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waldlaeuferin

Westerwaldlauf/Vatertag 2012

Von waldlaeuferin am 21.05.2012

So - endlich komme ich dazu, mal einen kleinen Bericht zu schreiben...

Bei strahlendem Sonnenschein und eisigen (höchstens) 0 Grad fuhr ich morgens in gewohnter Zeitknappheit nach Rengsdorf zum Freibad, um mich bereits zum 3.Mal meinem Lieblingslauf hinzugeben...dem Westerwaldlauf. Er findet im Rahmen eines Wandertages statt, ist ohne Zeitmessung und bietet dies Jahr Strecken von 10,17,25,33 und 50km.

Bei der Anmeldung bekommt man - ganz in Wandersmann-manier - ein Pappkärtchen mit Plastikhülle und einen groben Streckenplan ausgehändigt. Die Karte muß man an den Verpflegungsstellen abstempeln lassen, dadurch sehen die Veranstalter, welche Distanz man gelaufen ist. (man bekommt auch eine Urkunde mit der eigenen gemessenen Zeit) Somit ist alles offen - an einem ganz schlechten Tag kann man auf die 10km-Runde abbiegen - sich entsprechend später auf die 17er absetzen - oder auf die 25er und so weiter. Die Strecken wechseln übrigens jährlich - so weiß man nie wirklich, was einen erwartet. Für mich standen dies Jahr die 25er oder die 33er zur Debatte - bin ganz gut trainiert, aber mir fehlten die langen Strecken etwas...für die 24er waren 650HM angegeben, für die 33er 850. ich wollt mal wieder einfach sehen, wie hoch &weit ich so komme...;-)

Pünktlich um 8:00 der Läuferstart bei kaltem Traumwetter - ca.200 Leute machen sich auf den Weg - ich starte immer ziemlich hinten, laufe ohne Zeitidee und will mich einfach nur ein paar Stunden an der Natur und der tollen Strecke freuen. Diese führt zunächst ein Stück durch Rengsdorf, dann über den Römergraben - dann hinauf in den Wald...der Weg ist schmal und das Läuferfeld so dicht, dass man gehen muß. Das hab ich aber auch den Rest des Laufes beibehalten - steile Anstiege bin ich (und auch fast alle Anderen) gegangen. Dann geht es bergab über einen schmalen, serpentinigen Singletrail, über Steine und Äste. Wunderbar - genau mein Ding;-) Man durchläuft so romantisch klingende Gegenden wie "Laubachtal", "Almblick" und "Laubachsmühle" bis nach Altwied, dort über eine alte Brücke, danach wieder steil bergan. So geht es die ganze Zeit: hoch und runter. Über Stock und Stein und durch Wald und Feld. Die erste Verpflegungs- und Stempelstation bei km 9 nach fast 1,5 Std. Puh-ganzschön zeitzehrend dieses hoch & runter. Aber ich hatte mich auf "langsam" und "um die 5 Std" eingestellt, also alles OK. Da hier niemand unter Zeitdruck läuft, wird an den Verpflegungsstellen auch immer noch ein bisschen gequatscht, und man muß sich ja auch seinen Stempel abholen. Das sind immer nette Zwischenstops.

Geistig war ich schon auf der 33km-Runde, als die Streckentrennung bei km 10 an Schloß Monrepos dann kam - also rechts rum - noch schnell das Mammut fotografiert und weiter - noch 23km.

Das Feld hatte sich schon schwer ausgedünnt, vor mir verschwanden ein paar Läufer im Wald, hinter mir war nichts zu sehen. Bei diesem Lauf kann es durchaus passieren, daß man über Kilometer keinen anderen Läufer zu Gesicht bekommt! Die Strecken sind zum Teil so kurvig, daß der Vorläufer manchmal garnicht weit weg ist, und man ihn trotzdem nie sieht...da muß man dann schon ein wenig selbst auf die Markierungen achten (Boden & Schilder), wenn man sich nicht irgendwo im Wald wiederfinden möchte (und dann erklär mal jemandem, wo er Dich abholen soll: äh, ich steh hier - im Wald! ;-))

Weiter geht es zunächst lange durch den Wald. Bei km 12 trennt sich nochmal die 50km Runde ab, für mich geht es nach links weiter. Ich treffe auf 3 Kölner, denen ich mich über mehrere Kilometer anschließe.

An den ersten Lichtungen ist er schon zu sehen, und irgendwann kommen wir auf einen Feldweg - rechts im Blick: der Rhein! Wie geil! ich bin echt vom westerwald bis hierher herunter gelaufen, wo ich den Rhein sehen kann. Wow. kaum zu glauben! Ich bin begeistert, nehme an der nächsten kleinen Verpflegungsstation noch ein paar cracker & Tee zu mir und laufe beschwingt weiter - hier unten ist auch viel wärmer! Jacke aus! Daß grad erst die Hälfte der Strecke geschafft ist - und ich nun unten mit Blick auf den Rhein bin (und also wieder hoch in den westerwald muß) beunruhigt mich grad wenig. Aber doch ein bißchen...

Zwischendurch habe ich die 3 Kölner noch mitten im Wald vom falschen Weg zurückgerufen - sie waren einfach beim Quatschen weiter geradeaus gelaufen und hatten den Pfeil, der eine kleine Böschung hinab zeigte, glatt übersehen...

