ein wirkliches Umdenken in den Köpfen der
Verantwortlichen beginnt, damit talentierte und mutige Athleten langfristig planen und sich im Sinne einer Fortentwicklung der internationalen Konkurrenz stellen können.

Die Unterzeichner haben gerne die Nominierung von kompletten DLV-Teams zu den Cross Europameisterschaften in Brüssel zur Kenntnis genommen und freuen sich über diesen Schritt in die richtige Richtung. Jetzt liegt es an den Verantwortlichen des DLV, dass weitere folgen.

Otto Klappert, Horst Milde, Wilfried Raatz

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