MeinSportplatz
Banner_msp_team

Letzten Sonntag in hannover

Von volkerderlaeufer am 14.05.2011

So ein Scheiß, da bereitest Du Dich seit Wochen auf einen Marathon vor und dann sagen die Wetterfrösche Hitze an. Ich kriech Pluaqe ey! Fast alles kannste beeinflussen, nur das Wetter nich. Was solls, Arschbacken zusammen gekniffen, herrlichen Pastaabend mit Freunden verbracht und nach einer kurzen Nacht an den Start.

 

Morgens ist es noch kühl, aber das ändert sich bald. Es sind noch zehn Minuten bis zum Start und die Blase ist schon wieder voll. Wenn ich jetzt die Startaufstellung verlasse, dann komme ich zu spät zurück. Also ist durchhalten angesagt, kurz nach dem Start wird schon ein Bäumchen sein. Die Minuten gehen nicht um, doch dann kommt der erlösende Startschuss. Fast hätte ich mir in die Hose gemacht.

 

Erst mal passiert jetzt nichts. Wie das so ist, bei großer Teilnehmerzahl, der Startschuss fällt, vorne laufen die Schwatten los wie die Irren und da wo ich stehe, passiert mal wieder nichts. Das ist das Los der Langsamen. Wegen der vielen Teilnehmer, braucht es natürlich, bis die Herde in Schwung kommt. So stehe ich da, gucke mir die nahe stehenden Raceteilnehmer und hadere mit der vollen Blase. Langsam kommt das Läufervolk um mich in Bewegung. Ich lasse mich mittreiben und passiere die Startlinie. Gleich nach der ersten Kurve befinden sich ein paar Bäume. Ich bin nicht der Erste, der dem Harndrang nachgeben muss.

 

Glücklicherweise bin ich mit den 4 Stundenläufern gestartet. Als ich weiterlaufe, befinde ich mich direkt hinter den 4:45 Stundenläufern. In weiter Ferne sehe ich meine 4:15er. Jetzt nur nicht übereilen. Du hast Zeit, viel Zeit. So ein Marathon ist nicht in fünf Minuten erledigt. Selber hast Du jedem gesagt, egal ob er/sie es wissen wollte oder nicht: was Du in der ersten Hälfte zu schnell bist, killt Dich im letzten Viertel. Also nicht hinterher sprinten, langsam aufschließen. Die Versorgung ist gut. An jeder Wasserstelle greife ich mir zwei Becher. Schwierig wird es dann, wenn ich noch zusätzlich Gel bunkern will und meinen Schwamm in das dafür vorgesehen Wasser tauchen möchte. Bloß nichts verkippen, Wasser ist Lebenskraft und Kühlung zugleich. Mit viel Wasser und Gel schaffe ich es, meinen Puls auf erträglichem Niveau zu halten. Nur 18 KM brauche ich, um meine Pacemaker einzuholen. Jetzt Speed rausnehmen und nichts übertreiben. Links und rechts kann man die ersten Läufer, die sich bei dem Wetter überschätzt haben, in der Waagerechten sehen. Gelegentlich hört man das Martinshorn der Krankenwagen. Das soll mir eine Warnung sein, brav bleibe ich hinter dem Luftballon mit der 4:15 drauf. Bei KM 27 höre ich meinen Namen rufen. Da stehen doch tatsächlich ein paar Freunde und feuern mich an. Ich jubele ihnen zu und muss mich beherrschen, nicht anzugasen. So eine Motivation zuckt in den Beinen. Ich bin stark und halte mich zurück. Kühle viel mit Wasser und lasse mich treiben. Bei KM 31 sind sie wieder da. Es geht mir wider Erwarten immer noch gut. Trotzdem halte ich den Übermut im Zaum. OK, Hannover ist nicht Hamburg. In Hamburg waren letztes Jahr über 18.000 Marathonfinisher im Ziel, in Hannover sind es gerade etwas mehr als 1.800. Hier läuft die Vielzahl der Teilnehmer den Halben. Trotzdem gibt es einige Sambagruppen, die uns Läufern einheizen. Eine jede bekommt Applaus von mir. Da hocken ein paar Schwarze und trommeln afrikanische Rythmen. Mein Applaus reist den Cheftrommler zu einem genussvollen „Yeah“ hin. Das ist Völkerverständigung.

 

Nun gut, ich habe KM 35 überschritten und merke so langsam, dass ich nicht mehr wirklich frisch bin. Jeder KM raubt mir ein wenig Kraft. Ich denke an Hamburg letztes Jahr. Bei KM 40,3 jubelt mir meine Familie zu und ich bin noch gut in Schuss. Bei KM 40,7 kommt der Mann mit dem Hammer und die letzten anderthalb KM fühlen sich länger an, als die 40,7 davor. Trotzdem kann ich nach der 39 KM-Marke nicht mehr widerstehen. Ich ziehe leicht das Tempo an. Kein Muskel will krampfen. Die 40er Marke fliegt an mir vorbei. Mittlerweile laufen wir mit den Halbmarathonläufern, die zwei Stunden später gestartet sind, zusammen. Das ist prima, das Läuferfeld ist dicht beieinander und ich kann viel ausgepumpte Läufer überholen. Im Ziel scheint ein Magnet zu stehen, je näher ich komme, umso schneller werde ich. Tatsächlich schaffe ich es, meine Pace von 6:00 Min/KM (10 KM/H) auf 5:00 (12 KM/H) zu steigern. Wow, ist das geil! Ich biege auf die Ziellinie ein, dort stehen wieder meine Leute und feuern mich an. Ich weiß nicht, wo es herkommt, aber da ist immer noch ein kleines, wenig Dampf und ich beschleunige. Fast fliege ich über die Ziellinie und muss aufpassen, dass ich nicht auf die Nase falle. Wie immer, überkommen mich diese, bis dahin nie bekannten Emotionen, nach einem Marathon. Ich will heulen und lachen zu gleich, doch womit anfangen? Überglücklich watschel ich ins Läuferdorf, nehme meine Medaille entgegen und trinke und esse, was ich finden kann. Was für ein Tag!

 

(04:13:24)

Kommentare

Das war mal die richtige Motivation für den nächsten Sonntag in Hamburg - vielen Dank dafür!

Jroooß - Dollberg - Köln

Danke für Eure Motivation, ich werde es wieder tun!

Respekt!!! bei hohen Temperaturen gehört auf so langer Strecke verdammt viel Disziplin dazu die zurechtgelegte Taktik und das Ziel ohne Einbruch zu schaffen :-) alles bestens gemacht :-))

Herzlichen Glückwunsch zu der tollen Leistung!!! Super Bericht!

 

Hey Volker !

Bärenstarker Auftritt. Meinen Glückwunsch zum Finish mit Endspurt :-))

So soll es sein und dann noch lächelnd über die Ziellinie.

Prima gemacht.

Meinen Glückwunsch! Super Bericht und tolles Ergebnis! Respekt habe ich seit letzten Sonntag noch viel mehr vor allen Marathonis! Da wars wohl in Hannover auch nicht kühler wie in Mainz... nun erst mal bissl regenerieren und weiter gehts.... ;-)

» Alle Kommentare
» Kommentar-RSS-Feed

Zum Kommentarschreiben anmelden or registrieren