Nun führt die Strecke durch endlose Streuobst- und Wildblumenwiesen (ist auch Teil des Rheinsteigs) an Rodenbach vorbei und um Segendorf herum. Mittlerweile habe ich mit einem von den Kölnern etwas nach vorn abgesetzt, das Tempo stimmt. Wir führen Läufergespräche...

Bei km 23 kommt die nächste Verpflegungsstation und meine Sorge wächst - es geht zwar alles ganz gut, aber meine Beine werden doch langsam etwas schwer. Und wir sind bei Segendorf - das gehört zu Neuwied - also noch im Rheinbereich...da kommt noch was bergauf! uiuiui - innerlich beruhige ich mich - wollte ja eh nur Bewegung. kann ja auch die letzten Kilometer wandern. geht ja um nichts. Tee, Cracker, Banane - alle Speicher wieder aufgefüllt und weiter.

Irgendwann umlaufen wir Altwied, kommen an der Brücke vom Hinweg vorbei und dann geht´s auf einem sehr schönen Wanderweg (mal etwas komfortabler für die Beine) an der Wied entlang. Mir kam´s ewig vor, es waren aber nur 2 km - die Beine werden immer lahmer. Und wieder hoch in den Wald. Fluchen hilft nicht, also gehen.

Irgenwann erscheint wie ein Fünkchen Hoffnung Verpflegungsstelle 5! Die Ultimative! Die mit der Erbsensuppe und dem Bier! Dann kann es nicht mehr weit sein! Das schaff ich auch noch! Statt Erbsensuppe, Bier und Taxi gibt´s also einen großen Iso-drink. Mit neuen Beinen konnten die Damen & Herren hinter dem Tapeziertisch leider nicht dienen - also - weiter auf den alten! (Die Frage, ob es denn nun wenigstens mal bergab ginge, wurde mit einem "Ja - auch...äh..." beantwortet.)

Ich weiß nicht, ob´s am Isodrink lag - aber je näher wir dem Ziel kamen, desto besser wollten meine Beine wieder. Auf den letzten 3km waren sie fast wie neu (danke da oben - Bitte ans Universum wurde erhört) und ich lief sogar wieder die meisten Steigungen hoch. Als ich meinen Mitläufer allerdings wenige 100 m vor dem Ziel noch zu einem kleinen -ernstgemeinten- Endspurt aufforderte, erntete ich einen etwas ungläubigen Blick und ein  "nee, lass ma..."

Im Ziel! Ich bin echt im Ziel! In einem der unspektakulärsten der Welt zwar - in Rengsdorf steht niemand zum jubeln und es ist auch kein Fotograf da - aber das wegüberspannende Schild: ZIEL. Nach 4 Std. 32 min bin ich echt nach 33km und 800HM hier! Wow! Und das mit nur 2x15km in der Vorbereitung! Geil! 

Die Treppe runter zum Freibad fällt schon etwas schwer - aber ohne Urkunde geh ich hier nicht weg! Dann noch ein bißchen in der Sonne gesessen und geklönt - Badeanzug hatte ich heut morgen bei 0 Grad nicht eingepackt - mittlerweile ist es um die 18 und einige Leute schwimmen im beheizten Freibad.

Im Laufe des Freitags bildete sich dann doch mal ein kleiner Muskelkater heraus, aber nur vorn an den Oberschenkeln. Der hielt mich auch nicht ab, Samstag noch eine kleine 10km-Runde zu laufen. Ging erstaunlich gut. Und war mit 55min garnicht so langsam.

Der Westerwaldlauf war - wie immer - ein tolles, motivierendes Jahres-Highlight mit super-toller Streckenführung und netten Leuten.

Mein persönliches Motto: Westerwaldlauf - wachs über dich selbst hinaus!

Vielen Dank für´s zu-Ende-lesen! LG

P.S.: wie macht man hier eigentlich Fotos rein??

Kommentare

Toll! danke für den lebhaften Bericht. War in Gedanken gerade in meinem Urlaub, wo ich feststellte, dass ich eine extreme Bergaufschwäche habe :))) Hut ab vor deinen vielen Höhenmetern!!!

Achso, das mit den Bilder müsste doch über das Icon mit dem Bäumchen funktionieren.

Wunderschöner, sehr unterhaltsamer Bericht. Danke dafür. War das dann dein erster Herantaster an den Rigi, oder?! ;-) ... Ich muß gestehen, als ich am Wochenende meinen Lauf hatte und mich den 4 km Anstieg hochquälte musste ich kurz an dich denken. Es waren so Gedanken wie: "Ist die verrückt?" oder "Wer tut sich sowas freiwillig an?" :-D ... und ich rede hier von einem Lauf mit etwas mehr als 200Hm und nicht über 1000 ;-) Am Ende habe ich es mir aber alles selbst beantworten können. Das Gefühl im Ziel, es geschafft zu haben macht alle Strapazen wieder vergessen ... fast zumindestens, wenn der Muskelkater am Tag danach nicht wär. ;-)

Ich wünsch dir auf deinem weg zum Rigi weiterhin viel Spaß.  

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