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Mit der Stoppuhr durchs Ziel - Wunderläufer Paavo Nurmi lief 1926 in Berlin den 15. seiner 25 Weltrekorde

Von mspnews am 16.03.2009

Zwei weitere Weltrekorde erzielte Nurmi in Berlin am 7.10.1928: über 10 Meilen in 50:15,0 min (Zwischenzeit des 1-Stundenrennens) und über 1 Stunde mit 19,210 km.
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„Saavun lauantaina luultavasti lentaen malmoestae nurmi“ (Ankomme Sonnabend wahrscheinlich fliegend aus Malmö) Mit diesem Telegramm gab Nurmi den Veranstaltern für das „Nurmi-Sportfest“ im „Deutschen Stadion“ die Gewißheit, das er am Pfingstmontag, den 24.5.1926, in Berlin starten werde. Damit war es erstmals gelungen, den Wunderläufer und Weltrekordler Paavo Nurmi nach Berlin zu holen.

Ca. 40.000 Zuschauer hatten sich im „Deutschen Stadion“ im Grunewald zu einem Internationalen Sportfest des SCC eingefunden. Die Absicht des Veranstalters, Nurmi auch über 1.500 m gegen Peltzer laufen zu lassen, durchkreuzte Nurmi, weil er nur die 3.000 m laufen wollte.

Die gesamte deutsche Langstreckenelite hatte sich beim 3.000 m-Lauf versammelt: Hermann Walpert (SC Teutonia 1899 Berlin), Siegfried Dieckmann (DSV 1878 Hannover) , Wilhelm Husen (Polizei-SV Hamburg), Peter Frandsen (SV Oldesloe), Bernhard Bauer (VfL Halle). Dieckmann hatte den besten Start, ging in Führung und Nurmi lag in der Mitte des Feldes eingeschlossen auf der Innenbahn. Bei 200 m machte er sich frei, ging nach vorn, lief mit seiner Stoppuhr weiter und kümmerte sich um nichts weiter.

Nach jeder Runde sah er mit der gleichen Hand- und Kopfbewegung auf seine Uhr und regulierte so sein Tempo. Er wußte also immer, wie er sich die Runden einzuteilen hatte und wie er laufen mußte, um den Weltrekord zu unterbieten. Man hatte das Gefühl, als ob er absichtlich nicht eine Sekunde schneller läuft, als erforderlich ist, unter den Weltrekord zu kommen, um auch dem nächsten Veranstalter die Gewähr zu bieten, daß ein neuer Rekord bevorsteht.

Der Abstand von ihm zu den übrigen wurde immer größer, und als er in die letzte Runde ging lagen Walpert, Frandsen und Dieckmann mehr als 100 m hinter ihm. Nurmi ging durchs Ziel genau so wie er gestartet war, ein Blick auf seine Stoppuhr sagte ihm, daß er in Berlin den 15. Weltrekord seiner insgesamt 25 Weltrekorde sich erlaufen hatte; man sah ihm keine Freude und keine Bewegung an. Gleichzeitig war dies der erste Weltrekord in Berlin, der von der IAAF anerkannt wurde.

Am 11.9.1926 war Nurmi erneut in Berlin und trat auf dem SCC-Sportplatz über 1.500 m an. Diesen Lauf gewann Otto Peltzer sensationell mit neuer Weltrekordzeit in 3:51,0 min, der indisponierte Nurmi wurde Dritter in 3:52,8 min hinter Edvin Wide, der mit 3:51,8 min ebenfalls den von Nurmi 1924 in Helsinki mit 3:52,6 min aufgestellten Weltrekord unterbot.

Zwei weitere Weltrekorde erzielte Nurmi in Berlin am 7.10.1928: über 10 Meilen in 50:15,0 min (Zwischenzeit des 1-Stundenrennens) und über 1 Stunde mit 19,210 km.

Eine besondere „Note“ bot Berlin in Sachen Nurmi, als am 3.4.1932 im Hotel „Russischer Hof“ der fünfköpfige Vorstand der IAAF aufgrund der Unterlagen deutscher Leichtathletikvereine wohl auf Betreiben von Sigfrid Edström (Schweden) und Ritter von Halt (Deutschland) Nurmis Amateureigenschaft wegen Annahme von Geld suspendiert wurde. Der finnische Leichtathletikverband übernahm diese Suspendierung nicht, so daß Nurmi nur international gesperrt war.

Der „Leichtathlet kommentierte: Alle Veranstalter haben Nurmi laufen lassen, haben ihm die Überforderungen genehmigt und sich selbst strafbar gemacht. Zum mindesten hätte man von ihnen verlangen können, daß sie, wenn sie schon zahlten, schweigend zahlen würden.“

Gerd Steins - Sportmuseum Berlin - AIMS Marathon Museum of Running - Sport in Berlin

Foto: Startaufstellung zum 3.000 m Lauf am 24. Mai 1926 im "Deutschen Stadion" Berlin-Grunewald. Nurmi mit der Startnummer 1. (v. lks.): Wilhelm Husen vom Polizei-SV Hamburg. links von Nurmi: Bernhard Bauer vom VfL Halle. Alle anderen Läufer können noch nicht eindeutig bestimmt werden. ©geste

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