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„Wessis“ durften 1989 erstmals beim GutsMuths-Rennsteiglauf starten

Von mspnews am 16.05.2009

,Als im Mai 1989 der GutsMuths-Rennsteiglauf zum 17. Mal gestartet wurde gab es einige Änderungen, die man heute als erste Vorboten der Wende ansehen könnte.
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Da war als erstes, für viele Teilnehmer gar nicht erkennbar, dass etwa 20 Läuferinnen und Läufer aus der „BRD“ an den Start gehen durften. Bis dahin stand in der Ausschreibung des Rennsteiglaufs eindeutig: Der GutsMuths-Rennsteiglauf ist eine DDR-offene Lauf- und Wanderveranstaltung. Inoffiziell galt die Regel, dass Ausländer dann beim Rennsteiglauf starten durften, wenn sie in der DDR eine Arbeitserlaubnis hatten.

Die 20 Teilnehmer aus dem Westen waren auf Bitte des DTSB-Bundesvorstandes zum Rennsteiglauf zugelassen worden. Dieser hatte die limitierten Startkarten für „Ostmark“ erworben und über ein befreundetes Reisebüro in der BRD für Westmark als Läuferreise verkauften lassen. Wer dafür „harte Währung“ zur Verfügung gestellt bekam, ist nicht ermittelt worden, der Rennsteiglauf auf jeden Fall nicht.

Bis dahin war es Läufern aus dem Westen nur möglich, illegal unter falschem Namen zu starten. Bekanntester „Schwarzstarter“ dürfte Werner Sonntag, der Autor des Kultbuches „Einmal musst Du nach Biel“, gewesen sein, dem Lauflegende Roland Winkler aus Berlin zu einer Startmöglichkeit verhalf.

Eine zweite Änderung, nur von den Startern in Neuhaus wahr genommen, war die Anwesenheit des DTSB-Präsidenten zum Start der 45km-Strecke. Jahrelange hatte Manfred Ewald, DTSB-Präsident bis 1988 dem Rennsteiglauf Steine in den Weg gelegt. Häufig wird Ewald  in der Sportgeschichtsliteratur zitiert mit dem Ausspruch: „Die DDR braucht keinen zweiten Wasalauf“, womit er die Entwicklung der Teilnehmerzahlen beim Rennsteiglauf meinte. Obwohl Ewald nachweislich mindesten einmal auf der Datsche des DTSB zum Rennsteiglauftermin in Frauenwald war, war er niemals offiziell anwesend.

Nachdem er sein Amt räumen musste, ein Zeichen des politischen Umschwungs im Sport, übernahm der ehemalige FDJ-Funktionär Klaus Eichler die Funktion des DTSB-Präsidenten und meldete auch gleich sein Kommen zum Rennsteiglauf an. Zum einen wollte er am Vorabend anlässlich des Geburtstags von Johann Christoph Friedrich GutsMuths in Neuhaus einen Gedenkstein einweihen und zum zweiten wollte er den Start der größten Laufveranstaltung der DDR selber miterleben. Dass er dann auch etliche Kilometer nach dem Start mitlief, ergab sich eher zufällig und sein privat geäußerter Wunsch, 1990 mitlaufen zu wollen hat die politische Wende verhindert. Er verlor seine Sportfunktion mit der sang- und klanglosen Auflösung des DTSB.

Als drittes Neues beim Rennsteiglaufs kann man die Neuaufnahme der Wanderstrecke über 35 km von Schnepfenthal nach Oberhof noch nennen. Inhaltlich resultierte diese zusätzliche Strecke aus der Tendenz, dass durch die Verteilung der Startkarten über die DTSB-Kreisvorstände die Wanderer kaum noch zum Zuge kamen. Fast alle Karten gingen an passionierte Ausdauerläufer.

Das ärgerte auch die Organisatoren, da viele von ihnen Wandergruppen angehörten. Zudem konnte damit die Festlegung, die noch von Manfred Ewald stammte, dass nicht mehr als 10.000 Startkarten ausgegeben werden durften, geschickt umgangen werden. Dass auf dieser Strecke eine Startnummer mit einem Sponsor „Germina“ verwendet wurde, dürfte ebenfalls zu den Änderungen gehören, die im Nachhinein als Vorboten der poltischen Wende anzusehen sind.  

Dr. H. Kremer

Bild: GutsMuths-Rennsteiglauf ©Rennsteiglauf - Sascha Fromm

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